Luzern reaktiviert Klage im Fall Sennhauser

ARCHÄOLOGIE ⋅ Der Kanton St. Gallen hat im Streit um Grabungsdokumentationen vor Gericht einen ersten Erfolg erzielt. Jetzt will auch der Kanton Luzern wieder aktiv werden. Doch der Unterlegene gibt noch nicht auf.
04. Dezember 2017, 05:00

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Der Luzerner Kantonsarchäologe Jürg Manser schöpft neue Hoffnung im Fall Sennhauser. Das Bezirksgericht Zurzach hat kürzlich über die Klage des Kantons St. Gallen entschieden; und zwar zu Gunsten von St. Gallen und gegen den emeritierten Professor für Kirchenarchäologie Hans Rudolf Sennhauser (85). Jetzt möchte auch der Kanton Luzern wieder aktiv werden und seine Klage gegen Sennhauser reaktivieren, um die Herausgabe der Dokumentationen zur Johanniterkommende in Hohenrain gerichtlich zu erzwingen. Luzern hatte seine Klage sistiert, um mit Sennhauser neue Verhandlungen zu führen, die aber nicht zum Erfolg führten.

Im konkreten Fall zu St. Gallen geht es um die Aushändigung der Originaldokumente über die Ausgrabungen des als Weltkulturerbe eingestuften Klosterbezirks. Die Grabungen, welche der in Bad Zurzach lebende Hans Rudolf Sennhauser in den 60er-Jahren leitete, wurden teilweise mit öffentlichen Geldern finanziert. Bis heute weigert sich Sennhauser, dem Kanton St. Gallen die Dokumentationen auszuhändigen. Das Bezirksgericht Zurzach kam nun aber zum Schluss, dass diese dem Kanton St. Gallen gehören und nicht Sennhauser (siehe Kasten). Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Sennhauser zieht es ans Kantonsgericht weiter, wie die NZZ schreibt.

St. Gallen ist nur einer von mehreren Kantonen, der mit dem Archäologieprofessor seit Jahrzehnten um Ausgrabungsdokumentationen streitet. Betroffen sind mindestens weitere 57 Dokumentationen zu Grabungen in 13 Kantonen. Sie befinden sich in der von Sennhauser gegründeten «Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter» (FSMA), in einem mittelalterlichen Riegelbau in Bad Zurzach. Laut dem Gutachten eines unabhängigen Expertenteams bestehen gravierende Mängel bezüglich der sachgerechten Archivierung.

Der Kanton Luzern kämpft seit Jahren vergeblich um die Her­ausgabe von Dokumentationen zu mehreren Ausgrabungen. Durch das Urteil des Bezirksgerichts St. Gallen fühlt sich der Luzerner Kantonsarchäologe Jürg Manser nun aber bestätigt, dass die Kantone im Recht sind. «Wir sind natürlich erfreut über das positive Urteil», sagt Manser auf Anfrage. Allerdings betont er, dass die Fälle St. Gallen und Luzern nicht identisch seien.

Luzern will seine Klage noch «schärfen»

Auch wenn St. Gallen letztlich siegreich aus den Verfahren hervorgehen sollte, so heisse das nicht automatisch, dass Luzern auf seine Klage verzichten könne. Auch sei Sennhausers Stiftung nicht grundsätzlich «geknackt». «Luzern muss sich seine Kastanien selber aus dem Feuer holen», so Manser. Immerhin könne man das jetzt aber mit Zuversicht tun. «Unser Anwalt ist dabei, das Urteil St. Gallen auszuwerten. Wir können unsere Klage wohl noch schärfen.» Manser hofft, dass der Kanton bis Mitte 2018 ein erstes Ergebnis erhält. Allerdings: Der Kanton Luzern wird im Archäologiestreit wohl weiterhin einen langen Atem brauchen. Manser: «Mit acht Jahren Erfahrung im Fall Sennhauser würde es mich überraschen, wenn er mal nicht auf die Verzögerungstaktik setzen würde.»


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