Sollen die Kantonsbeiträge bei Musikschulen gekürzt werden?

PRO/KONTRA ⋅ Der Kanton Luzern will seine Beiträge an die kommunalen Musikschulen halbieren. Damit könnten ab 2018 jährlich 1,8 Millionen Franken gespart werden. Weil dagegen das Referendum ergriffen wurde, hat nun das Volk das letzte Wort.
26. April 2017, 09:36

Pro von Oliver Imfeld, Vizepräsident der SVP-Kantonalpartei, Manager von DJ Bobo, Kastanienbaum

In Anbetracht der klammen Finanzen im Kanton Luzern und der Abstimmung zum Referendum gegen die Steuererhöhung von 1,6 auf 1,7 Einheiten ist klar, dass die vom Regierungsrat beschlossene Massnahme von der SVP mitgetragen wird. Die SVP vertritt den Standpunkt, dass höhere Gebühren, Abgaben und Steuern zu bekämpfen sind. Die Eigenverantwortung des Bürgers soll stärker zum Tragen kommen und ist höher als die Verantwortung des Staates zu gewichten.

Lange war Musikschulunterricht Sache der Eltern, so wie es auch das Mitwirken bei einem Sportverein ist. Der staatliche Eingriff in diese Eigenverantwortlichkeit der Eltern für ihre Kinder wurde erst 2003, mit der Gründung des Verbands für die Musikschulen des Kantons Luzern, mit dessen Musikschulinitiative im Jahr 2006 und der Einführung des regierungsrätlichen Gegenvorschlages 2009, Sache des Staates. Damit wurden Musikvereine, Chöre und private Gruppierungen geschwächt und eine Lobby konnte sich entfalten, die ihre Kraft in der Sammlung der eingereichten Unterschriften in dieser Sache demonstriert hat. Dieser gilt es aufzuzeigen, dass hier auf emotionaler und nicht auf sachlicher Ebene argumentiert wurde. Denn sachlich gesehen wäre an die Eltern zu appellieren, dass ihnen die musikalische Ausbildung ihrer Sprösslinge durchaus eine mögliche Erhöhung der Eigenleistung von 5 Franken pro Lektion wert sein müsste. Der beste Fall, dass diese Ausbildung einer Karriere als Berufsmusiker zuträglich ist, trifft nicht in ausreichendem Masse zu, was sich insbesondere am Anteil von Schweizer Musikern in Berufs­orchestern zeigt, der zumeist weit unter 50 Prozent liegt. Vielen gut ausgebildeten Musikern bleibt so nur der Ausweg, sich als Musiklehrer den Unterhalt zu verdienen. Daher ist klar, dass sich diese Interessengruppe für die Besitzstandwahrung einsetzt, um eine Optimierung weiterer Kosten in diesem Bereich so auszuschliessen.

 

Kontra von Franz Grimm, Präsident des Verbands für die Musikschulen des Kantons Luzern, Sursee

Das Musizieren an Musikschulen ist Teil einer ganzheitlichen Bildung. Alle Kinder und Jugendlichen sollen – unabhängig von Wohnort und Einkommen der Eltern – gleichberechtigt dieses Bildungsangebot nutzen können.

Die Kürzung der Kantonsbeiträge führt zu massiv höheren Schulgeldern und belastet Familien und Gemeinden. Die Regierung schreibt in ihrer Botschaft, dies sei «verkraftbar», die Lektion verteuere sich «nur» um 5 Franken. Für eine Familie mit zwei Kindern sind das aber zusätzlich 400 Franken pro Schuljahr. Eine Erhöhung um über 20 Prozent ist sicher nicht vertretbar. Die Halbierung der Beiträge bringt den Kantonsfinanzen wenig, zerstört jedoch viel Bewährtes und gefährdet die Chancengleichheit. Die musikalische Bildung unserer Kinder ist zu wichtig, um kurzfristigen Sparbemühungen zum Opfer zu fallen.

Der Musikkanton Luzern ist stolz auf die Spitzenleistungen seiner Formationen. Sie brauchen weiterhin gut ausgebildeten Nachwuchs. Noch nie haben so viele Luzerner ein kantonales Referendum unterschrieben, 22 417 Unterschriften! Kein Wunder, denn schon zwei Mal sprach sich die Bevölkerung bei ähnlichen Abstimmungen für die Stärkung der musikalischen Bildung aus. Die Halbierung der Kantonsbeiträge missachtet diese klaren Resultate und ist ein Angriff auf die Musikkultur.

Für viele Luzerner gehören gute Musikschulen, Bildung und Kultur zum lebenswerten Wohnkanton. Haben Sie genug vom Leistungsabbau? Sagen Sie – Nein zu höheren Schulgeldern für Familien! – Nein zur Änderung im Volksschulbildungsgesetz und Abbau in der Bildung! – Nein zum Angriff auf die gelebte Musikkultur im Kanton! Herzlichen Dank im Namen betroffener Lernenden, Eltern, Musiklehrpersonen, Musikformationen, Kulturschaffenden und Musikliebhabenden unseres Kantons.


1 Leserkommentar

Anzeige: