Orchester kommt auf Schienen in Fahrt

KONZERT ⋅ Wer am Sonntag (25.9.) in Schüpfheim um 16.29 Uhr in den Zug Richtung Luzern stieg, erlebte eine Überraschung: Junge Musikanten verwandelten die Bahn in eine improvisierte Konzertbühne.

26. September 2016, 05:00

Am Bahnhof Schüpfheim herrschte gestern eine ganz besondere Atmosphäre. Aufgeregtes Geplapper, nervöses Hin- und Herzappeln, lustiges Gekicher. Grund dafür ist eine Gruppe Jugendlicher, allesamt schwarz gekleidet und zwischen 13 und 15 Jahren alt. Unter ihnen: Annina Zumbühl, ­Jeannine Fischer und Jonas Elmiger. Die drei haben den ersten Preis gewonnen in einem Talentförderungswettbewerb. Es ging dabei darum, jungen Erwachsenen eine Möglichkeit zu geben, ihre Ideen für ein Konzert in ein Konzept einzubringen, das sie beim Club U 25 des Luzerner Sinfonieorchesters einreichen konnten. Der Plan, ein Konzert in einem Zug zu veranstalten, brachte den drei den Sieg.

Veränderte Landschaft musikalisch nachgezeichnet

Jonas Elmiger ist 18 Jahre alt, spielt Perkussion und freut sich sehr über den Sieg. «Wir wussten allerdings nicht, was das wirklich bedeutet. Die Idee war wohl da, doch nun musste sie noch umgesetzt werden», sagt er. Die drei hätten sich jeweils auf ihrem Schulweg im Zug getroffen und festgestellt, wie sehr sich die Landschaft von Schüpfheim nach Luzern verändere. «Die ländliche Gegend wird mit immer mehr Industrie ausgetauscht, und genau das stellen wir mit unseren Instrumenten dar», so Elmiger.

Auch Jeannine Fischer, 18, sagte vor Konzertbeginn, sie sei sehr gespannt auf Zugabenteuer. Sie sei zwar nervös, aber überzeugt davon, dass es den Leuten gefalle. «Es wird etwas ganz Neues geben, sowohl für uns wie auch für das Publikum», meint Annina Zumbühl, die dritte Gewinnerin.

Gleich nach Abfahrt des Zuges in Schüpfheim beginnt die musikalische Reise mit den Jugendlichen. Ganz leise, mit Handyklängen, die sich allmählich in eine Melodie verwandeln, rattert der Zug los. Das Publikum ist erstaunt, denn es weiss ja nichts von dem Konzert. Doch als die ersten Instrumente einsetzen, horchen alle im vollen Abteil den improvisierten Klängen. Beim Halt Entlebuch setzen die Geige und das Xylofon ein. Und der Stopp wird mit Blasinstrumenten angekündigt.

Im Tunnel wirds bedrohlich

Immer mehr ziehen die jungen Musikerinnen und Musiker ihr Publikum mit und verleiten es zu freudigem Applaus. Auf der ganzen Fahrt werden die Instrumente je nach Gegend lauter, leiser, aufschwellend oder schrill und spitz eingesetzt. Im Tunnel wird es bedrohlich. Die jungen Musiker setzen alles ein: Es wird gestampft, geklatscht, gesungen und gepfiffen. Die Mitreisenden befinden sich in einer vollkommen anderen Welt und vergessen für dreissig Minuten den Alltag. «Das ist fantastisch, was die da bringen», meint ein Fahrgast. «Eigentlich ist es sehr gewagt, so was in einem Zug zu veranstalten, doch mir hat es gefallen», stellt er fest. Und wer glaubt, in Luzern sei die musikalische Reise zu Ende, hat sich sehr getäuscht. Die jungen Musizierenden, die mittlerweile mit Elan und Eifer an der Sache sind, bereichern auch die Gäste im Luzerner Bahnhof mit ihren Klängen. Gross und Klein honorieren dies mit Applaus.

 

Astrid Longariellokanton@luzernerzeitung.ch


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