Schüler wollen keine Subventionen für das Kleingewerbe

POLITIK ⋅ Kantonsschüler diskutieren mit Kantonsräten über aktuelle Themen. In ihrer Schlussabstimmung lassen sich die Jugendlichen von den Empfehlungen der Politiker leiten.

28. September 2016, 05:00

Was hätte eine finanzielle Entlastung kleiner Detailhandelsbetriebe zu Lasten von grossen Ladenketten für Konsequenzen? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigen sich diese Woche die 4. Klassen der Kantonsschule Alpenquai. Die Schüler bewegen sich damit in einem Themenkreis, der in der Stadt Luzern immer wieder zu reden gibt: dem Branchenmix. Um sich ein politisches Bild zu verschaffen, lassen sie Kantonsparlamentarier und Experten zu Wort kommen – und stimmen zum Schluss wie ein echtes Parlament im Kantonsratssaal darüber ab.

Die Thesen der Schüler, was eine Unterstützung des Kleingewerbes betrifft, gehen vor der Diskussion auseinander: Subvention sei «reine Geldverschwendung», sagen die einen, die Stadt werde durch Individualität attraktiver, sagen die anderen. Der Tenor der Politiker war hingegen klar: «Der Staat sollte sich in Wirtschaftsfragen möglichst wenig einmischen», fasst CVP-Kantonsrat und Drogist Markus Gehrig zusammen. Trotz dieser Einigkeit der Parlamentarier gaben die Fragen der Schüler interessante Denkanstösse.

«Parkplätze werden überbewertet»

Auf die Frage, welcher Zusammenhang zwischen Parkplätzen und Branchenmix bestehe, sagte etwa Markus Gehrig: «Geschäfte, die Parkplätze brauchen und haben, beflügeln den Branchenmix.» Kleider- und Schuhläden bräuchten keine Parkplätze. Darauf erwiderte Dario Buddeke, Mitarbeiter der Stadt im Bereich Mobilität, es gebe in der Stadt genügend Parkflächen in den kaum ausgelasteten Parkhäusern. «Das Thema wird überbewertet», fand Kantonsratspräsident Andreas Hofer (Grüne). «Im Emmen Center läuft man vom Parkplatz zu den Geschäften auch ein gutes Stück. Aber man nimmt es anders wahr, weil man in einem Gebäude ist.» Eine überraschende Frage wurde von einem Schüler aufgeworfen: «Ist Branchenmix überhaupt erstrebenswert?» Darauf antwortet Gehrig, die Vielfalt an Kleingewerbe sei auch für Vereine interessant. «H&M und C&A sponsern keine lokalen Sportvereine.» Auch an die Weihnachtsbeleuchtung würden grosse Ketten nichts bezahlen.

Doch wie lässt sich der Branchenmix in der Innenstadt erhalten? Abgesehen davon, dass er nicht staatlich reguliert werden dürfe, haben die Politiker wenig Lösungen parat. «Auflagen und Gebühren machen uns zu schaffen. Hier könnte die Stadt etwas verändern», so Gehrig. Hofer stellt an die Schüler die Frage, wer regelmässig im Internet einkauft. Als rund die Hälfte der Hände in die Höhe zeigen, sagt er: «Die Konsumenten können den Branchenmix am stärksten beeinflussen. Wer lokal einkauft, fördert das lokale Gewerbe.» In ihren Schlussvoten plädierten alle Politiker für ein Nein zur Abstimmungsfrage («Wollen Sie Direktzahlungen gegen Ladensterben?»). Dies widerspiegelte sich in der Abstimmung der Schüler: 97 stimmten Nein und nur 8 Ja, bei 19 Enthaltungen.


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