Neuer Bio-Abfalleimer: Kälte löst hier gleich zwei Probleme

KOMPOST ⋅ Das Start-up-Unternehmen Avantyard aus Root hat eine spannende Idee: Um Gestank und Fruchtfliegen zu vermeiden, soll der Bio-Abfall eingefroren werden.

03. Oktober 2016, 05:00

Eigentlich nahm alles seinen Anfang in der Küche von Benjamin Flechsig. «Er ist passionierter Hobbykoch, und es hat ihn genervt, dass die Rüstabfälle mühsam zu entsorgen sind, weil sie schnell stinken und es Fruchtfliegen gibt», erzählt Geschäftspartner Peter Schmidlin. Vor etwa zweieinhalb Jahren sassen sie und Peter Ruppeiner zusammen und witzelten, dass man den Grünabfall einfrieren sollte. «Ich wollte mir damals sowieso grad eine Auszeit nehmen und fing an zu recherchieren», erinnert sich Peter Schmidlin.

Inzwischen haben die drei Freunde die Firma Avantyard mit Sitz im Technopark Luzern in Root gegründet. Dabei haben sie ihr Produkt so weit entwickelt, dass sie eine erste Serie – zur Finanzierung der nächsten Schritte – über die Crowdfunding-Seite www.wemakeit.com verkaufen. Und da haben sie sich ein ganz schön ehrgeiziges Ziel gesetzt: Während sich die meisten Crowd­funding-Projekte mit ein paar tausend Franken zufrieden geben, lautet das Ziel von Avant­yard, 87 000 Franken an Spenden einzunehmen. «Wir hoffen, die grösste Crowdfunding-Aktion der Schweiz zu werden, und sind schon gut unterwegs», sagt Peter Schmidlin. Fast die Hälfte davon haben sie bereits zusammen – am Wochenende lag der Spendenstand bei über 40 000 Franken. Zeit haben die Jungunternehmer noch bis am 19. Oktober. Speziell ist auch, dass man auf der Crowd­funding-Website nicht nur spenden, sondern den Freezyboy gleich auch vorbestellen kann. Derweil laufen die Arbeiten am Produkt weiter. «Als Nächstes wollen wir den Produzenten bestimmen, dann geht es an die Industrialisierung, die Zertifizierung und die Nullserie», beschreibt Peter Schmidlin.

Wie ökologisch ist der Freezyboy?

«Es war ein langer Weg. Keiner von uns kommt von der technischen Seite. Wir haben einen Marketing- und Verkaufshintergrund. Deshalb suchten wir uns Entwickler, die mit uns den Freezyboy entwickelten», erzählt ­Peter Schmidlin. Während einer ersten Phase trafen sie sich regelmässig und tüftelten an ihrem Projekt. Peter Schmidlin: «Wir haben eine Umfrage gemacht, um herauszufinden, ob noch andere einen Leidensdruck beim Grünabfall verspüren. Dann haben wir Kontakt mit verschiedenen Küchenbauern aufgenommen. Die waren von unserer Idee sehr begeistert.» Mit der Zeit haben auch Benjamin Flechsig und Peter Ruppeiner ihre Jobs aufgegeben. «Vor rund eineinhalb Jahren haben wir unser Büro hier im Technopark in Root bezogen.»

Grünabfall zu sammeln, gehört zu einem ökologischen Lebensstil. Werden diese aber auf minus 5 Grad runtergekühlt wie mit dem Freezyboy, wird allerdings Strom gebraucht. Auch wenn es bequem ist, dass der Grünabfall nicht fault oder saftet: Mit Strom Abfall gefrieren scheint nicht ökologisch. «Darüber haben wir uns natürlich auch viele Gedanken gemacht. Wir haben verschiedene Kühlsysteme angeschaut. Das erste, das wir ausprobiert haben, hat doppelt so viel Strom gebraucht wie ein Kühlschrank», sagt Schmidlin. Das Kühlsystem, das Avantyard jetzt im Freezyboy eingebaut hat, brauche ungefähr 1 Prozent des Haushaltsstroms, koste also rund 15 Franken im Jahr. «Dazu kommt, dass Energie verloren geht, sobald der Grünabfall im Kübel zersetzt wird. Nach unserer Recherche gehen wir von bis zu 30 Prozent Energieverlust aus. Diesen Verlust verhindert der Freezyboy», so Schmidlin. Die innovativen Köpfe denken ausserdem weiter und haben schon Ideen, wie auch die Grüntonne und die Abholung des Grünabfalls verbessert werden können.

Neben dem Kühlsystem gab es natürlich noch eine Menge ­anderer Herausforderungen: «Form und Grösse mussten so gewählt werden, dass der Freezy­boy in möglichst viele bestehende Abfallsysteme passt, aber dennoch ein grösseres Nutzvolumen als aktuelle Komposteimer aufweist. Auch die Isolation des Kübels war nicht so einfach», erläutert Peter Schmidlin. Viel Know-how und sehr hochwertige Technologie sowie die Entwicklungszeit erklären denn auch den Preis des Freezyboys. Wer ihn jetzt bestellt und das Crowdfunding unterstützt, bezahlt einen Vorzugspreis von 425 Franken, später kostet er rund 700 Franken. Ausgeliefert wird er voraussichtlich im Herbst 2017. Die Entwickler sind sich bewusst, dass der Preis hoch ist. Das Crowdfunding sei nicht nur eine Finanzierungsmöglichkeit, sondern gleichzeitig auch eine Vermarktungsmassnahme, ein weiterer Markttest. Die drei jungen Männer sind mit ihrem Projekt Risiken eingegangen: «Doch wir sind auf sehr viel positives Feedback, auch aus unserem Umfeld, gestossen. Das motiviert uns», so Peter Schmidlin. Auch die Freundschaft wird zum Erfolg beitragen: «Wir lernten neue Seiten an uns kennen, haben auch mal gestritten. Doch wir sind alle nicht nachtragend, und am Tag nach einem Streit lachen wir schon wieder zusammen. Als Freunde sind wir ehrlich miteinander», betont der Vermarktungsverantwortliche. Der Freezyboy ist das erste Produkt von Avantyard. Den drei gehen die Ideen für Produktinnovationen in den Bereichen Wohnen und Lifestyle nicht aus.

Hinweis

Weitere Informationen:

wemakeit.com/projects/freezyboy

Natalie Ehrenzweig


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