Lottoscheine finanzieren Studentenspiele

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ An der Universiade 2021 beteiligen sich alle sechs Kantone. Jetzt zeigt sich, wie die Kosten verteilt werden – und wo die Bürger mitbestimmen können.

11. Februar 2016, 05:05

Es ist ein beachtlicher Event. Aus der ganzen Welt sollen rund 2500 Studenten und deren Betreuer in die Zentralschweiz strömen, um sich etwa im Skifahren, Biathlon, Eishockey oder Curling zu messen. Ob die Universiade im Winter 2021 in unserer Region durchgeführt wird, entscheidet der Internationale Hochschulsportverband am 5. März in Brüssel. Dass sich der Verband für die Zentralschweiz entscheiden wird, damit rechnet der hiesige Trägerverein fest. Zur Trägerschaft gehören alle sechs Zentralschweizer Kantone. Am 33,5-Millionen-Event wollen sich die Kantone mit 13 Millionen Franken beteiligen. Auch der Bund soll die gleiche Summe zahlen, dazu die Stadt Luzern als Gastgeberstadt 2 Millionen und Sponsoren den Rest (wir berichteten).

Welcher Kanton wie viel zahlen muss, ist jetzt, sechs Wochen vor der Vergabe, noch nicht gänzlich bekannt. «Wir warten die definitive Zusage ab. Erst dann können wir entscheiden, welche Sportart an welchem Ort ausgetragen wird – dann können wir die entsprechenden Beiträge unter den Kantonen verbindlich festlegen», sagt Niklaus Bleiker, Vizepräsident des Trägervereins und Volkswirtschaftsdirektor von Obwalden.

Lotteriefonds ist Regierungssache

Laufen die Kantone damit Gefahr, dass die Universiade vergeben wird, die nötige Finanzierung aber nicht abgesichert ist, etwa von den kantonalen Parlamenten? Diese Befürchtung entschärft Urs Hunkeler, Leiter des Bewerbungskomitees. Denn der Kanton Luzern, wie etwa auch der Kanton Obwalden, schöpft das Geld aus dem kantonalen Lotteriefonds. Darüber kann die Regierung im Alleingang entscheiden, das Parlament muss dazu nicht sein Einverständnis geben. Wie hoch der Luzerner Beitrag sein wird, gibt die Regierung noch nicht preis.

Regierungsrat Bleiker zu Obwalden: «Wir haben das Parlament in der Planung des Aufgaben- und Finanzplans und des Budgets über den Kredit informiert. Es ist vorgesehen, dass wir jedes Jahr 200 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds zurückstellen.» Damit könnte sich der Kanton Obwalden mit maximal 1,2 Millionen Franken an der Universiade beteiligen.

Die anderen sechs Kantone beteiligen sich wohl wie folgt: der Kanton Schwyz mit 1,6 Millionen, Zug mit 1 Million (beide nehmen das Geld aus dem Lotteriefonds). In Uri hiess der Landrat einen Kredit von 500 000 Franken Ende des letzten Jahres gut, in Nidwalden befindet der Landrat über den Kredit von 250 000 Franken Ende Monat. Summa summarum sind das 4,55 Millionen. Damit wird der Kanton Luzern wohl die restlichen 8,45 Millionen auf sich nehmen – den mit Abstand grössten Beitrag. Der Kanton hält hierzu fest, dass die Verteilung auf die Kantone noch Gegenstand von Verhandlungen sei.

«Nur für Teilnehmer interessant»

Die Ausgaben sollen jedoch in die Wirtschaft zurückfliessen: «Ins regionale Gewerbe, die Hotellerie oder andere Dienstleister», so Urs Hunkeler. In neue Infrastruktur werde man kaum investieren müssen. «Alle Anlagen sind bereits vorhanden. Einzig in Andermatt müsste die Biathlon-Schiessanlage erweitert werden.» Zudem soll die Tourismusregion Zentralschweiz an Bekanntheit gewinnen.

Ob sich das für die Kantone auszahlen wird, bezweifelt Guido Tognoni, der sich als ehemaliger Marketingmanager bei der Fifa mit Grossanlässen auskennt. «Die Universiaden sind seit längerer Zeit absolute Non-Events, interessant vielleicht für die Teilnehmer selbst.» Die öffentlichen Gelder könne man für den Schweizer Sport sinnvoller ausgeben, ist Tognoni überzeugt. Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, sagt, dass die Universiade für die Region vor allem wegen der vielen Teilnehmer interessant ist. «Das wird eine direkte Wertschöpfung für die lokalen Hotels oder Restaurants mit sich ziehen», so Stettler. Ob auch längerfristig der Bekanntheitsgrad gesteigert werden kann, lasse sich nur schwer voraussagen – und müsse auch in ein Verhältnis zu den Ausgaben der öffentlichen Hand gestellt werden. Ob die 13 Millionen verhältnismässig viel oder wenig sind, «ist schlussendlich ein politischer Entscheid», so Stettler. «Die Zielgruppe ist aber durchaus interessant: gebildete, junge Menschen aus der ganzen Welt.»

Dennoch sei die Universiade für private Investoren kaum interessant wegen der voraussichtlich tiefen Quoten der TV-Übertragungen. «Das ist wie bei den Randsportarten: Sie bieten schlicht und einfach eine zu kleine Plattform für grosse Investoren.»


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