Luzerner Stadtrat will 11 Millionen Franken für Industriestrasse-Areal

STÄDTEBAU ⋅ Eine Kooperation aus fünf Genossenschaften soll auf dem Industriestrasse-Areal in Luzern bis 2024 eine Überbauung für Wohnen, Arbeiten und Kultur realisieren. Der Stadtrat will ihr das dazu nötige Grundstück im Baurecht für rund 11 Millionen Franken abtreten.

22. März 2016, 11:00

Der Stadtrat ist überzeugt, mit der Baurechtsnehmerin eine gute Lösung vorzulegen, wie er im am Dienstag veröffentlichten Bericht und Antrag an das Parlament schreibt. In diesem Verbund vertreten sind die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (abl), die Baugenossenschaft Wohnwerk Luzern, die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Industriestrasse Luzern (GWI), die Liberale Baugenossenschaft und die Wogeno Luzern.

Dass sich für die Entwicklung des Areals gleich fünf Wohnbaugenossenschaften zusammentun, sei eindrücklich und innovativ, heisst es weiter. Diese hatten an der im September 2014 gestarteten schweizweiten Ausschreibung teilgenommen und als einzige eine Bewerbung eingereicht.

Die Stadtregierung liess in Zwischenzeit einen entsprechenden Baurechtsvertrag ausarbeiten, den sie nun dem Parlament unterbreitet. Sie will der Kooperation das Baurecht bis am 31. Dezember 2096 einräumen. Die Kooperation soll der Stadt dafür einen einmaligen Baurechtszins von 11,02 Millionen Franken bezahlen.

160 Wohnungen, 200 Arbeitsplätze

An der Industriestrasse soll ein neues Wohn- und Arbeitsquartier mit einer eigenständigen Identität und bezahlbaren Wohnungen entstehen. Vorgesehen sind sowohl Hallenwohnungen, Wohnateliers als auch traditionelle Wohnungen. Der Anteil der Familienwohnungen - das heisst, 4,5-Zimmer-Wohnungen oder grösser - muss mindestens 50 Prozent betragen.

Insgesamt sollen bis zu 160 Wohnungen und 200 Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kommen Ateliers, eine Beiz und ein Gemeinschaftsraum. Das Investitionsvolumen wird auf 83 bis 90 Mio. Franken geschätzt. Stimmt das Stadtparlament dem Baurechtsvertrag zu, will die Kooperation 2017 einen Wettbewerb durchführen.

Die Kooperation muss auf dem Areal auch ein Kindergartenlokal erstellen und der Stadt vermieten. Zudem muss die Überbauung die Kriterien für das 2000-Watt-Gesellschaft-Zertifikat erfüllen. Festgehalten ist auch eine Duldungspflicht der Gassenküche.

Das Käselager an der Industriestrasse 9 ist im Bauinventar als erhaltenswert eingetragen. Die Kooperation ist verpflichtet, mit der Gebäudesubstanz "schonend und denkmalverträglich" umzugehen, heisst es im Bericht. Die ehemalige Porzellanfabrik an der Industriestrasse 15/17 bleibt bis und mit der ersten Bauetappe auf dem Areal erhalten. Langfristig wird das Gebäude aber abgerissen.

Stadt will Rückbau finanziell unterstützen

Bekannt ist, dass das Areal verschmutzt ist. Der Stadtrat beantragt deshalb beim Parlament einen Kredit von 350'000 Franken für den Abbbau von schadstoffbelasteten Gebäudeteilen und für die Entsorgung von verschmutztem Aushubmaterial. Darüber, über die Einmalzahlung des Baurechtszinses und über die Abgabe des Areals im Baurecht entscheidet das Stadtparlament voraussichtlich am 21. April.

2012 hatten die Stimmberechtigten der Stadt Luzern die Volksinitiative "Ja zu einer lebendigen Industriestrasse" angenommen und damit eine von einem Zürcher Investor geplante Überbauung gestoppt. Die Initiative verlangt, dass die Stadt das 9000 Quadratmeter grosse Areal für den gemeinnützigen Wohnungsbau im Baurecht abgibt.

Mit der Abgabe der Grundstücke im Baurecht wird auch ein zweiter Volksauftrag umgesetzt: Im Juni 2012 erteilte das Stimmvolk dem Stadtrat den Auftrag, den Anteil gemeinnütziger Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand innert 25 Jahren von aktuelle zirka 13 auf 16 Prozent zu erhöhen. Dies entspricht voraussichtlich rund 2300 zusätzlichen gemeinnützigen Wohnungen. (sda)


Login


 

2 Leserkommentare

Anzeige: