Luzerner Jugendradio 3fach bangt um Zukunft

NO BILLAG ⋅ Der Radiosender 3fach wie auch der Fernsehsender Tele 1 profitieren von staatlichen Gebührengeldern. Eine Annahme der Initiative hätte für beide Sender einschneidende Konsequenzen.
08. Januar 2018, 05:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Werde die No-Billag-Initiative am 4. März angenommen, sei dies das Ende der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), lässt diese seit Monaten verlauten. Die SRG ist zwar der grösste, nicht aber der einzige Abnehmer der Radio- und TV-Gebühr. Viele kleine Sender, auch in der Zentralschweiz, profitieren davon. Was wird aus ihnen, wenn bei einem Ja die Billag-Gebühr gestrichen wird?

Von den jährlich rund 1,3 Milliarden Franken, die an Gebührengeldern zusammenkommen, bezieht die SRG 92 Prozent. Bis zu 6 Prozent gehen an private Radio- und Fernsehstationen. Der Rest fliesst an die Billag für das Eintreiben der Gebühren sowie an das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) für die Aufsicht. Dies ist im revidierten Radio- und Fernsehgesetz geregelt, das im Juli 2016 in Kraft getreten ist. Seit der Revision erhalten private Sender mehr Gebührengelder (6 statt vorher 4 Prozent).

Von den 21 Radio- und 13 Fernsehstationen, auf die der Gebührenanteil von maximal 81 Millionen Franken aufgeteilt wird, befinden sich zwei in der Zentralschweiz, beide in Luzern: Radio 3fach und Tele 1.

Bis zu 80 Prozent über Gebühren finanziert

Der nicht-kommerzielle Radiosender 3fach hat den Leistungsauftrag des Bundes, sich musikalisch von kommerziellen Sendern zu unterscheiden und ein jugendliches Zielpublikum zu bedienen. Vom Staat erhält er jährlich maximal 482494 Franken. Der genaue Betrag ist abhängig vom erwirtschafteten Umsatz des Radios. «Das sind knapp 20 Rappen von jedem Billag-zahlenden Haushalt», sagt Geschäftsleiterin Alice Reinhard. Weitere Einnahmequellen sind der 3fach-Memberclub, diverse Veranstaltungen und insbesondere die Sommerbar Volière auf dem Inseli. Da die Bewilligung zu deren Betrieb jährlich vergeben wird, ist es allerdings möglich, dass 3fach eines Tages auf diese Einnahmen verzichten muss. Laut Alice Reinhard machen die Gebührengelder rund die Hälfte der Einnahmen aus, wenn die «Volière» mitgezählt wird, ansonsten maximal 80 Prozent.

«Ohne die Gebühren könnte Radio 3fach nicht in der bisherigen Form als werbefreies und unabhängiges Radio weitergeführt werden», ist für Reinhard klar. «Die Abschaffung der Billag würde die Vielfalt der Radio- und Fernsehlandschaft reduzieren.» Das zeige sich sehr konkret beim Radio 3fach, das sich als Ausbildungsstätte und als Plattform für Kultur- und Musikschaffende auszeichne. Darauf will man nun aufmerksam machen: Am 22. Januar werden auf dem Bahnhofplatz Luzern im Rahmen der Aktion «No Billag No 3fach» von 17.30 bis 18.30 Uhr Flyer verteilt. Dabei wird das Jugendradio sinnbildlich zu Grabe getragen. Am 3. Februar ab 12 Uhr gibt’s zudem einen Tag der offenen Tür: Man kann das Radiostudio an der Zürichstrasse 49 besichtigen.

Gemäss Joachim Freiberg, Leiter elektronische Medien Zentralschweiz der NZZ-Medien­gruppe – zu der auch die «Luzerner Zeitung» gehört –, bekommt der Fernsehsender Tele 1 rund 2,97 Millionen Franken jährlich an Gebührengeldern, was etwa 55 Prozent des Budgets ausmacht. Was ein Wegfall der Gelder für Tele 1 bedeuten würde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht so einfach sagen. Freiberg: «Der Entscheid ist ja nicht nur ein rein rechnerischer, sondern auch ein strategischer.» Zudem liege dieser in jedem Fall in der alleinigen Kompetenz des Verwaltungsrates.


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