Produziert Andritz bald anderswo?

KRIENS ⋅ Der Wasserturbinen-Hersteller plant, den Produktionsbetrieb an einen neuen Standort zu verlagern. Der Gemeindepräsident befürchtet, dass die Firma dereinst ganz wegzieht.
11. März 2017, 05:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Das Andritz-Areal mitten im Krienser Zentrum ist zurzeit eines der wichtigsten politischen Themen in Kriens. Nachdem der Wasserturbinen-Hersteller Andritz Hydro 2015 mitgeteilt hatte, einen Teil der Produktion nach Ravensburg zu verlagern, steht die Gemeinde vor der Frage, wie die frei werdende Fläche künftig genutzt werden soll. Mitten in diesen politischen Diskussionen ändert sich die Ausgangslage nun erneut. Andritz plant nämlich, den Bereich Produktion/Unterhalt ganz vom bisherigen Stammsitz Kriens abzuziehen. Das bestätigt Heinz Duner, Managing Director des Standorts Kriens.

Allerdings erfolgt dieser Schritt, wenn überhaupt, erst mittelfristig. «Die Verlagerung der Produktion wird in frühestens fünf Jahren abgewickelt», sagt Duner. Betroffen sind rund 80 Arbeitsplätze in Kriens. Sie sollen an einen neuen Standort in der Region Luzern verschoben werden. Wohin genau, ist gemäss Duner noch offen. «Nach Möglichkeit würden wir gerne in Kriens bleiben, sofern wir hier einen geeigneten Standort für eine Produktionshalle an der Peripherie finden.» Es sei einfach so, dass man den Fabrikbetrieb an einem derart zentralen Ort wie der Krienser Obernauerstrasse nicht mehr weiterführen wolle.

Verkauf des Geländes wird geprüft

Tatsächlich gibt es für das Andritz-Gelände wohl lukrativere Nutzungsmöglichkeiten. Gemäss Heinz Duner werden verschiedene Optionen geprüft, darunter auch ein Verkauf des frei werdenden Geländes an einen Investor. Ein Verkauf war bereits im Rahmen des Teilwegzugs der Produktion per Ende 2016 ein Thema: Der Krienser Einwohnerrat hat den Gemeinderat beauftragt, mit der Andritz Hydro Kaufverhandlungen für die nicht mehr benötigten Flächen aufzunehmen. Nun könnte die zum Verkauf stehende Fläche also noch grösser werden als bisher angenommen.

Ganz vom Krienser Zentrum wegziehen wird Andritz aber nicht. Sämtliche Bereiche, die nicht direkt die Produktion betreffen, verbleiben in Kriens. Das sind rund 250 Arbeitsplätze, die erhalten bleiben.

Wie weiter mit dem Andritz-Areal? Diese Frage stellt derweil Andreas Vonesch namens der CVP-Fraktion im Einwohnerrat per Vorstoss. Beim Krienser Gemeinderat ist man beruhigt, dass zumindest der Hauptsitz und die 250 Büro-Arbeitsplätze am bisherigen Standort erhalten bleiben. Gleichzeitig bedauert Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne) den drohenden Wegzug der Produktion. «Kriens ist mit der früheren Maschinenfabrik Bell stark verbunden. Deshalb wäre ein Wegzug traurig für die betroffenen Mitarbeiter – und für ganz Kriens ein emotionaler Verlust.»

Einwohnerrat könnte Strich durch die Rechnung machen

Wiget hofft zudem, dass die jetzigen Pläne nicht nur einen Zwischenschritt zum vollständigen Wegzug der Firma bedeuten. Kommt hinzu: Ob sich der Entscheid, das Areal anderweitig zu nutzen, für Andritz überhaupt auszahlt, ist für Wiget alles andere als sicher. Lukrativ wäre die Sache vor allem dann, wenn ein Investor auf dem Areal Wohnungen bauen könnte. Doch dazu bräuchte es erst eine Umzonung. Ob der Einwohnerrat dazu bereit ist, ist noch offen. So gibt es Stimmen, die fordern, dass das Areal weiterhin gewerblich genutzt werden soll. Der Gemeinderat hat deshalb gegenüber der Andritz-Zentrale in Graz klargemacht, dass es keinen Rechtsanspruch auf eine Umzonung – und somit eine «Vergoldung» des Areals – gebe.


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