Stadtangestellter rettet die Europatour einer indischen Reisegruppe

LUZERN ⋅ Roman Portmann entdeckt in einem Güselkübel einen indischen Pass. Durch Zufall trifft er den Besitzer des Dokuments – und erlebt so den wohl ungewöhnlichsten Arbeitstag seines Berufslebens.

27. September 2016, 05:00

Roman Portmann, 57-jährig, arbeitet beim Stadtluzerner Strasseninspektorat. Eine seiner Aufgaben ist es, Güselkübel zu leeren. Dies tut er seit 20 Jahren. Doch am vergangenen Samstag war vieles anders als gewöhnlich.

Der Luzerner machte in einem Güselkübel in der Altstadt einen speziellen Fund: «Eine Ledermappe lag darin. Ich öffnete sie und entdeckte darin Reise­dokumente aus Indien», erzählt Portmann. Er fragte sich, was er damit anstellen solle. «Nach kurzem Überlegen brachte ich die Mappe in ein Hotel, in dem indische Touristen verkehren.»

Tourist im Putzwägeli mitgenommen

Danach ging Portmann wieder seiner Arbeit nach. Kurze Zeit später sprach ihn am Nationalquai ein dunkelhäutiger Mann einer Reisegruppe an. «Er fragte mich zu meiner Überraschung, ob ich einen indischen Pass gefunden hätte.» Einem Mitglied seiner Gruppe sei dieser gestohlen worden. Der Mann habe ihn wohl angesprochen, weil er im orangen Arbeitsgwändli als Angestellter der Stadt erkennbar war. Als Portmann dem Inder erzählte, er habe tatsächlich einen Pass gefunden und diesen in einem Hotel abgegeben, merkte er, dass ihn der Tourist nicht verstand. «So habe ich ihn mit meinem Putzwägeli zum Hotel gefahren.» Dort wurde rasch klar: Es war die gesuchte Mappe.

Als Portmann und der Inder zur Touristengruppe zurückkehrten, übergab sein Begleiter die Mappe dem Besitzer. «Dieser jubelte! Er umarmte mich ganz fest. Auch der Rest der Gruppe drückte mich und bedankte sich», berichtet Portmann. Die Inder seien bereits am Sonntag nach Frankreich weitergereist. Ohne den Pass hätten sie wohl grosse Umstände gehabt.

Auch Portmann selber ist glücklich: «Die Freude, die ich den Leuten bereitete und dann diese Herzlichkeit. Das war eine rüüdig schöne Sache.» Unser Leser Silvan Kaeser hat die Szene am Nationalquai beobachtet, er hat die Gruppe mit Roman Portmann fotografiert und somit eine schöne Geschichte festgehalten.

Roger Rüegger


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