Luzerner Fasnacht: Der Bundesrat bleibt hart

FASNACHT ⋅ Der Hilferuf aus Luzern in Bundesbern hat keine Wirkung. Einzig die Basler Fasnacht bleibt Kandidatin fürs Weltkulturerbe.
16. Dezember 2014, 08:20

Luzern hat seinen fasnächtlichen Stolz und ein «rüüdig verrecktes» Gewissen. Das zeigte sich gestern Abend, bei der Präsentation von Silvio Panizzas 43. Luzerner «Fasnachtsfüerer». Neben allen wichtigen Daten und Fakten wartet er diesmal mit einer besonderen Story auf.

Wir erinnern uns: Im Oktober veröffentlichte der Bundesrat seine Kandidatenliste für die Aufnahme ins immaterielle Unesco-Weltkulturerbe. «Huerenaff!», konnte man da auf gut Luzerner Fasnachtsdeutsch nur ausrufen: Alain Berset, oberster Chef des Eidgenössischen Departements des Innern, wagte es doch tatsächlich, die Basler der Luzerner Fasnacht vorzuziehen.

In der Tat: Neben so währschaften schweizerischen Besonderheiten wie dem Uhrmacherhandwerk, dem Jodel oder dem Winzerfest in Vevey steht die Basler Fasnacht auf der Liste – nicht aber die «rüüdig verreckten» Tage von Luzern. Gopferteckel, das darf doch nicht wahr sein, sagte sich Panizza. Flugs schrieb er dem Bundesrat einen Brief. Ganz nett, in anständigen Worten.

Basel in Ehren – in Luzern sei man aber der Meinung, dass «nicht nur eine einzelne Fasnacht», sondern «die Fasnacht als solches» ins Weltkulturerbe aufgenommen werden sollte, liess Panizza Bundesrat Berset wissen. Es sei doch wie beim Jodel; da würdige man auch nicht einen einzelnen Jodelclub, sondern das Jodeln als Ganzes.

Antwort von Bundesrat Berset

Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Am 25. November meldete sich Bundesrat Berset über die Direktorin des Bundesamts für Kultur (BAK) brieflich bei Panizza. Man habe sein Anliegen geprüft, so BAK-Chefin Isabelle Chassot. Eine Expertengruppe sei aber zum Schluss gekommen, dass «angesichts der vielen bereits in den Listen verzeichneten Karnevalsarten aus der ganzen Welt nur eine Kandidatur mit einem klaren Profil und unverkennbaren Besonderheiten eine Chance hat». Und dies sei nun halt eher die Basler Fasnacht «mit ihren vielen Facetten» und ihrer «Ausstrahlung im In- und Ausland».

Kein isolierter Anlass

Da lacht der Waggis, während Bruder Fritschi eine Träne wegwischt. Das mit den «Karnevalsarten» sei eine etwas seltsame Schreibweise und töne arg nach deutschem Karneval, sagt Panizza. Dennoch: Er akzeptiert Bersets Antwort. Wichtig sei aber, dass bei der Ausformulierung des Antrags an die Unesco klargemacht werde, dass die Basler Fasnacht nicht ein isolierter Anlass sei, sondern «grundsätzlich das Schweizer Brauchtum der Fasnacht vertritt».

Hinweis:

De rüüdig Fasnachtsfüerer ist ab 18. Dezember für 5 Franken an allen grösseren Kiosken der Zentralschweiz erhältlich.


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