Yvette Estermann will auch in die Regionalliga

KRIENS ⋅ SVP-Nationalrätin Yvette Estermann wagt sich auf eine tiefere politische Ebene und kandidiert für den Einwohnerrat Kriens. Damit will sie auch der kriselnden Ortspartei helfen.

29. Januar 2016, 07:01

Sie habe sich im letzten Jahr Sorgen gemacht um ihre Ortspartei und wolle sich nun stärker in Kriens engagieren. Dies kündigte Yvette Estermann (48) gestern in unserer Zeitung an. Jetzt ist klar, was die SVP-Nationalrätin damit meinte: Gestern Abend wurde sie von der Krienser SVP als Kandidatin für den Einwohnerrat nominiert. Ein aussergewöhnlicher Schritt für eine Nationalrätin. Unsere Zeitung hat Estermann nach ihren Beweggründen gefragt.

Wie entstand die Idee, für den Einwohnerrat zu kandidieren?

Yvette Estermann: Im Zusammenhang der Gemeinderatsersatzwahlen im letzten Jahr kamen viele Leute auf mich zu und fragten, ob ich mich nicht stärker in der Lokalpolitik engagieren könnte.

Die SVP verlor damals ihren Sitz. Geht es Ihnen darum, der Partei aus der Krise zu helfen?

Estermann: Ja, selbstverständlich. Ich will Verantwortung mittragen. Wenn ich der SVP helfen kann, mache ich das natürlich. Ich tue es aber auch aus Interesse, schliesslich war ich noch nie in der Lokalpolitik tätig. Ich wohne gerne in Kriens und will hier auch mitbestimmen.

Warum kandidieren Sie nicht für den Gemeinderat?

Estermann: Dafür ist es zu früh. Ich will zuerst wissen, wie die Abläufe auf Gemeindeebene funktionieren und wie die Leute ticken. In einigen Jahren könnte dies aber eine Option sein.

Spielt es auch eine Rolle, dass alle Bisherigen nochmals antreten?

Estermann: Nein, das ist nicht meine Überlegung. Ich will zuerst wissen, ob ich die Richtige für den Gemeinderat bin, ob ich für den Job geeignet bin. Ausserdem muss die Arbeit auch Spass machen. Ich will mich nicht für ein Amt bewerben, das mir keine Freude bereitet.

Im Nationalrat verpassen Sie kaum eine Sitzung. Ist dies auch möglich, wenn Sie zusätzlich im Einwohnerrat sitzen?

Estermann: Ich will weiterhin an allen Sitzungen teilnehmen. Dafür gebe ich ein paar Aufgaben ab, beispielsweise bin ich nicht mehr Vizepräsidentin der SVP-Bundeshausfraktion. Das Nationalratsmandat entspricht ungefähr einem 50-Prozent-Pensum. Werde ich in den Einwohnerrat gewählt, rechne ich mit einem zusätzlichen Arbeitspensum von rund 10 Prozent. Daneben will ich weiterhin arbeiten. Derzeit bin ich Beraterin für Leute in Umbruchsituationen wie Scheidungen oder Jobwechsel.

Wäre Kriens im Vergleich zu Bundesbern eine grosse Umstellung?

Estermann: Ich müsste nicht mit dem Zug zu den Sitzungen reisen, sondern könnte zu Fuss gehen. Das wäre doch herrlich (lacht). Ich fände den Einwohnerrat eine ideale Ergänzung. Entscheide auf nationaler Ebene betreffen ja auch die Gemeinden. Im Nationalrat könnte ich vermehrt die Interessen der Agglo-Gemeinden einbringen. Diese gehen derzeit neben den Städtern und den Berglern etwas unter.

Die Krienser SVP ist in der Vergangenheit durch laute Töne aufgefallen. Stehen Sie für einen Stilwechsel?

Estermann: Ich bin überzeugt, dass man viel mehr erreicht, wenn man eine klare Linie hat, aber dennoch anständig miteinander umgeht. Ich will unter den Parteien auch nach Gemeinsamkeiten suchen.

Was wären Ihre politischen Schwerpunkte in Kriens?

Estermann: Einerseits die Sicherheit, andererseits will ich die Bedingungen für das Gewerbe verbessern. So ist die Steuerlast derzeit zu hoch. Diese zu senken, wäre schön, ist aber nicht sofort möglich. Man müsste zuerst sparen, damit die Verschuldung abnimmt.

Im Nationalrat haben Sie mit ungewöhnlichen Vorstössen wie der Abschaffung der Sommerzeit Aufmerksamkeit erregt. Haben Sie bereits überraschende Ideen für Kriens?

Estermann: Nein, das wird sich erst mit der Zeit ergeben. Zuerst muss man eine Weile dabei sein, um zu sehen, wo man etwas verändern kann.

Verhindert Ihre Kandidatur nicht, dass Junge nachrücken können?

Estermann: Ich bin zwar nicht jung, aber neu. Man kann von neuen Leuten profitieren, egal, wie alt sie sind. Ich bezweifle auch, dass meine Kandidatur Junge verhindert.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Estermann: Eher klein, da der Einwohnerrat von 36 auf 30 Sitze verkleinert wird und viele Bisherige wieder antreten. Aber auch wenn ich nicht gewählt werde, will ich mich vermehrt in der Lokalpolitik einsetzen. Ich könnte beispielsweise den Einwohnerratssitzungen als Zuschauerin beiwohnen und meine Ideen in der Fraktion einbringen.

Interview Stefan Dähler


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: