Spitex Pilatus macht Konkurs

LUZERN ⋅ Das Aus eines privaten Spitexunternehmens versetzt selbst einen Experten in höchstes Erstaunen. Weshalb es zum Konkurs kam, bleibt vorläufig unklar.

06. März 2016, 05:00

Das Ende für die private Spitex Pilatus GmbH – unter diesem Namen ist die Firma seit Januar 2010 im Handelsregister eingetragen – kam am Mittwoch, 24. Februar. Welche Gründe dazu führten, dass die Firma von einem Gläubiger betrieben wurde und somit das Ende einläutete, war in den vergangenen Tagen nicht in Erfahrung zu bringen.

Experte kennt einen ähnlichen Fall

Arment Bicurri, einziger Gesellschafter des Unternehmens und zugleich dessen Geschäftsführer, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Weder via Handy noch über die Festnetznummer an der Domiziladresse, der Bruchstrasse 75, war Bicurri in der laufenden Woche aufzuspüren. Auch eine Mitarbeiterin, die am Geschäftssitz noch irgendwelche Arbeiten zu erledigen hatte, konnte nicht weiter helfen. Gemäss ihren Aussagen weiss auch sie nicht, wo sich Arment Bicurri aufhält.

Klar ist: «Der Konkurs einer privaten Spitexorganisation ist eine absolute Ausnahme», wie Marcel Durst, Geschäftsführer des privaten Spitex-Verbandes ASPS, sagt. Durst weiss lediglich von einem solchen Fall. Dieser trug sich vor zirka vier Jahren im Kanton Tessin zu. Zudem kann sich der Fachmann daran erinnern, dass einst im Kanton Waadt sowie in Solothurn je eine private Spitexfirma aufgab. Dies aber auf freiwilliger Basis und nicht, weil sie die Bilanz deponieren mussten.

Unterschiedliche Auflagen

Im privaten Spitexgeschäft herrsche ein harter Expansions- und Verdrängungskampf, wie ein Insider erklärt. Er folgert daraus, dass die Behörden genau hinsehen sollten, wem sie eine Betriebsbewilligung erteilen. Der Branchenkenner erzählt von einem Vorfall, der gemäss seinen Schilderungen, folgendermassen abgelaufen ist: Ein Patient war mit seiner Spitexbetreuung unzufrieden und wechselte zu einem anderen Anbieter. Der Patient hatte aber die Rechnung ohne seine frühere Spitex gemacht. Ein Vertreter dieses Unternehmens herrschte den Wechselwilligen an und rüffelte ihn sinngemäss mit den Worten. «Was fällt Ihnen eigentlich ein, unsere Dienste nicht mehr in Anspruch zu nehmen?»

Gemäss Marcel Durst befinden sich die privaten Spitex-unternehmen gegenüber den öffentlichen Anbietern im Nachteil. Durst nennt das Beispiel der Mehrwertsteuer, welche die Privaten im Nicht-Pflege-Bereich berappen müssen. Dies im Gegensatz zu den öffentlichen Einrichtungen, welche für Arbeiten im Bereich Haushaltführung keine Mehrwertsteuer entrichten müssen. Hinzu kommt gemäss Durst das «Giesskannenprinzip» bei den Subventionen von hauswirtschaftlichen und betreuerischen Leistungen der öffentlichen Organisationen – berappt von den Gemeinden. Das sei unnötig, denn für Härtefälle gebe es, so der Fachmann, die Instrumente der Ergänzungsleistungen und der Hilflosen-Entschädigung.

Durst verlangt, dass die Wettbewerber künftig mit gleich langen Spiessen auf dem Markt auftreten können. Er fordert auch, dass die Gemeinden endlich auf unnötige Ausgaben verzichten, um in Zukunft für die steigenden Ausgaben in der Pflege gerüstet zu sein.

Patienten sind bei anderen Anbietern

Vor zwei Wochen berichtete unsere Zeitung über den Umstand, dass die Stadt Luzern vereinzelten Spitex-Unternehmen im Bereich der Pflege die Restfinanzierung einstellte. Dies, weil Fachpersonen nachweisen konnten, dass die Firmen Gewinne bei der Pflege erzielten. Und das ist gemäss Pflegefinanzierungsgesetz nicht vorgesehen. Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass die Spitex Pilatus nicht von dieser Massnahme betroffen war. Und es soll im Übrigen gelungen sein, die Patientinnen und Patienten der konkursiten Firma bei anderen Spitex unterzubringen. Diese Vorkehrungen habe der Geschäftsführer Arment Bicurri angesichts des drohenden Kollapses selbst in die Wege geleitet, heisst es seitens der Stadt weiter.

Im besagten Artikel «Stadt pfeift Spitex-Unternehmen zurück» wurde am 21. Februar auch die Tatsache thematisiert, dass jene Firmen, die von der Stadt keine Restfinanzierung mehr erhielten, auf der Empfehlungsliste der Verbandes Luzerner Gemeinden (VLG) figurierten. Auch die Spitex Pilatus findet sich auf der VLG-Liste.
 

Thomas Heer

 


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