Streit um Rückhaltebecken gefährdet Schulpavillon in St. Erhard

ST. ERHARD ⋅ Naturschutzverbände wollen nicht, dass dringend benötigte Schulräume einen Weiher beeinträchtigen. Die Verbände schlagen einen Kompromiss vor, doch dieser stösst auf wenig Gegenliebe.

24. November 2016, 11:42

Für die Knutwiler Schüler könnte es eng werden – wortwörtlich. Denn dass der geplante Schulpavillon, der die Schule St. Erhard-Knutwil entlasten soll, bis nächsten Sommer fertiggestellt werden kann, ist fragwürdig. Grund dafür ist ein Zwist zwischen der Gemeinde Knutwil und den Naturschutzvereinen Pro Natura Luzern und Birdlife Luzern. Der neue Schulpavillon wird mit einer Ecke ein Retentionsbecken überlappen (siehe Grafik). Pro Natura und Birdlife möchten dies verhindern. Sie klassifizieren das Retentionsbecken, auch gestützt auf ein Fachgutachten, als Weiher. Es hält Wasser zurück, welches bei einer grossen Ansammlung kontrolliert abgelassen werden kann. «Das Becken dient jedoch nicht mehr nur diesem Zweck. Da es mittlerweile immer Wasser führt und Tiere und Pflanzen das Becken besiedeln, ist es zu einem schützenswerten Lebensraum geworden», sagt Samuel Ehrenbold von Pro Natura Luzern. Hanspeter Rinert, Gemeindeschreiber von Knutwil, bestätigt das teilweise: «Es stimmt, dass das Becken immer Wasser führt. Aber wenn der Wasserstand einen gewissen Pegel erreicht, wird das Wasser abgeführt. Das Becken ist voll einsatzfähig.»

Die Naturschutzorganisationen wollen den Weiher jedoch schützen. Selbst ein teilweises Überragen würde die Vegetation und damit auch die Fauna beeinträchtigen, sagt Ehrenbold. «Auch der Uferbereich ist ein wichtiger Lebensraum, insbesondere für Amphibien.» Ausserdem habe in den Unterlagen des Baugesuchs gestanden, dass der Weiher teilweise zugeschüttet würde. «Dies wäre unzulässig, wenn kein Ersatz geschaffen würde.» Aus diesen Gründen haben die Organisationen Einsprache gegen den geplanten Pavillon erhoben. Die Gemeinde hat ihnen jedoch die Einsprachelegitimation abgesprochen. Gemeindepräsidentin Priska Galliker erklärt: «Das Grundstück gehört seit ewig der Gemeinde. Es ist ein Teil des Schulareals St. Erhard und ist auch schon ewig als öffentliche Zone eingezont und somit bebaubar.» Die beiden Organisationen haben gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Kantonsgericht eingereicht: «Das rechtliche Gehör wurde uns nicht gewährt. Die Gemeinde gab uns keine 24 Stunden Zeit für eine Stellungnahme», sagt Ehrenbold. Mittlerweile gehe es ihnen deshalb nicht mehr nur darum, den Weiher zu erhalten, sondern auch um juristische Fragen. «Wir gehen davon aus, dass uns das Gericht Recht geben wird», sagt er.

Schulraum für rund 50 Schüler

Für die Schüler würde die Verzögerung des Verfahrens bedeuten, dass die heute prekären Platzverhältnisse vorerst bestehen bleiben. «Es besteht ein Nachholbedarf der letzten zehn Jahre», sagt der Schulleiter der Schule Knutwil-St. Erhard, Christian Mehr. «Spätestens 2019 müssen wir wieder eine neue Klasse öffnen, da in der Gemeinde viel gebaut wurde und noch gebaut wird.» Der Pavillon bietet Schulraum für drei Klassen mit insgesamt etwa 50 Schülern. Für den Fall, dass der Pavillon nicht zu stehen kommt, hat die Gemeinde keine Alternative: «Es gibt keinen Plan B. Der Pavillon ist ja bereits ein Provisorium», sagt Mehr.

Einen Kompromiss schlagen hingegen die Naturschutzverbände vor. Sie haben der Gemeinde empfohlen, den Pavillon um 90 Grad zu drehen. Theoretisch hätte der Pavillon so Platz und würde den Weiher in keiner Weise tangieren. Jedoch würde der Vorplatz, für den eine Doppelnutzung als Pausenplatz für die Schüler und Parkgelegenheit nach Schulschluss vorgesehen ist, dann wegfallen. Doch gerade diese Parkplätze seien auch in Anbetracht der Mehrzweckhalle, die gegenüber des Pavillons gebaut werden soll, wichtig, sagt Rinert. Dieses Projekt sei zwar erst in der Planung, aber man müsse auch diesen Aspekt berücksichtigen, heisst es bei der Gemeinde.

Die Beschwerde hat das Vorgehen der Gemeinde massiv verzögert. Ursprünglich hätte der Pavillon, der im Moment noch im aargauischen Reinach steht, diesen und nächsten Monat abgebaut und nach Knutwil gebracht werden sollen. «Wir haben noch einen Monat Aufschub bekommen von der Grundeigentümerin Berzati AG. Danach müssen wir den Pavillon jedoch abbauen und die Einzelteile lagern», sagt Rinert. «Im Moment ist das Verfahren im Stillstand.»

Martina Odermatt


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