Luzerner sammeln lieber allein

HERBST ⋅ Die meisten Pilzsammler sind nicht in Vereinen organisiert. So oder so müssen sie derzeit Geduld aufbringen.

30. September 2016, 05:00

Wird Pilzsammeln zum Volkssport? Zumindest in Nidwalden macht es den Anschein. Denn dortige Kurse für Anfänger sind restlos ausgebucht. «Das Interesse an Pilzen ist so gross, dass die Naturforschende Gesellschaft Ob- und Nidwalden rund die Hälfte aller Interessenten auf nächstes Jahr vertrösten musste», sagt Kursleiter Hugo Limacher zur «Nidwaldner Zeitung».

Pilzkurse boomen also im Nachbarkanton. Und wie sieht es in Luzern aus? Ziemlich anders. Eine Umfrage unserer Zeitung zeigt, dass Pilzvereine kaum zu Kursen laden. «Wir haben sie früher auch angeboten, aber das haben wir wieder eingestellt. Sie waren nicht wirklich gefragt», sagt Kilian Mühlebach, Vizepräsident der Mykologischen Gesellschaft Luzern.

Vereine haben wenig Nachwuchs

Nicht über mangelnde Nachfrage beschweren kann sich Peter Meinen. Der Willisauer ist einer der wenigen, die Pilzkurse veranstalten. Diese seien in den letzten Jahren immer bis auf den letzten Platz besetzt gewesen. An fünf Vormittagen im Jahr erklärt der Experte Interessierten, worauf es beim Pilzsammeln ankommt und welche Funktion sie im Ökosystem einnehmen: «Sie sind einer der wichtigsten Totholzabbauer. Ohne sie wäre der Waldboden viel kompakter.»

Anstelle von Kursen führt das Gros der angefragten Vereine dagegen Pilzabende durch. Dabei können Sammler ihre Pilze mitbringen und so etwas lernen. Obwohl die Abende grundsätzlich allen offenstehen, nehmen vor allem Vereinsmitglieder daran teil. Die Pilzabende seines Vereins seien vor allem zu Beginn gut besucht gewesen, sagt Peter Brunner, Präsident des Pilzvereins Hochdorf. Und auch bei der Mykologischen Gesellschaft kommen laut Kilian Mühlebach immer wieder Leute vorbei. Neue Vereinsmitglieder zu gewinnen, sei allerdings nicht einfach, sagt Mühlebach. Tatsächlich hätten die hiesigen Pilzvereine ein Nachwuchsproblem, stellt auch Peter Meinen fest. «Dabei kommen erstaunlicherweise viele junge Leute in meine Kurse.» Viele würden es dann aber vorziehen, auf eigene Faust in den Wald zu ziehen.

Unterschiedlich ist der Aufmarsch bei den Pilzkontrollen, welche im Kanton durchgeführt werden. So konnte Kontrolleur René Zopp etwa beim ersten Termin im Jahr nur neun Personen begrüssen, die ihren Fund professionell prüfen lassen wollten. Doch das dürfte sich laut Zopp ändern: «Hochsaison ist die Zeitspanne zwischen August und Oktober. Dann packt so manchen das Sammelfieber», so Zopp.

Damit dieses Sammelfieber ausbrechen kann, braucht es gemäss Peter Brunner aber gute Nachrichten: «Wenn es heisst, es sei ein gutes Pilzjahr, gehen auch mehr Leute auf die Tour.» Ansonsten halte sich der Andrang in Grenzen.

Ein Schub wird wohl noch kommen

Doch damit die Pilze spriessen können, muss das Wetter mitspielen. Das tut es dieses Jahr noch nicht wie gewünscht. Anfang Saison sind die Voraussetzungen laut den Experten zwar gegeben gewesen, doch sogar dann hielt sich das Wachstum in Grenzen. Die Trockenphase der letzten Wochen hat nun zusätzlich dafür gesorgt, dass die Pilze Mangelware bleiben. Kilian Mühlebach spricht von einem schwachen Jahr: «Durch die Winde – sei es die Bise oder auch der Föhn – trocknen die Böden aus.» Gemäss Peter Brunner ist die Vielfalt zwar gross, nicht aber die Menge.

Die Befragten hoffen selbstredend auf einen ideal verlaufenden Herbst. Wird es feucht, aber nicht zu schnell zu kalt, könnte sich dies positiv auf die Pilzmenge auswirken. Peter Meinen ist optimistisch: «Es hat noch jedes Jahr einen Wachstumsschub gegeben. Die Frage ist einfach, wie gross er sein wird und wann er kommt. Aber er kommt ganz sicher.»

Kilian Küttel


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