Spiel mit Farben, Sujets und Formen

STIL ⋅ Wer auf Innovatives unter dem Weihnachtsbaum steht, findet das an den Luzerner Designtagen (2. bis 4. Dezember). Wir wählten unter den über 70 Ausstellern drei Highlights aus.

Aktualisiert: 
30.11.2016, 10:00
27. November 2016, 05:02

Das 2012 ins Leben gerufene Luzerner Label Foulalà konzentriert sich auf nur ein einziges Accessoire: das Foulard. Diese Reduktion erlaubt es den drei Textildesignerinnen Paola Di Valentino (42), Livia Martinelli (40) und Maya Peer (42), mit unendlich vielen Design-Variationen zu spielen und ein klassisches und zuweilen etwas verstaubtes Accessoire neu und frisch zu interpretieren. «Es ist diese Herausforderung, eine exakt gleiche Fläche immer wieder neu zu gestalten, die uns reizt», sagt Paola Di Valentino, «das Spiel mit Farben, Sujets und Formen, welches für uns als Textildesignerinnen zentral ist, steht dabei im Fokus.»

Wie es der modische Jahreskalender vorgibt, entwerfen auch die Foulalà-Frauen zweimal jährlich neue Kollektionen. Und wie kommen diese zu Stande? «Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt, und von Musik über Kunst bis hin zur Natur kann alles Inspirationsquelle sein. Wir versuchen keinen Trends zu folgen, sondern Zeitgeist via Textil­design kritisch zu verarbeiten», meint Livia Martinelli. So trägt jede der drei Frauen ihre Beobachtungen zusammen. Gefolgt von einem intensiven Brainstorming entsteht daraus ein neues Design-Thema, das aufgenommen wird.

Jede arbeitet an jedem Foulard

Die drei Luzernerinnen sind sich das Zusammenarbeiten seit geraumer Zeit gewohnt, kennen sie sich doch aus ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Kunsthochschule Luzern. «Bei uns arbeitet jede an jedem Foulard. So werden Motive weiterentwickelt, leicht abgeändert oder weitergesponnen. Diese Art des Schaffens hat sich bei uns als sehr fruchtbar erwiesen», sagt Paola Di Valentino.

Bei der jüngsten Kollektion erfolgte ein spannendes Zusammenspiel von geometrischen und märchenhaften Elementen: «Die neuen Foulards, welche wir anlässlich der Luzerner Designtage ‹Design Schenken› (siehe Hinweis) zeigen, spielen vor allem mit Streifenmustern und vermischen diese strikten, starren Formen mit verspielten, fantasievollen Märli-Motiven.»

Solche ungewöhnlichen Kombinationen und Brüche lassen sich in den Stücken immer wieder finden. Was bei Foulalà am Ende entsteht, ist ein Qualitätsprodukt – die Foulards sind ab 130 Franken erhältlich. Die handrollierten Stücke werden allesamt in Italien aus hochwertiger Seide produziert. Hierbei trifft Handwerk und Tradition auf Moderne, kommen die Muster doch via Digitaldruck auf das Accessoire. Diese Kombination macht die Foulards zu Hinguckern, denn diese Verschmelzung ist deutlich sichtbar. «Unsere Designs sollen den Trägerinnen schmeicheln und positive Emotionen wecken. Gerade weil heute viel Schwarz getragen wird, ist ein buntes Foulard ein willkommenes Accessoire», so Maya Peer.

Auch wenn Foulalà kein unbekannter Name mehr ist und neben dem Online-Shop auch in Luzerner Boutiquen wie «Die Handlung», «Boutique Mai» oder bei «Cabinet» in Zürich erhältlich ist, ist es für die drei Luzernerinnen eine Nebenbeschäftigung. Paola Di Valentino arbeitet als Freischaffende im Pret-â-porter-Bereich, Maya Peer und Livia Martinelli sind bei Stewo in Wolhusen beschäftigt und designen Geschenkpapier.

«Textildesign ist nach wie vor ein hartes Business. Wer sich dafür entscheidet, muss viel Engagement an den Tag legen. Hinzu kommt, dass wir bei unseren Geld-Jobs in der Gestaltung natürlich weniger frei sind. Brands kommen bei mir etwa mit klaren Vorgaben und Themen auf mich zu, und damit muss ich dann arbeiten», sagt Paola Di Valentino. So entstand vermehrt auch der Wunsch, selber etwas zu designen, um die eigenen Ideen realisieren zu können.

Den Standort Schweiz bewerten die Designerinnen aufgrund seiner hohen Qualität und seines guten Rufes als sehr bereichernd, trotzdem wäre der Durchbruch im internationalen Kontext aber ein Ziel. «Wir sind gerade dabei, unsere Website zu überarbeiten. Das ist unerlässlich, wenn es in Richtung Internationalität gehen soll, und in ausländischen Concept Stores präsent zu sein, ist sicher ein Wunsch», sagt Maya Peer. Doch auch wenn der Sprung gelingen sollte: Luzern wird die Heimat von Foulalà bleiben. Das wird auch von den Besucherinnen von «Design Schenken» geschätzt. Peer: «Wir sind bereits zum fünften Mal mit dabei. Hier pflegen wir den Austausch mit Stammkundinnen, können neue Kontakte knüpfen, und es ist für uns auch eine Art Marktforschungstool, schliesslich ist der direkte Kundenkontakt für uns als Designerinnen sonst eher selten.» ( www.foulala.com )

Hinweis

Die 8. Luzerner Designtage «Design Schenken» finden vom 2. bis 4. Dezember statt. Hauptstandorte: Kornschütte (Rathaus) und Fachklasse Grafik (Rössligasse 12). Zudem: Changemaker, Götti+Niederer und Wohnidee Luzern. Öffnungszeiten: Fr 14–20 Uhr, Sa 10–18 Uhr, So 10–17 Uhr. Eintritt: Tagespass 10 Fr., 3-Tages-Pass 15 Fr., Last-Minute-Ticket (täglich 1 Stunde vor Schluss) 5 Fr.

Mehr Infos: www.designschenken.ch

Cécile Moser


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