Sie jubeln der Volksmusik Techno-Beats unter

KKL ⋅ Experimentierfreudig zeigen sich die Interpreten von Volksmusik. Teils mehr, als dem Publikum lieb ist.
20. März 2017, 07:25

«Man soll Brauchtum und Traditionen pflegen, aber die Augen nicht vor Neuem verschliessen», das sagte einst Richard Huwiler, Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes. Genau dies wurde gestern im KKL Luzern, vor rund 1000 Besuchern, von Interpreten in «Perlen der Volksmusik» gekonnt umgesetzt.

Immer mehr Formationen klammern sich nicht nur an Althergebrachtes. Sie verpassen der traditionellen Musik eine Art Frischzellenkur. Eine dieser Gruppen ist der Hitziger Appenzeller Chor, eine A-cappella-Gruppe, bestehend aus vier Frauen und fünf Männern in farbigen Innerrhoder Trachten. Der Hitziger Appenzeller Chor fällt durch künstlerische Aktionen auf, die bei Traditionalisten nicht immer auf Gegenliebe stossen. Meinte doch eine Sitznachbarin: «Damit kann ich gar nichts anfangen.» Meinrad Koch, einer der fünf Sänger, bestätigte, dass ihre Art von Gesang zu interpretieren nicht allen gefällt. Die neun Appenzeller vermischen Volksmusik ohne Scheu und experimentierfreudig mit Rap, Techno, Beatboxing und Hip-Hop. Statt brav im Halbkreis strammzustehen, bieten sie eine choreografisch bewegte Show.

Gäste aus dem Entlebuch

Das Jodlerchörli Lehn, Escholzmatt, einer der besten Jodlerklubs der Schweiz, bewies, dass es in seinem Repertoire nicht nur die klassische Jodelliteratur, sondern auch Lieder mit unterhaltendem Charakter pflegt. So etwa der Äntlibuecher-Kafiblues (Musik Zillertaler Schürzenjäger, arrangiert von Ruedi Bieri, Finsterwald), der «Senneball» von Fritz Elber oder der Song «Liebe Pöstler» nach einer Beatles-Melodie, arrangiert von Christov Rolla. Jodler Sämi Studer bestätigte, dass das Jodlerchörli Lehn sich ab und zu mit anderen Musikstilrichtungen treffe, so etwa mit Blasmusik oder Orgelmusik.

«De Nötzli mit de Chlötzli»

Mit den Swiss Ländler Gamblers trat eine Formation auf, die traditionelle Volksmusik mit Dixieland-Jazz und Unterhaltungsmelodien aus aller Welt vereint. Die Kapelle hat einen prominenten Fan: alt Bundesrat Adolf Ogi. Julius Nötzli pflegt das Schweizer Brauchtum «Chlefele» weltmeisterlich. Zusammen mit den Swiss Ländler Gamblers gab er so richtig Gas. «Es ist einmalig, dass in diesem Saal chlefelet wird», freute sich Kurt Zurfluh, der als Moderator durch den Abend führte.

Wer urchige Volksmusik liebt, dem ging die Rechnung mit dem Quartett Waschächt voll auf. Dahinter verbergen sich gestandene Ländlermusiker, welche die Schweizer Volksmusikszene «waschächt» aufrühren. Frowin Neff, Remo Gwerder, Ueli Stump und Carlo Gwerder interpretieren die Volksmusik so, wie sie gerne gehört wird. Die vier machen Musik auf höchstem Niveau, wobei sie sich auch gesanglich hervorheben. Neben Schottisch, Polka und Ländler hat in ihrem Repertoire auch der Udo-Jürgens-Song «Aber bitte mit Sahne» Platz.

Monika van de Giessen

stadt@luzernerzeitung.ch


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