Polizei lehnt 45 Waffengesuche ab

WAFFENSCHEIN ⋅ Immer mehr Luzerner besorgen sich eine Waffe. Aber längst nicht jeder erhält von der Polizei die Bewilligung – meist wegen «gewalttätiger oder gemeingefährlicher Gesinnung».

01. Oktober 2016, 08:10

In der ganzen Schweiz bewaffnen sich immer mehr Personen – auch im Kanton Luzern. Letztes Jahr stellten die hiesigen Behörden rund 1300 Waffenerwerbsscheine aus, im Jahr zuvor waren es knapp 900 (Ausgabe vom 26. Juli). Obwohl es sich hierbei grösstenteils um Sport- und Sammlerwaffen handeln dürfte, könnte die Zunahme auch auf die Angst vor terroristischen Anschlägen zurückgeführt werden, so die Luzerner Polizei. Mit einer Waffe fühle man sich womöglich sicherer, lautet die Vermutung.

Doch nicht jeder, der einen Waffenerwerbsschein beantragt, erhält diesen auch, heisst es nun auf Anfrage unserer Zeitung. So sind letztes Jahr 45 Gesuche abgelehnt worden. Das sind 3,5 Prozent aller Anträge. Im Jahr zuvor lehnten die Behörden 35 Gesuche ab.

Alle Gesuche individuell geprüft

In welchen Fällen die Polizei ein Gesuch ablehnt, ist im nationalen Waffengesetz klar vorgeschrieben. Im Artikel 8 heisst es etwa, dass Personen, die wegen einer Handlung mit einer «gewalttätigen oder gemeingefährlichen Gesinnung» bereits im Strafregister eingetragen sind, keine Waffe erwerben dürfen. Dies gilt aber auch für Personen, die keinen Eintrag im Strafregister haben, den Behörden aber bereits bekannt sind. Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, führt aus: «Es werden sämtliche Waffenerwerbsgesuche unabhängig von Strafregistereinträgen auf alle Vorgänge und individuell geprüft. Insbesondere interessieren Vorgänge im Bereich von Gewaltdelikten oder Vorgänge mit erkennbarem Suchtverhalten.» Bei diesen Personen bestehe eine Selbst- und Fremdgefährdung, so Wigger. Inwiefern sich die Polizei mit dem Nachrichtendienst austauscht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Es komme aber vor, dass «Ablehnungen auch mündlich ausgesprochen werden, noch bevor überhaupt ein schriftliches Gesuch vorliegt».

Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn sich Personen telefonisch oder bei der zuständigen Stelle nach einem Gesuch erkundigen und «offensichtlich Gründe nach Artikel 8 vorliegen». Umgekehrt lade die Polizei Gesuchsteller auch zum persönlichen Gespräch vor. Weiter komme es vor, dass ein ausgestellter Waffenerwerbsschein wieder entzogen wird. Etwa dann, wenn der Besitzer in ein Strafverfahren verwickelt wird.

Damit können die Behörden beispielsweise verhindern, dass Personen mit einer extremen politischen oder religiösen Einstellung auf legalem Weg zu Waffen kommen. Diesbezüglich sorgte vor gut einem Jahr Nicolas Blancho, Präsident des umstrittenen Islamischen Zentralrates, für Schlagzeilen. Aus Sicherheitsbedenken hat die Berner Kantonspolizei dem heute 33-Jährigen verweigert, eine Waffe zu erwerben – obwohl er nicht vorbestraft war.

Ein Waffenerwerbsschein berechtigt zum Kauf von maximal drei Waffen. Der Schein ist nur ein halbes Jahr gültig und ist kein Freibillett, um dann die Waffe in der Öffentlichkeit zu tragen. Dafür braucht es einen Waffentragschein. Dieser ist in der Regel Polizisten vorbehalten. Das Transportieren von Waffen ist hingegen nicht bewilligungspflichtig. Ein Jäger darf auf dem Weg zum Revier sein Gewehr mitnehmen, genauso wie der Schütze auf dem Weg zum Schiessstand.

Wer bereits eine Waffe besitzt, dafür aber nie einen Erwerbsschein hatte – weil man die Waffe geschenkt bekommen oder geerbt hat –, muss ebenso einen Erwerbsschein beantragen. Sonst ist der Besitz illegal und es drohen laut Waffengesetz eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Meldet man die Waffe, werden automatisch alle Informationen rund um die Waffe – Marke, Modell, Kaliber, Seriennummer – und den Besitzer in der kantonalen Datenbank registriert. Ab Montag, also Anfang Oktober, hat der Kanton Luzern zudem Zugriff auf die nationale Waffendatenbank.

Niels Jostniels.jost@luzernerzeitung.ch


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