«Mall of Switzerland» pocht auf ÖV-Ausbau

EBIKON ⋅ Die Verlängerung der Trolleybuslinie 1 zur Mall of Switzerland ist umstritten. Die Bürgerlichen wollen andere Technologien prüfen. Das kommt bei den Mall-Betreibern nicht gut an.

11. Oktober 2016, 05:00

Stefan Dähler

Die Diskussionen um die Verlängerung der Buslinie 1 reissen in Ebikon nicht ab. In einem offenen Brief meldeten sich CVP, FDP, SVP und der Gewerbeverein zu Wort (Ausgabe von gestern). Sie befürchten, dass durch die Trolleybusleitungen das Ortsbild verschandelt wird. Weiter würden Grundeigentümer für den Bau von Masten enteignet.

Darum schlagen die bürgerlichen Parteien Ebikons vor, das Projekt der Elektrifizierung durch Oberleitungen zu sistieren. Derzeit ist die Realisierung 2019 geplant. «Wir wünschen, dass man andere Techniken testet», sagt CVP-Präsident Othmar Som auf Anfrage. Etwa das Tosa-System, das ab 2018 in Genf eingeführt wird. Dieses sieht vor, dass Busse mit Batterien betrieben werden, die an den Haltestellen aufgeladen werden (Ausgabe vom Samstag). Bis zur Realisierung könne man wie bis anhin Dieselbusse einsetzen und deren Takt erhöhen. Som betont, dass man den ÖV-Ausbau nicht in Frage stelle – im Gegenteil. «Es geht aber um das Wie.» Ende Monat ist eine Sitzung mit dem Gemeinderat und Projektverantwortlichen geplant. «Danach sehen wir weiter.»

«Verzögerung nicht akzeptabel»

Für die Verantwortlichen der Mall of Switzerland ist die Verlängerung der Buslinie 1 «essenziell». Eine weitere Verzögerung «wäre nicht akzeptabel», sagt Werner Schaeppi, Sprecher der Mall of Switzerland. Ursprünglich sollte die Linie Ende 2017, gleich nach der Eröffnung der Mall, in Betrieb gehen. Aufgrund kantonaler Sparmassnahmen wurden die baulichen Massnahmen aber um zwei Jahre verschoben. «Wir haben die Verlängerung seit 2005 mit Partnern wie dem Gemeinderat, dem VCS, dem Kanton und dem Verband Luzern Plus gründlich vorbereitet. Die aktuelle Diskussion überrascht uns», ärgert sich Schaeppi. «Wir können uns nicht vorstellen, dass die Parteien uns da in den Rücken fallen wollen.» Falls bis 2019 die Verlängerung der Buslinie nicht zu Stande kommt, müsste daher «zwingend eine alternative Zwischenlösung gesucht werden».

Der ÖV-Ausbau ist Bestandteil des Verkehrskonzepts der Mall, das unter anderem eine Beschränkung von 8280 Autofahrten pro Tag vorsieht. Das Parkhaus wird 1600 Plätze bieten. Zudem beteiligt sich die Mall mit 1,5 Millionen Franken an den Baukosten des ÖV-Ausbaus von total 13 Millionen Franken sowie während 15 Jahren mit je 500 000 Franken an den Betriebskosten.

Schaeppi: «Wir möchten bewirken, dass die Besucher möglichst den ÖV benutzen. Zu diesem Zweck werden wir einen Hauslieferservice anbieten. Eine weitere Verzögerung der Verlängerung der Linie 1 wäre auch deshalb fatal, weil sich die Leute daran gewöhnen würden, mit dem Auto anzureisen.»

VBL müsste neue Busse beschaffen

Rückendeckung erhält die Trolleybusvariante vom Gemeinderat, obwohl CVP, FDP und Gewerbeverein vier der fünf Exekutivmitglieder stellen. «Mit der bisherigen Technologie ist die Zuverlässigkeit gewährleistet und auch die Finanzierung berechenbar», sagt Hanspeter Bienz, der Gewerbevertreter im Gemeinderat.

So wären für das Tosa-System gemäss Angaben der VBL sechs bis acht neue Busse nötig, weil die aktuellen Fahrzeuge nicht mit dem System kompatibel seien. Ein Bus kostet rund 1,2 Millionen Franken. Diese könnte man jedoch nicht auf anderen Linien einsetzen. Zusätzlich müssten einige Haltestellen mit einer Stromzufuhr ausgestattet werden, was jeweils 600 000 Franken kosten würde. Weiter gegen Tosa spreche, dass die Linie 1 bis zum Maihof bereits mit Trolleybussen verkehrt. In Genf dagegen werde die neue Technologie auf einer völlig neu konzipierten Linie eingesetzt.

«Bauboom erfordert schnelle Lösung»

Aus diesem Grund schlagen die Parteien im offenen Brief auch die Erarbeitung alternativer Buslinien vor – etwa von Horw nach Ebikon. Dagegen spreche aber «vor allem der Zeitdruck», so Hanspeter Bienz.

Neben der Mall entstehen in der Umgebung weitere grosse Bauten, etwa auf dem Rockwell-Areal in Dierikon oder das Aldi-Verteilzentrum und der Amag-Neubau in Perlen. «Dieser Bauboom erfordert eine möglichst schnelle Lösung, sonst droht ein Verkehrskollaps», sagt Bienz. «Nach Jahren der Planung und Einbettung in die gesamte Mobilität der Agglomeration sieht der Gemeinderat aktuell keine Alternative zu den Fahrleitungen.»

Visualisierungen und Baufortschritt des Einkaufszentrums Mall of Switzerland in Ebikon.


Login


 

1 Leserkommentar

Anzeige: