Leistungsabbau an Luzerner Gymis – Lehrer machen Ernst

LUZERN ⋅ Gymnasiallehrer überlegen sich, Klassenlager und Projektwochen zu streichen, weil ihnen der Kanton eine zusätzliche Unterrichtslektion aufbrummt. Eine erste Entlastungsmassnahme ist bereits beschlossen.
05. Februar 2017, 08:20

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Die Gymnasiallehrer in Luzern setzen ihre Worte in Taten um: «Die Schulen sind daran, konkrete Massnahmen zu definieren, ­inwiefern sie künftig Leistungen abbauen können», sagt Remo Herbst, Präsident des Verbands der Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer (VLM). In den Gymnasien haben in diesen Tagen Sitzungen zu diesem Thema stattgefunden, wie Lehrer bestätigen. Diskutiert wurde etwa, ob künftig noch Klassen­lager durchgeführt werden sollen, wie viele Elternabende man veranstalten oder inwiefern es noch Projektwochen geben soll.

Die Gymnasiallehrer sind laut Herbst je länger, je mehr gezwungen, nur noch «Unterricht nach Vorschrift» anzubieten. Dies, weil die Lehrer an den Gymnasien unter «unhaltbaren» Arbeitsbedingungen leiden, wie es der VLM-Präsident und Lehrer an der Kantonsschule Alpenquai nennt. Seine Aussagen sind eine Reaktion auf einen Beschluss der Luzerner Regierung, der durch den Kantonsrat im vergangenen Dezember angenommen wurde. Demnach müssen Gymi-Lehrer ab dem neuen Schuljahr eine Lektion pro Woche mehr unterrichten – der Kanton will damit Kosten sparen (Ausgabe vom 29. Januar).

Lehrer bilden sich weiter – Schüler haben zusätzlich frei

Wegen der höheren Pensen fordert der VLM die Überarbeitung des Berufsauftrags. «Mit der Pensenerhöhung kommen zwei zusätzliche Wochen Arbeitszeit pro Jahr hinzu. Ohne deutlichen Abbau bei den Aufgabenbereichen, die nicht zur direkten Unterrichtszeit zählen, ist dies nicht mehr zu bewältigen», sagt Herbst. Und er fügt an: «Wir gehören neu zu den fünf Kantonen mit der höchsten Arbeitsbelastung, während wir in Sachen Lohn im untersten Drittel sind.» Um eine Änderung zu bewirken, hat der VLM das Gespräch mit dem Kanton gesucht. Eine nächste Sitzung mit der Dienststelle Gymnasialbildung ist auf Mitte Februar angesetzt, wie Herbst bestätigt. «Am liebsten wäre es uns, wenn die Pensenerhöhung rückgängig gemacht würde. Ist dies nicht der Fall, müssen wir unseren Berufsauftrag anpassen.» Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung des Kantons, teilt die Ansicht des VLM, dass die Belastung für die Gymnasiallehrer eingedämmt werden muss: «Wir werden in den nächsten Monaten prüfen, ob der Berufsauftrag konkretisiert werden muss.»

Er weist darauf hin, dass eine wesentliche Entlastungsmassnahme für die Lehrer schon beschlossen wurde. «Ab Sommer 2017 werden die schulinternen Weiterbildungen für die Gymnasiallehrer neu unter der Woche stattfinden und nicht mehr an Samstagen wie bis anhin.» Zu solchen Weiterbildungen kommt es in der Regel an rund zwei Tagen im Jahr. «Der Unterricht für die Schüler fällt an diesen Tagen aus.» Ob weitere Massnahmen nötig und sinnvoll seien, müsse man diskutieren. «Spielraum sehe ich nicht bei der Dienststelle, sondern vielmehr in den einzelnen Schulen.»

«Bürokratie dürfen wir gerne abbauen»

Der Kernauftrag für die Lehrer sei gesetzlich verankert und bleibe ungeachtet der Pensenerhöhung bestehen, sagt Magno. Und er fügt an: «Bürokratie dürfen wir gerne abbauen, nicht aber wirksame Qualitätssicherung für die Schüler.» Zudem dürfe man nicht vergessen, dass vor einigen Jahren für Schüler und Lehrer die Ferien während der Weihnachtszeit verlängert wurden – ohne Einfluss auf die Arbeitszeiten der Lehrer. Für Remo Herbst zählt dieses Argument allerdings nicht. Er sagt: «Andere Lehrer, etwa solche an den Berufsschulen, hatten schon längere Weihnachts­ferien. Die damalige Anpassung war folglich nicht mehr als eine faire Angleichung – zumal Gymnasiallehrer in der gleichen Lohnklasse sind wie Berufsschullehrer.» Mit der beschlossenen Massnahme, die Weiterbildungen in die reguläre Unterrichtszeit zu integrieren, sei es nicht getan. «Das macht zwei Tage im Jahr aus. Wir aber arbeiten künftig 14 Tage länger.» Dies gelte es zu kompensieren. «Man kann uns nicht mehr Unterrichtszeit aufbrummen und fernab unseres Kernauftrags die gleichen Leistungen wie bis anhin verlangen.»


Leserkommentare

Anzeige: