Paraplegiker-Zentrum Nottwil baut aus

NOTTWIL ⋅ Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil investiert 150 Millionen Franken in seine Modernisierung. Die 1990 eröffnete Klinik schafft Platz für mehr Behandlungsbetten und Besucher. Zudem stellt sie sich auf mehr ältere, querschnittgelähmte Patienten ein.

25. Februar 2015, 12:00

Neben der Erneuerung der bestehenden Klinikräume wird bis 2019 ein Anbau für zwei Bettenstationen und medizinische Einrichtungen realisiert. Die Zahl der Betten steigt von 145 auf 174, wie die Verantwortlichen des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Nottwil bekannt gaben.

Weiter geplant ist der Bau einer wettergeschützten Passarelle für Rollstuhfahrer und Fussgänger zwischen dem Forschungsinstitut Guido A. Zäch und dem Seminarhotel. Bis April 2017 soll zudem eine neue Tiefgarage mit 235 Parkplätzen für Patienten, Personal und Besucher entstehen.

Die Rahmenbedingungen bei der Betreuung von Querschnittgelähmten hätten sich in den vergangenen 25 Jahren stark geändert, sagte Daniel Joggi, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Jetzt sei die Zeit gekommen, um die Klinik für die nächsten 20 Jahre fit zu machen.

Kapazitätsgrenze erreicht

Patienten und die Komplexität ihrer Verletzungen und Krankheiten hätten sich verändert, was neue Anforderungen an das Personal und die Infrastruktur stelle, erklärten die Klinik-Verantwortlichen. Mit einer Bettenauslastung von 99 Prozent sei das SPZ in der Vergangenheit immer wieder an seine Kapazitätsgrenze gestossen.

Neben neuen Robotertechniken und Behandlungskonzepten würden auch immer häufiger ältere, hochgradig gelähmte Patienten betreut, sagte Joggi. Derzeit seien 1500 Querschnittgelähmte über 60 Jahre alt.

Zum einen hätten Querschnittgelähmte heute eine nahezu normale Lebenserwartung, erklärten die Verantwortlichen in Nottwil. Zum anderen würden immer häufiger Querschnittlähmungen im Alter wegen Krankheiten wie etwa Tumoren auftreten.

Neben der grösseren Nachfrage ist der Kostendruck im Spitalwesen ein weiterer Grund für das Umbauprojekt, wie SPZ-Finanzchef Pius Bernet sagte. Der Betriebsaufwand des SPZ stieg in den letzten sechs Jahren um 16 Prozent, die stationären Vergütungstarife hingegen nur um rund 2 Prozent. Um die Lücke in der Spitalbetriebskasse zu decken, griff das SPZ vermehrt auf Gönnergelder zurück.

Mobile Trennwände

Neben mehr Effizienz, kürzeren Wegen für Personal und Patienten setzt das vom Zürcher Architekten Serge Fayet realisierte Umbauprojekt auf räumliche Flexibilität. So sollen beispielsweise Patientenräume mit Trennwänden in Einer- oder Zweier-Zimmer umgewandelt werden können. Fayet plante bereits frühere Umbauten am Paraplegiker-Zentrum und war an Spitalprojekten im Grossraum Zürich, St. Gallen und Einsiedeln beteiligt.

Die Bauarbeiten beginnen im Mai 2015 mit der Realisierung der Passarelle. Der Spatenstich für den Neubau soll am 1. Oktober stattfinden, am 80. Geburtstag des Paraplegiker-Stiftungs-Gründers Guido A. Zäch. Der Bezug der neuen Räume ist für Frühjahr 2019 vorgesehen. Die vierjährigen Bauarbeiten sollen die Kapazität der Klinik nicht einschränken, wie es an der Medienkonferenz hiess.

Die Kosten für die Erweiterungsbauten werden auf 75,5 Millionen Franken veranschlagt, die Erneuerung soll 74,8 Millionen kosten. 40 Prozent der Kosten will das SPZ mit angesparten Mitteln finanzieren. Rund 90 Millionen Franken nimmt die Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Form von Fremdmitteln auf. Innert 20 Jahren wurden auf dem SPZ-Areal in Nottwil bisher rund 490 Millionen Franken investiert.

Mehrmals ausgebaut

Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil wurde 1990 von Arzt Guido A. Zäch eröffnet. Die private Klinik ist auf die Behandlung und Betreuung von Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen und von Querschnittgelähmten spezialisiert.

Die Klinik auf einem rund 75'000 Quadratmeter grossen Areal am Sempachersee wurde seit der Eröffnung mehrmals erweitert, so 1998 und 2002. Im Jahr 2005 wurde in unmittelbarer Nähe zusätzlich ein Forschungsinstitut eröffnet. Heute beschäftigt das SPZ über 1'100 Mitarbeiter.

Trägerin des Zentrums ist die Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Sie nahm zusammen mit ihrer Gönner-Vereinigung 2013 durch Fundraising 75,9 Millionen Franken ein.

sda

Hans Peter Gmünder, Direktor der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, nimmt zu den Ausbauplänen Stellung. (Tele 1, 25.02.2015)

Hans Peter Gmünder, Direktor der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, nimmt zu den Ausbauplänen Stellung. (Tele 1, 25.02.2015)




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