SP und FDP schlagen vor: Den Wasserturm öffnen und Billette verkaufen

STADT LUZERN ⋅ Heute diskutiert das Stadtparlament über die Aufwertung des Löwenplatzes – und darüber, ob man künftig für das Löwendenkmal Eintritt verlangen soll. Die Gegner bringen nun eine neue Idee ins Gespräch.

29. September 2016, 05:00

Das Thema beschäftigt Luzern seit rund einem halben Jahr: CVP-Grossstadtrat Roger Sonderegger hat im März ein Pos­tulat eingereicht, um das Gebiet rund um den Löwenplatz auf­zuwerten. Ein Passus löste dabei hitzige Diskussionen aus: Künftig könnte für das Löwendenkmal Eintritt verlangt werden. Viele Parteien waren skeptisch, die Grünen sprachen gar von einer «Schnapsidee» (Ausgabe vom 12. März). Nichtsdestotrotz nahm die Stadtregierung das Postulat entgegen. Es wird heute im Stadtparlament diskutiert.

SP und FDP, die auch zu den Gegnern gehören, bringen nun eine andere Lösung aufs Tapet: Man könnte den Wasserturm durchgehend öffnen, anstatt wie heute nur auf Reservation. Führungen gibt es heute ab 100 Franken. Durch die vielen Touristen auf der Kapellbrücke scheint der Turm als zusätzliche «Attraktion» prädestiniert. Dafür bliebe die Besichtigung des Löwendenkmals weiterhin gratis.

Mario Stübi (SP): «Ich finde das interessant und prüfenswert.» Den Artillerieverein, der im Wasserturm eingemietet ist, müsste man aber sicher einbeziehen. Ähnlich klingt es bei Fabian Reinhard (FDP): «Wenn Luzern auch an anderen Orten als am Löwendenkmal für Touristen attraktiver werden kann, sollte man das diskutieren.» Einig sind sich beide Politiker über die Unsinnigkeit von Eintrittspreisen am Löwendenkmal. «Für etwas, das bisher gratis war, nun nachträglich Eintritt zu verlangen, das sehen wir gar nicht», sagt etwa Stübi. Tourismusdirektor Marcel Perren hingegen ist zufrieden mit der heutigen Lösung «mit gezielten Besuchen», wie er sagt. Der Turm sei aufgrund des Platzmangels vor allem auf der Wendeltreppe nicht ideal für grosse Besucherströme. Der Mehrwert liege ohnehin mehr in Erklärungen zur Geschichte des Wasserturmes und weniger in der schönen Aussicht. Dafür gingen die Touristen auf die Museggmauer.

Inhaberin des Turmes ist die Stadt Luzern. Stadtpräsident Beat Züsli (SP): «Ich stehe dieser Idee eher zurückhaltend gegenüber.» Die Rahmenbedingungen seien schwierig, vor allem des beschränkten Platzes wegen. Ausserdem wären vor einer allfälligen Öffnung noch viele Fragen zu klären: «Zum Beispiel in den Bereichen Feuerschutz und Sicherheit.» Renato Steffen vom eingemieteten Artillerieverein Stadt Luzern ist strikte gegen eine solche Lösung: «Der Wasserturm ist jetzt schon ein Verlustgeschäft, weil der Verein für den gesamten Unterhalt aufkommen muss. Wir investieren jedes Jahr mehrere zehntausend Franken.»

800 Besucher am Tag der offenen Tür

Man komme nur deshalb über die Runden, weil die meisten Leute ehrenamtlich arbeiteten. Würde der Turm aber durchgehend für Touristen geöffnet, müsste bezahltes Personal angestellt werden. «Das würde überhaupt nicht rentieren», meint Steffen. Das sehe er jeweils am Tag der offenen Tür: «Da lassen wir ungefähr 800 Besucher in den Turm.» Weil man aufgrund des Platzes nicht frei zirkulieren könne, müsse in Gruppen rotiert werden. Das sei sehr personalintensiv, beim letzten Mal habe er 21 Helfer benötigt. Steffen: «Der Artillerieverein führt ungefähr 280 Anlässe pro Jahr durch.»

Da man sonntags nichts anbiete, werde der Turm fast jeden Tag genutzt. «Ich arbeite pro Woche 25 Stunden ehrenamtlich – und bin nicht pensioniert.»

Noah Knüsel


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