Reiden strebt Partnerlösung an

WÄRMEVERBUND ⋅ Die Gemeinde muss die Heizzentrale erneuern und will mit den Städtischen Werken Zofingen zusammenarbeiten. Dieser Schritt würde auch eine Altlast beseitigen.

17. März 2017, 07:49

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Die Marschrichtung deutete sich bereits an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember an. Damals wurden die Anwesenden über die Ergebnisse der Verhandlungen über den künftigen Reider Wärmeverbund informiert. Bereits zu dem Zeitpunkt befanden sich die Städtischen Werke Zofingen als möglicher Partner von Reiden in der Favoritenrolle.

Am Mittwochabend nun präsentierte der Gemeinderat anlässlich einer Infoveranstaltung seine Lösung: eine gemeinsame Betriebsgesellschaft mit den Zofinger Werken. Weil die Heizzentrale dringend erneuert werden muss, beabsichtigt Reiden, im selben Zuge die Wärmeversorgung zu professionalisieren. Beide Partner wären an der neuen Aktiengesellschaft mit 50 Prozent beteiligt. «Damit sind die Reider Interessen gewahrt», zerstreute der interimistische Gemeindepräsident Bruno ­Aecherli mögliche Bedenken. Das Aktienkapital würde gesamthaft 600 000 Franken betragen.

Konkret heisst das: Reiden überführt die mit rund 540 000 Franken bilanzierte Anlage in die neue AG. Damit bringt die Gemeinde einerseits das Aktienkapital ein. Den Rest lässt sie als Aktionärsdarlehen stehen. Weiter will Reiden eine Einlage von 150 000 Franken tätigen. Die Zofinger Werke bringen Geld für künftige Investitionen in die Firma ein. Zudem überlässt die Energieversorgerin der neuen Gesellschaft das für den Betrieb notwendige Know-how. Die Verträge der bisherigen Wärmebezüger werden auch übernommen. Neben Reider Privathaushalten gehören ebenfalls die Schulhäuser Pestalozzi und Johanniter, das Alters- und Pflegeheim Feldheim, die römisch-katholische Kirchgemeinde und die Johanniterhalle zu den Kunden.

Für 2017/18 schätzt die neue Gesellschaft die Investitionen auf rund 900 000 Franken. Bis 2022 soll eine weitere halbe Million dazukommen. Weil die Anlage die Vorgaben der Luftreinhalteverordnung nicht mehr erfüllt, muss ein neuer Partikelfilter eingebaut werden. Diese Massnahme bedingt auch die Erweiterung des bestehenden Gebäudes. Dadurch wird der Anteil an erneuerbarer Energie gesteigert. Momentan liegt der Produktionsanteil durch die Holzfeuerung bei 60 Prozent. Den Rest erzeugt ein Ölbrenner. Bis 2022 wollen Reiden und der Partner aus Zofingen zudem in eine neue Schnitzelfeuerung investieren und dadurch den Anteil an Holzenergie auf über 90 Prozent steigern. Das dazu benötigte Material würde exklusiv die Korporationsgemeinde Reiden liefern.

Zu wenig Abschreibungen – fehlende Rückstellungen

In diesem Zusammenhang geben sich sowohl der Gemeinderat als auch die Zofinger Werke weiterhin offen, was eine Beteiligung des Schnitzellieferanten an der neuen Gesellschaft betrifft. Dazu sagten die Vertreter der Korporationsgemeinde am Mittwochabend nichts. Und sie äusserten sich ebenfalls nicht, ob sie das Geschäft an der Gemeindeversammlung vom 4. Mai bekämpfen werden. Der Holzlieferant möchte nämlich die Anlage selber betreiben – und zeigte sich im Vorfeld der Information ungehalten über den Schritt des Gemeinderates. Deshalb sagt Bruno Aecherli: «Ich rechne von dieser Seite weiterhin mit politischem Druck.» Ein Indiz dafür dürfte ebenfalls sein, dass Vertreter der Korporation die Einsichtnahme von diversen Dokumenten – wie zum Beispiel den Vorvertrag oder die Leistungsvereinbarung – im Vorfeld der Versammlung auf der Gemeindeverwaltung verlangten.

Bekannt wurde am Mittwoch auch, dass auf der Anlage in den zurückliegenden Jahren rund 150 000 Franken zu wenig abgeschrieben wurde. Das Versäumnis ist mittlerweile korrigiert. Zudem tätigten die Verantwortlichen keine entsprechenden Rückstellungen für Investitionen. Weitere Fragen betrafen die künftigen Liefer- und Vertragsbedingungen sowie den Preis. Dieser liegt aktuell bei 10,7 Rappen/kWh. «Das ist ein sehr attraktiver Betrag», sagte Paul Marbach, CEO der Städtischen Werke Zofingen. Auf den 1. Juli 2018 soll er zwar auf 13,4 Rappen steigen. Das sei im Vergleich zu einem Marktpreis für Wärme von 14 bis 16 Rappen – gewonnen aus erneuerbarer Energie – immer noch sehr vorteilhaft.

Stimmt das Volk an der Gemeindeversammlung vom 4. Mai dem neuen Wärmeverbund zu, ist die Umsetzung bereits ab 1. Juli geplant.


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