Kunstschnee rettet Skigebiete

WINTERSPORT ⋅ Trotz schlechtem Start sind die Zentralschweizer Skigebiete zufrieden mit der Saison. Allen voran jene, die ihre Pisten künstlich beschneien konnten. Die Schneekanonen arbeiteten wie nie zuvor.
18. März 2017, 07:31

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Der Frühling klopft an wie ein Vertreter für Büroartikel: laut und energisch. Am Freitag stiegen die Temperaturen in Luzern auf fast 20 Grad, keine Wolke war am Himmel. Die Skisaison ist deshalb aber noch nicht zu Ende. «Die Bedingungen sind im Moment phänomenal», sagt Peter Reinle, Marketingdirektor der Titlis Bergbahnen AG. Das war nicht immer so: Nach den ersten Schneefällen im November herrschte Föhn, dann Trockenheit. Erst Anfang Januar kam der grosse Schnee. Dennoch sind die Titlis-Verantwortlichen zufrieden: «Es sieht so aus, als ob wir dieses Jahr leicht besser abschneiden werden als letztes. Und der letzte Winter war schon sehr gut», so Reinle.

Eitel Sonnenschein auf dem Titlis also. Gleich die Situation bei der Skiarena Andermatt-Sedrun. CEO Silvio Schmid sagt: «Die Verhältnisse sind bei uns momentan optimal.» Der Saisonstart war aber auch in Andermatt verhalten: «Wir hatten zu Beginn keinen überwältigenden Besucherandrang – obwohl die Talabfahrten schon im Dezember offen waren.» Dennoch ist der CEO zufrieden – wenigstens einigermassen: «Wir werden wahrscheinlich besser abschneiden als letzte Saison.»

Kunstschnee als Unterlage

Dass das Titlis-Gebiet und die Skiarena Andermatt-Sedrun trotz Schneemangel befriedigende Abschlüsse erzielen werden, hat einen Grund: Kunstschnee. «So viel wie dieses Jahr haben wir noch nie beschneit», sagt Schmid. Peter Reinle meint dazu: «Ich kann nicht sagen, ob es ein Rekordwert ist, aber wir haben sehr viel technischen Schnee hergestellt.» Das zahle sich nicht nur wegen der Schneemenge aus. Reinle: «Bei uns besteht vor allem die Unterlage aus Kunstschnee. Wir haben bemerkt, dass der Folgeaufwand kleiner ist, als wenn der Untergrund aus Naturschnee wäre.» Die Pistenqualität sei durch den künstlichen Schnee sehr gut gewesen. «Zudem hatten wir weniger Aufwand mit den Pistenfahrzeugen.»

Wer beschneien kann, gewinnt also. Der höchste Punkt im Skigebiet Titlis liegt auf 3040 Metern, der Gemsstock in Andermatter Skiarena auf über 2900 Metern Höhe. So hoch oben sind die Temperaturen tief genug, um Schnee zu produzieren. Anders sieht es in niedrigeren Lagen aus. Zum Beispiel in Sörenberg:«Uns machten die warmen Temperaturen auf etwa 1500 Metern zu schaffen. Deshalb konnten wir nicht immer beschneien, auch wenn wir die Anlagen dazu hätten», sagt der Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG, René Koller.

Mit Ausnahme der Skilifte im Gebiet Rischli sind derzeit aber alle Anlagen offen. «Die Pistenverhältnisse sind sehr gut», so Koller. Seine Saisonbilanz fällt dennoch durchzogen aus. Besonders das Weihnachtsgeschäft habe gelitten. Aber: «Durch das gute Wetter im Januar und Februar konnten wir die Ausfälle kompensieren.»

«Die Leute sind in Scharen gekommen»

Mit seiner Saison kann Toni Krummenacher nicht zufrieden sein. Er betreibt den kleinen Skilift in Gfellen-Finsterwald im Entlebuch. Dieser steht seit der Fasnacht still. «Damit der Skilift rentiert», so Krummenacher, «brauche ich etwa 25 bis 30 Betriebstage. Diese Saison waren es etwa 15.» An diesen 15 Tagen ­seien die «Leute dafür in Scharen gekommen». Nebst Niederschlägen fehlen Krummenacher die Möglichkeiten, selber Schnee zu produzieren. Er wollte zwar eine Schneekanone anschaffen, die Eingabe wurde aber aus Umweltschutzgründen abgewiesen (Ausgabe vom 12. Dezember 2016).

Beschneiungsanlagen sucht man auch auf der Rigi vergebens. Obwohl die Skilifte nicht durchgehend in Betrieb waren, spricht Kommunikationsleiterin Sandrina Glaser von «einer hervorragenden Saison». Der Rigi Bahnen AG kommt zugute, dass sie nicht nur auf Ski- und Snowboardfahrer angewiesen ist. Hauptzielgruppen sind Winterwanderer, Schlittler und Schneeschuhläufer.

Um nicht nur vom Schneefall abhängig zu sein, hat ein Wintersportgebiet zwei Möglichkeiten: Entweder es baut sein Angebot aus – so wie die Rigibahnen. Oder es hilft selber nach, sprich produziert Schnee. Die Titlis Bergbahnen AG geht auch in Zukunft den zweiten Weg. Marketingdirektor Peter Reinle: «Auf kommende Saison werden wir unsere Anlagen erneuern und die Kapazität erhöhen.»

Auch Toni Krummenacher vom kleinen Lift in Gfellen-Finsterwald lässt sich von seinen Investitionsplänen nicht abbringen. Seine Beharrlichkeit scheint zu fruchten: «Noch ist nichts definitiv, aber in den letzten Verhandlungen hat sich eine Lösung abgezeichnet, die sehr positiv für uns ist.» So will Krummenacher im nächsten Winter auch zu den Gewinnern gehören.


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