Souvenirs aus 192 Ländern – und es geht noch weiter

WEGGIS ⋅ Thomas Büchler gehört wohl zu den am meist gereisten Menschen der Welt. Ein Land fehlt ihm noch, dann hat er alle 193 Staaten der UNO bereist.
27. September 2016, 05:00

Halten Sie sich für einen Weltenbummler? Sie waren schon in ausgefallenen Ländern wie Nordkorea oder Fidschi? Das beeindruckt den Weggiser Thomas Büchler kaum. Der 58-Jährige hat bis heute 192 Länder der UNO bereist. Damit fehlt ihm gerade noch ein Land, bis die Liste komplett ist. Und dieses soll jetzt bereist werden. Es ist das im süd­lichen Afrika gelegene Namibia.

Wieso gerade Namibia? Büchler erklärt, dass vor einem Jahr nicht mehr viele Länder auf seiner Liste waren. Als letztes Land wünschte er sich eine sichere Destination in Afrika mit im Vergleich guter Infrastruktur. «Da ist Namibia definitiv einfacher als etwa Guinea.» Und heute Dienstag ist es für Thomas Büchler so weit, er fliegt nach Windhoek. Damit erreicht er sein Ziel, sämtliche 193 UNO-Staaten zu bereisen. In Namibia wird er zur Feier mit Freunden und seiner Familie zwei Wochen unterwegs sein.

Mit Stephan Klapproth auf die erste Reise

Die Geschichte von Thomas Büchlers Reiselust beginnt vor 40 Jahren als Jugendlicher. Büchler, aufgewachsen in Weggis, beschliesst, mit einem Freund von der Kanti Alpenquai – einem gewissen Stephan Klapproth – mit dem Velo nach Luino auf der italienischen Seite des Lago Maggiore zu radeln. Seine zweite Reise ins Ausland führt ihn mit einem Interrail-Billett unter anderem nach Finnland. Eine Wette mit einem Freund macht ihn danach definitiv zum Reisevogel. Wer zuerst in 60 Ländern war, gewinnt. Büchler schlägt seinen Freund, und schon hat er ein neues Ziel vor Augen: sämtliche UNO-Mitgliedsstaaten bereisen. An diesem Ziel arbeitet er seither.

Anfang der Achtzigerjahre bis 2015 wohnt Büchler auf den Philippinen, hat dort eine Frau und zwei Kinder, baut sich eine Strandschmuckfirma auf. Auch dank dieser kommt er viel herum. Vor zehn Jahren beschliesst er, die Firma zu verkaufen und sich fortan auf das Reisen zu konzentrieren. Etwa die Hälfte des Jahres ist er unterwegs. Er macht selten lange Reisen – seine längste dauert sechs Monate. Büchler bevorzugt Exkursionen zwischen zwei Wochen und ein paar Monaten. «Ich bin aber auch nicht der Typ, der kurz vier Tage nach Kairo fliegt», betont er. Dem Weggiser ist es wichtig, Kultur und Leute kennen zu lernen. So hat er schon 670 Unesco-Weltkulturstätten besucht (momentan gibt es 1052 Denkmäler, die Liste wächst pro Jahr um etwa 20). Ebenfalls nicht zu kurz kommen darf die Fotografie. Er hat schon mehrere 100 000 Bilder geschossen.

12 Pässe und 50 Tagebücher hat Büchler bis dato gefüllt. Er erlebt Kurioses, aber auch Gefährliches. So kaufte er 2003 in Afghanistan einen nicht mehr funktionstüchtigen alten Revolver als Souvenir. Beim Grenzübergang nach Usbekistan kreuzt eine Beamtin im kyrillisch gehaltenen Zollformular an, dass Büchler keine Waffe mit sich führt. Ein Missverständnis, etwas später finden Flughafenpolizisten die Waffe im Gepäck. Er wird vor eine Richterin geführt, welche ihn zu einer Woche Hausarrest im Hotel verurteilt. Büchler hat Glück: Würde die Waffe noch funktionieren, sässe er wohl zehn Jahre im Gefängnis.

Ebenfalls Glück im Unglück hat er Anfangs der Achtzigerjahre in Havanna. Als 25-Jähriger lässt er sich von zwei Kubanern spätnachts dazu überreden, in ein Taxi zu steigen. Sie wollen in eine Disco mit ihm. Nachdem sie ausgestiegen sind, realisiert Büchler, dass sie inmitten von Zuckerrohrplantagen sind. Die beiden Männer halten ihm ein Fleischmesser an den Hals und nehmen ihm alles ab. Er kommt mit einer Wunde davon, läuft mit Unterhose und Schuhen zum nächsten Polizeiposten. In den Schuhen stecken umgerechnet 300 Franken, die er vor der Taxifahrt dorthin gesteckt hatte.

Die nächsten Reisen kommen bestimmt

Nun also vervollständigt Büchler seine Reiseliste. Und danach? «Ich werde sicher weiterreisen.» Er hat weitere Ziele vor Augen, so will er noch mehr Unesco-Weltkulturstätten besuchen. Ausserdem gibt es auch für Büchler Destinationen, die er noch nicht gesehen hat. Etwa die Cook Inseln im Südpazifik. «Die stehen ganz oben auf meiner Liste.»

Übrigens, wer einen Tipp vom Reiseprofi will: Das Omo-Tal im südlichen Äthiopien soll spektakulär sein, «nirgendwo leben so viele Ethnien auf so engem Raum zusammen». Aber auch Weggis – Büchlers Heimat – sei «einer der schönsten Orte der Welt».

Thomas Büchler ist 58 und hat bis heute 192 Länder der UNO bereist. Ein Land fehlt ihm noch, dann ist die Liste komplett.

Matthias Stadler


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