Rechaudkerzli löste Brand aus: Kiffer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

SURSEE ⋅ Ein unbeaufsichtigtes Rechaudkerzli auf einem Nachttisch führte im Juni 2016 zum Tod von zwei Menschen. Der junge Mann, der es angezündet hatte, stand diese Woche vor Gericht.
11. November 2017, 12:00

Das Bezirksgericht Willisau hat diese Woche einen jungen Mann wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung durch die Verursachung einer Feuersbrunst verurteilt. 18 Monate bedingte Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von drei Jahren, lautet das Verdikt. Zudem muss er wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Busse zahlen.

Zum Unglück kam es im Juni letzten Jahres. Es war ein regnerischer Tag gewesen, als der Mann sich gegen Abend im Städtli Sursee mit einigen Bekannten traf. Man trank ein oder zwei Bier und rauchte Marihuana zusammen. Gegen 22 Uhr kehrte er in seine Wohnung zurück, legte sich aufs Bett und zündete ein Rechaudkerzli auf dem Nachttisch an. Auf seinem Smartphone schaute der Mann sich das Fussballspiel Italien gegen Belgien an. Danach ging er in die Küche, um zu kochen. Während dessen verfolgte er weiterhin das Fussballspiel über die Kopfhörer.

Er riskierte sein Leben, um seine Nachbarn zu retten

Derart abgelenkt dauerte es eine Weile, bis er den Rauchgeruch aus dem Schlafzimmer wahrnahm. Als er entdeckte, dass es brennt, stand das Bett bereits in Flammen. Verzweifelt versuchte er, das Feuer zu löschen. Als er erkannte, dass er nichts mehr würde ausrichten können, verständigte er die Feuerwehr und schlug er im ganzen Haus Alarm. Stockwerk um Stockwerk scheuchte er die Nachbarn auf.

Die Familie, die im Stockwerk über ihm wohnte, reagierte äusserst verängstigt. Nachdem er alle gewarnt hatte, ging der Mann deshalb in diese Wohnung zurück, um sich zu vergewissern, dass die 51-jährige Frau und ihr 21-jähriger Sohn das Gebäude verlassen hatten.

Der Rauch war zu dem Zeitpunkt schon sehr dicht. Deshalb kroch er dem Boden entlang. Es gelang ihm, die Beine seiner Nachbarin zu ertasten. Er wollte sie auf den Balkon ziehen. Doch die Frau riss sich in ihrer Panik los, um ihren Sohn zu finden, der sich noch in der Wohnung befand und röchelnde Geräusche von sich gab. 

Dem jungen Mann blieb nichts übrig, als sich selber auf dem Balkon in Sicherheit zu bringen. Von da aus schrie er den beiden zu. Als er nichts mehr von ihnen hörte, ging er nochmals zurück in die Wohnung, um nach seinen Nachbarn zu suchen. Mutter und Sohn blieben aber verschwunden. Später stellte sich heraus, dass sie an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben waren.

Sein Leben ist heute ein anderes

Ein Drogentest, der direkt nach dem Vorfall durchgeführt wurde, brachte ans Licht, dass der Mann zuvor Marihuana konsumiert hatte. Er selbst gab gegenüber der Polizei zu, ein Gelegenheitskiffer zu sein. Sein Verschulden sei nicht leicht, stellte denn auch die Staatsanwaltschaft klar. Immerhin habe er die Kerze unbeaufsichtigt gelassen. Dass er sich aber trotz massivem Rauch und schlechter Sicht in die Wohnung begab, um seine Nachbarn zu retten, wurde ihm bei der Zumessung der Strafe angerechnet.

«Der Vorfall holt mich immer wieder ein», sagte der Mann vor Gericht. Was geschehen sei, tue ihm unendlich leid. «Glauben Sie mir, ich habe meine Lehren gezogen», versicherte er dem Richter. «Meine Vorstellung, was ein glückliches Leben ausmacht, hat sich verändert.» Er lebe heute nicht mehr einfach in den Tag hinein. Bei der Opferfamilie habe er versucht, sich für das Unentschuldbare zu entschuldigen.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Video: Zwei Tote und sieben Verletzte nach Brand in Sursee

Bei einem Brand in einem Wohnhaus in Sursee am späten Montagabend sind eine 51-jährige Frau und ein 21-jähriger Mann ums Leben gekommen. Sieben Personen wurden verletzt, darunter drei Feuerwehrleute. Die Brandursache ist unklar. (Keystone, 14. Juni 2016)



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