Letzte Gegnerin vollzieht eine Kehrtwende

ADLIGENSWIL ⋅ Für das neue Altersheim sieht es gut aus. Die FDP, die das Projekt bisher stets kritisierte, hat den Widerstand aufgegeben.

22. Februar 2016, 05:00

Im Dorfzentrum ist es bereits ausgesteckt: das geplante Alters- und Gesundheitszentrum (AGZ) in Adligenswil. Das Projekt sieht 46 betreute Wohnungen, 56 Pflegebetten, eine Cafeteria und eine Hausarzt-Gemeinschaftspraxis vor. Am Sonntag entscheiden die Stimmbürger über das 43 Millionen teure Projekt. Bei einem Ja soll der Bau des Zentrums noch dieses Jahr beginnen.

FDP wollte privaten Investor

Bisher fehlen Wohnangebote für Betagte in der Gemeinde. Dass sich das bald ändert, scheint mehr als nur realistisch: So haben alle Adligenswiler Parteien die Ja-Parole zur Abstimmung gefasst, auch die Baukommission spricht sich für das neue Altersheim am Riedbach aus. Die Einigkeit überrascht. Schliesslich hat sich insbesondere die FDP gegenüber dem Projekt stets kritisch gezeigt. Bei der Gemeindeversammlung am 25. August wollte sie den Gemeinderat mit dem Finden eines privaten Investors beauftragen. Die Versammlung stellte sich damals aber grossmehrheitlich auf die Seite des Gemeinderats. Dieser will, dass eine Genossenschaft das neue Zentrum baut.

Warum ändert die FDP plötzlich ihre Meinung? «Auch unsere Partei sieht, wie gross das Bedürfnis der älteren Bevölkerung nach Wohnen und Pflege im Alter in der eigenen Gemeinde ist. Diesen Wunsch respektieren wir», sagt Co-Präsidentin Marion Maurer auf Anfrage. Mit ihrer skeptischen Haltung sei die FDP ganz alleine da gestanden, so Maurer weiter. «Wir nahmen eine so breite Abstützung des Projektes wahr, dass wir uns schliesslich dazu entschlossen haben, grünes Licht zu geben.»

Der Umschwung der FDP freut Sozialvorsteher Pascal Ludin (SP): «Dass sich alle Parteien positiv zum neuen Alters- und Gesundheitszentrum aussprechen, ist ein Zeichen dafür, dass ein solches Zentrum dringend nötig ist.» Ein weiteres Zeichen sei die Tatsache, dass die Genossenschaft das nötige Geld sammeln konnte. «Die Stimmbevölkerung hat sich immer klar für das AGZ ausgesprochen. Wir hoffen natürlich, dass dies auch am Sonntag wieder so sein wird», so Ludin.

Gemeinde gründet eigene AG

Bei einem Ja wird die Genossenschaft «Wohnen und Leben am Riedbach» offiziell gegründet, bisher bestand sie nur als Interessensgemeinschaft. Die Genossenschaft finanziert dann den Bau des AGZ. Sie kauft auch das Land von der Gemeinde: Pro Quadratmeter erhält diese 800 Franken. Bei einer Fläche des Areals von 1222 Quadratmetern macht dies 9,7 Millionen Franken. Die Gemeinde beteiligt sich am Bau nur in Form einer Solidarbürgschaft in der Höhe von 15 Millionen Franken. Der Bau des neuen Altersheims soll gemäss Ludin bis 2019 dauern. Danach bleibt die Genossenschaft Besitzerin der Liegenschaft, vermietet das Pflegeheim aber wiederum an die Gemeinde Adligenswil. Die Wohnungen würden durch die Genossenschaft selbst verwaltet.

Vorgesehen ist, dass die Gemeinde für den Betrieb des neuen Zentrums eine Aktiengesellschaft gründet. Somit würde das Heim ausgelagert, wie dies bereits in der Stadt Luzern der Fall ist.


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