Neubauten für Asylbewerber

GISIKON ⋅ Viele Gemeinden suchen verzweifelt nach Wohnraum für Flüchtlinge. Gisikon will nun das Heft selber in die Hand nehmen. Davon könnten auch Schweizer profitieren.

05. Oktober 2016, 05:00

Raphael Gutzwiller und Robert Knobel

In Gisikon neben der alten Post entstehen 40 neue Wohnungen. Fünf Wohnungen der Überbauung Weitblick will die Gemeinde selber kaufen. Sie würden dann beispielsweise Asylbewerbern zur Verfügung gestellt. «Heute sind wir bei der Unterbringung von Asylbewerbern auf Private angewiesen», sagt Gemeindepräsident Alois Muri (parteilos). Doch die Suche ist sehr schwierig. Und wenn es die Gemeinde nicht schafft, genügend Wohnraum für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen, droht ihr eine Busse des Kantons.

Heute erfüllt die Gemeinde Gisikon das Soll bei der Unterbringung von Asylbewerbern. Aber: «Wir wollen für die Zukunft gerüstet sein», so Alois Muri. Deshalb sind in der neuen Überbauung vier 1?-Zimmer-Wohnungen und eine 3?-Zimmer-Wohnung eingeplant, die in erster Linie Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Finanziell gehe die Rechnung bestimmt auf, sagt Muri. «Dadurch, dass die Zinsen gegenwärtig so tief sind, ist es für uns eine Win-win-Situation.» Kommt hinzu, dass die Gemeinde mit den Wohnungen Mieteinnahmen generieren kann. Bezahlt wird die Miete für die Unterbringung von Asylbewerbern vom Kanton.

«Luxus gibt es nicht»

Die Eigentumswohnungen seien in einem Mindeststandard ausgebaut. «Luxus gibt es nicht», sagt der Gemeindepräsident. Dass es von den Anwohnern Kritik geben könnte, weil die Asylbewerber nagelneue Wohnungen erhalten, kann sich Muri kaum vorstellen. «An dieser Lage stören die Flüchtlinge weit weniger als mitten in einem bestehenden Quartier», sagt er.

Allgemein sind Wohnungen im günstigen Preissegment rar gesät in Gisikon. Deshalb ist auch denkbar, die Wohnungen jungen Gisikern oder Studenten zur Verfügung zu stellen, sofern sie nicht für Asylbewerber gebraucht werden. «Die Lage der Wohnungen nahe der Bushaltestelle und des Bahnhofs wäre für Studenten aus Rotkreuz und Gisikon ideal», sagt Muri. «Und junge Gisiker müssen oft wegziehen, da es im günstigen Segment fast keine Wohnungen gibt.» Denn Gisikon ist eine klassische Einfamilienhaus-Gemeinde. Dem Phänomen wolle man etwas entgegenwirken, sagt Muri.

Stadt Luzern als Grossbesitzerin

Die Gemeinde Gisikon besitzt zwar bereits insgesamt elf Wohnungen, die sie auch vermietet. Doch diese sind in erster Linie als Alterswohnungen gedacht. Mit dem Kauf von flexibel einsetzbarem Wohnraum betritt die Gemeinde hingegen Neuland. Das zeigt auch ein Blick in die Nachbargemeinden.

Es sind meist nur eine Hand voll Wohnungen, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden. In Root beispielsweise sind es acht Wohnungen, und Ebikon besitzt insgesamt drei ältere Wohnhäuser. Im deutlich grösseren Kriens befinden sich immerhin rund 20 Wohnungen im Besitz der Gemeinde. Völlig andere Verhältnisse herrschen hingegen in der Stadt Luzern, die Wohnungen im grossen Stil vermietet: 267 Wohnungen befinden sich im Finanzvermögen der Stadt. Der Mietertrag beläuft sich auf 2,3 Millionen Franken pro Jahr. Gut möglich, dass diese Zahlen in naher Zukunft noch steigen werden. Die Stadt Luzern hat nämlich einen Immobilientopf in der Höhe von 10 Millionen Franken geäufnet. Das Geld ist ausschliesslich für den Kauf von neuen Immobilien reserviert.

Übrigens: Verglichen mit der Immobiliengrossmacht Zürich, ist selbst Luzern ein kleiner Fisch. Die Stadt Zürich darf nämlich nicht weniger als 9000 Wohnungen ihr Eigen nennen. Solche städtischen Wohnungen sind in Zürich jeweils ganz besonders gefragt, da die Mieten in der Regel bescheidener sind als auf dem freien Markt.


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