Tiefbahnhof droht das Abstellgleis

LUZERN/BERN ⋅ Für das Bundesamt für Verkehr sind andere Projekte wichtiger als der Ausbau des Luzerner Bahnhofs. Das ruft Luzerner Parlamentarier gleich reihenweise auf den Plan.

04. Oktober 2016, 05:17

Damian Müller, Andrea Gmür-Schönenberger, Prisca Birrer-Heimo, Louis Schelbert, Konrad Graber: Diese Luzerner National- und Ständeräte glauben, der Stellenwert von Luzern als Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs sei in Bundesbern nicht besonders hoch (Ausgabe vom Samstag). Die Politiker sorgen sich unter anderem um den Planungsstand des Durchgangsbahnhofs, besser bekannt unter dem Namen Tiefbahnhof.

Auslöser für die Flut von Vorstössen zum Tiefbahnhof ist ein Auftritt von Peter Füglistaler. Der Direktor des Bundesamts für Verkehr orientierte Parlamentarier Mitte letzte Woche über den Stand der Planungen zur Bahninfrastruktur in den Jahren 2030 und 2035. Bis 2030 stehen landesweit 7 Milliarden Franken zur Verfügung, bis 2035 sind es deren 12. Die Wünsche der sieben Planungsregionen beziffern sich jedoch auf 25 Milliarden.

Birrer-Heimo: «Höchste Zeit, kräftig zu lobbyieren»

Laut der Rothenburger SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo zeigen die Planungen des Bundesamts für Verkehr, «dass der Durchgangsbahnhof Luzern aufs Abstellgleis zu geraten scheint». Deshalb sei es nun höchste Zeit, kräftig zu lobbyieren. «Andere Regionen werben viel intensiver für ihre Projekte als die Zentralschweiz», sagt die Co-Präsidentin des Zentralschweizer Komitees, das sich für den Tiefbahnhof Luzern starkmacht.

Einen Vorstoss zum Tiefbahnhof eingereicht hat auch der Krienser CVP-Ständerat Konrad Graber. Er fordert den Bundesrat in seiner Interpellation wie Birrer-Heimo auf, dem Projekt einen hohen Stellenwert beizumessen. Graber will insbesondere wissen, ob die Zentralschweizer Kantone dem Projekt mit einer Vorfinanzierung zusätzlichen Schub verleihen können. Die Chancen, dass der Tiefbahnhof in den Ausbauplänen ab 2030 enthalten ist, beurteilt Graber als «intakt». Er sagt aber auch: «Wir haben nicht ohne Not Vorstösse eingereicht.»

Mehr Druck aus der Zentralschweiz für die Realisierung des 2,4-Milliarden-Projekts bereits ab 2030: Das fordert auch der grüne Stadtluzerner Nationalrat Louis Schelbert. Er ist im Gegensatz zum Bund der Meinung, der Tiefbahnhof könne auch vor dem Ausbau der Verbindung Zug–Zürich durch den Zimmerbergtunnel gebaut werden. «Die Frequenzen sind auch zwischen Luzern und Zug sehr hoch, nicht nur von Zug nach Zürich.»

Das Bundesamt kommt in seiner Analyse zum Schluss, das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Tiefbahnhofs sei schlecht, wenn nicht zuerst der Zimmerberg ausgebaut werde. Das heisse jedoch nicht, dass man dem Tiefbahnhof gegenüber negativ eingestellt sei, betont Bundesamt-Sprecher Gregor Saladin. Der grösste Ausbaudruck bestehe landesweit betrachtet jedoch zwischen Zürich und Winterthur und am Genfersee. Füglistaler habe vor den Parlamentariern nur aufgezeigt, nach welchen Kriterien das Bundesamt die vielen Projekte bewerte. Im Frühjahr 2017 werden die Vorschläge des Bundesamts in die Vernehmlassung geschickt. 2018 gelangt der Bundesrat mit seiner Botschaft ans Parlament, das wohl 2019 entscheiden wird, was ab 2030 realisiert wird.

Küng kritisiert Kriterien des Bundes

Der Luzerner Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Robert Küng führt das im Vergleich zu anderen Projekten schlechte Kosten-Nutzen-Verhältnis des Tiefbahnhofs auf die komplexe Topografie zurück und sagt: «Ich bedaure, dass das Bundesamt für Verkehr unsere anspruchsvollen topografischen Verhältnisse zu wenig berücksichtigt.» Das verstelle den Blick auf den Nutzen, den der Tiefbahnhof regional und national stifte. Die Aussage von Bundesamt-Sprecher Gregor Saladin, dass der grösste Ausbaudruck zwischen Zürich und Winterthur und am Jurasüdfuss bestehe, relativiert Küng: «Ausbauten in diesen Regionen sind zwar unbestritten. Doch der Bund weist auch in Luzern und auf der Strecke Zug–Zürich signifikante Überlasten aus. Ein Ausbau im Raum Luzern ist also ebenfalls dringend notwendig.» Nicht konkret äussern kann sich der FDP-Regierungsrat zur Frage, ob der Tiefbahnhof vor dem Zimmerbergtunnel realisiert werden kann – wie dies Nationalrat Louis Schelbert fordert. Küng: «Das Bundesamt für Verkehr hat die Bewertung des kombinierten Moduls Tiefbahnhof und Zimmerbergtunnel noch nicht vorgelegt.» Sicher ist sich Küng, dass Luzern und die Zentralschweiz genügend Energie aufwenden für die Lobbyarbeit in Bern. Immerhin sei die Projektierung bereits im Ausbauschritt 2025 erwähnt.

In Bezug auf die Vorfinanzierung sind dem Kanton Luzern vorderhand die Hände gebunden, wie Küng sagt. «Wir warten nach wie vor darauf, wie die Anforderungen für eine Vorfinanzierung konkret aussehen. Zurzeit sind die Rahmenbedingungen völlig unklar.» Von den Zentralschweizer Kantonen habe Zug grundsätzlich entschieden, sich an der Vorfinanzierung zu beteiligen. Die anderen Kantone würden warten, bis «Bern» die Anforderungen geklärt habe.

Lukas Nussbaumer


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