Sie machen alte Busse wieder flott

NOSTALGIE ⋅ Mitglieder des Vereins VBL Historic investieren Tausende von Stunden, um in ihrer Freizeit ausrangierte Busse zu reparieren. Doch nicht jedes Fahrzeug kann für die Nachwelt erhalten bleiben.
27. Dezember 2016, 05:00

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

«Dieser Bus fuhr bis Ende der 70er-Jahre», sagt Walter Heimann, während er unter dem Fahrzeug, das er im Depot der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) repariert, hervorkommt. Es ist einer von sechs Bussen, zu denen VBL Historic Sorge trägt. «Der Verein wurde 2012 gegründet, nachdem wir zum 111-Jahr-Jubiläum der VBL zwei der Oldtimer parat gemacht hatten», erzählt Christian Zumsteg, Präsident von VBL Historic. Damit ist der Verein deutlich jünger als etwa ZB Historic, der sich seit 1995 um altes Rollmaterial der Zentralbahn beziehungsweise der ehemaligen Brünig- und Luzern-Stans-Engelberg-Bahn kümmert.

Vor der vom Verkehrshaus und den VBL initiierten Vereinsgründung haben die VBL über die Jahre zwar ein paar alte Busse behalten. Der Verein will aber mehr. «Unser Ziel ist, die historischen Busse zu konservieren und die Fahrfähigkeit ausgewählter Fahrzeuge zu erhalten oder wiederherzustellen», sagt Zumsteg. Der Verein zählt heute über 70 Mitglieder. «Die Hälfte sind Aktivmitglieder. Sie helfen bei den zehn bis fünfzehn Events, die wir jährlich durchführen, oder sie sind an den Renovierungsarbeiten beteiligt», sagt Zumsteg, der sozusagen in sein Amt als Präsident reingerutscht ist. «Sie haben mich in meiner Funktion als Flottenmanager der VBL angefragt. Inzwischen habe ich natürlich mehr über die Geschichte der alten Busse gelernt, und sie sind mir heute viel näher als damals.»

«Mehr als alte Männer, die mit Bussen spielen»

2016 war der Verein besonders aktiv. Dies aufgrund des Jubiläums 75 Jahre Trolleybus (wir berichteten). Für die Trolleybus-Days, die im Mai im Verkehrshaus stattgefunden haben, hat man in rund 1200 Stunden Arbeit den Bus Nummer 25 aus dem Jahr 1949 (siehe Bild) nochmals fahrtüchtig gemacht. «Dazu konnten wir Walter Heimann, den ehemaligen Werkstattchef der VBL, als Projektleiter gewinnen. Doch unser Verein ist viel mehr als alte Männer, die mit alten Autos spielen», sagt Zumsteg lachend. «Sehr wichtig ist uns der Erfahrungsaustausch.» Man wolle auch Jüngere für die historischen Busse begeistern und dafür sorgen, «dass das Wissen weitergegeben wird».

Für die Restaurierung des Trolleybusses nahmen die Oldtimer-Liebhaber auch Dokumente aus dem Stadtarchiv zu Hilfe. Schwierigkeiten gab es aber trotzdem: «Zum Teil fehlten Ersatzteile, die können wir auch nicht immer selber herstellen. Zum Beispiel brauchten wir neue Holzsitze. Dafür haben wir eine Lösung gefunden.»

Ein Trolley- fährt länger als ein Dieselbus

Der grosse Aufwand lohne sich. «Viele Menschen erzählen uns emotionale Geschichten von ihren Bus-Erlebnissen. Wie sie damit zur Schule oder zu ihrem Schatz gefahren sind», erzählt Christian Zumsteg. Die «Swiss Classic World» auf der Allmend oder etwa «Oldtimer in Obwalden» sind Veranstaltungen, an denen der Verein regelmässig teilnimmt. «Wir sind auch ab und zu im Verkehrshaus an Events oder machen private Fahrten», sagt Zumsteg.

Die VBL haben 140 Busse im Einsatz. «Trolleybusse werden etwa nach 20, Dieselbusse nach ungefähr 10 bis 12 Jahren ausgemustert. Doch interessant sind die Fahrzeuge im ersten Moment noch nicht», sagt Zum­steg. Dann seien die Busse nämlich noch viel zu präsent in der Bevölkerung. «Wir entscheiden im Austausch mit dem Verkehrshaus, welche Busse wir allenfalls behalten wollen. Dabei beurteilen wir, ob der Bus eine Spezialität bietet, einen Beitrag zur Industriegeschichte leistet, ob er selten ist und ob er für Luzern und die VBL eine Bedeutung hat», erklärt Zumsteg.

Von Luzern nach Chile

Ausrangierte Busse werden in der Regel weiterverkauft: «Dafür gibt es einen Markt. Zum Beispiel in Chile fahren ja alte VBL-Busse.» Dass gerade Christian Zumsteg bei den VBL als Leiter Rollmaterial für die Aussortierung alter Busse zuständig ist, erleichtert dem Verein natürlich vieles.

Nachdem im laufenden Jahr der Trolleybus 25 in 1200 Stunden Arbeit renoviert wurde, rückt als Nächstes die Instandstellung des FBW-Autobusses mit Baujahr 1955 in den Fokus. «Dies wird sicher wieder etwa 1000 Stunden in Anspruch nehmen. Davor wollen wir noch den amerikanischen Twin-Coach reparieren, damit wir diese Rarität wieder zeigen können», sagt Zumsteg. «Da sich aber die Arbeit jeweils auf eine kleine Gruppe von Aktivmitgliedern konzentriert, wollen wir erst mal etwas kürzer treten. Die Aktiven machen das ja in ihrer Freizeit und dürfen die Freude daran nicht verlieren.»

Ausserdem müsse sich der Verein immer öfter Gedanken darüber machen, was er mit verschiedenen Gegenständen und Erinnerungsstücken machen soll, die er von Seiten der Bevölkerung geschenkt erhält.

Hinweis

Infos: www.vbl-historic.ch


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