Luzerner Wirtschaft

Schurter investiert in Kompetenzen

Das Luzerner Traditionsunternehmen konnte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn steigern. Schurter hat in Luzern hochwertige Stellen geschaffen.
14. April 2017, 10:39

Schritt für Schritt lässt der Luzerner Industriebetrieb Schurter den Frankenschock hinter sich. Nachdem 2015 in der Erfolgsrechnung noch deutliche Bremsspuren durch die Währungssituation zu sehen waren,  konnte Schurter im vergangenen Jahr wieder zulegen: Der Umsatz stieg auf 198,2 Millionen Franken, der vierthöchste je erzielte Betrag und im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 3,5 Prozent. Der Gewinn konnte mit dem Umsatzwachstum nicht ganz mithalten. Er stieg um 1,8 Prozent auf 8,3 Millionen Franken. „Die Talsohle nach dem Frankenschock ist erreicht, sie ist aber noch nicht ganz durchschritten“, kommentiert Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter das Ergebnis.

Stark gewachsen ist der Elektronikkomponentenhersteller insbesondere beim Bereich der Eingabesysteme. Schurter produziert Touchscreens und Touchpanels, die unter anderem bei Billettautomaten oder Maschinensteuerungen zum Einsatz kommen. „Nach der Eroberung des privaten Raums mit Smartphones und Tablets setzt sich der Trend auch in der Industrie durch“, erklärt Ralph Müller, CEO der Schurter Gruppe, das starke Wachstum. Beispielsweise seien heute bei der Überwachung und der Steuerung von Maschinenanlagen Touchscreens fast schon Standard. Mit rund 70 Millionen macht der Bereich der Eingabekomponenten bereits etwas mehr als einen Drittel des Umsatzes von Schurter aus.

Das Gros des Umsatzes erzielt das Luzerner Familienunternehmen mit Sitz im Tribschenquartier nach wie vor im Bereich Komponenten. Hier produziert Schurter unter anderem Sicherungen und Gerätestecker. Der Umsatz in diesem Bereich konnte im letzten Jahr um 2,3 Prozent gesteigert werden. Gut gelaufen sind laut CEO Müller insbesondere Gesamtlösungen, die mehrere Schurter-Produkte beinhalten. Dabei übernimmt die Firma oft auch gleich die Projektleitung. „In der Schweiz haben wir damit den Durchbruch geschafft“, sagt Müller.

Das starke Wachstum hat aber auch zu Mehrkosten geführt. So wurde der Personalbestand per Ende 2016 um 3,1 Prozent auf 1592 Mitarbeitende ausgebaut. Alleine in der Schweiz kamen 22 neue Stellen hinzu – die meisten davon am Hauptsitz in Luzern. Das Profil der besetzten Stellen hat sich laut Müller stark verändert. „Wir investieren in Kompetenzen. In den letzten Jahren haben wir in unserer Entwicklungsabteilung vorwiegend Ingenieure angestellt“, sagt Müller. In Luzern arbeiten insgesamt 327 Angestellte (Vorjahr: 311). Hier sitzen unter anderem die Verwaltung, der Vertrieb und die Entwicklungsabteilung der Gruppe. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten in Luzern an vollautomatischen Produktionsanlagen. «Der Hauptsitz in Luzern ist das Kompetenzzentrum der Schurter-Gruppe und nimmt vermehrt auch die Funktion einer Supportorganisation für die Gruppe wahr», sagt Müller.

Dank der Übernahme von AKI in Tschechien (200 Angestellte; Bereich Eingabesysteme) und von Burisch (90 Mitarbeitende; Vertrieb und Kabelkonfektion) in Österreich und Ungarn hat die Zahl der Angestellten Anfang 2017 nochmals einen Wachstumsschub erhalten. Auch der Umsatz wird im laufenden Jahr aufgrund der Übernahmen um 30 Millionen ansteigen. „Wir peilen 2017 einen Umsatz von 230 bis 240 Millionen an“, sagt Verwaltungsratspräsident Schurter. Das wäre der höchste je erzielte Umsatz in der Geschichte des Unternehmens.

Auch sonst hat das Unternehmen laut Müller zugelegt. „Wir haben bei der Produktion und dem Handling von grossen Volumina und auch bezüglich Qualität entscheidende Fortschritte erzielt“, sagt er. Das hat Schurter bei grossen Elektronikkonzernen wie Tesla, LG oder Apple als Zulieferer ins Gespräch gebracht. Für Elektroautohersteller Tesla etwa hat Schurter bereits einen kleineren Auftrag. „Wichtig ist, dass wir einen Fuss in der Tür haben“, sagt Müller. Er ist überzeugt, dass dieses Jahr attraktive Aufträge folgen werden. „Wir sind mit grossen Kommunikationsunternehmen in Verhandlung und erwarten Entscheide, die einen positiven Effekt auf die Zahl der Stellen und Gewinnzahlen haben dürften“, so Müller.

Dass Schurter mit seinen weltweit 22 Tochterunternehmen die Währungsturbulenzen definitiv abschütteln kann, daran mag Hans-Rudolf Schurter noch nicht glauben. Über 80 Prozent de Umsatzes erzielt sein Unternehmen im Ausland, einen Grossteil davon im Euroraum. „Wir rechnen mit einer weiterhin angespannten Lage an der Währungsfront und setzen uns gedanklich auch mit der Parität des Frankens zum Euro auseinander“, sagt Schurter.

red.



 


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