Tötungsdelikt Hohenrain: Freisprüche gefordert – Prozess wird verlängert

KRIMINALGERICHT ⋅ Die Richter, die über das Tötungsdelikt in Hohenrain zu befinden haben, wollen noch einen vierten Zeugen befragen. Der Prozess wird deshalb bis Freitag verlängert. Unabhängig davon haben die drei Verteidiger heute allesamt Freisprüche betreffend der Tötung des Bauernpraktikanten gefordert.
15. März 2017, 18:17

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Es ist ein Plädoyer mit Sprengkraft. Der 26-jährige Initiator des Angriffs in Hohenrain soll aufgrund der Verletzung eines Verfahrensgrundsatzes freigesprochen werden. Sein Verteidiger argumentierte, die Staatsanwaltschaft habe in dieser Sache bereits eine rechtskräftige Einstellungsverfügung erlassen. Eine solche komme gemäss bundesgerichtlicher Rechtssprechung einem Freispruch gleich. Und wenn nun aufgrund des gleichen Sachverhalts eine neue Anklage erhoben werde, so sei dies nicht rechtmässig.

Sein Mandant habe nie die Absicht gehabt, sich an den Brasilianer zu rächen, die ihm an besagtem Abend eine blutige Lippe verpasst hätten. Er habe nur nur noch nach Hause gehen wollen, als man die Gruppe auf dem Heimweg zufällig gesehen habe. „Dass die Kollegen ein Messer dabei hatten, wusste mein Mandant nicht. Sonst wäre er nicht auf den Brasilianer zugegangen“, ist der Verteidiger überzeugt. Er habe seinen Kontrahenten nur spontan ebenfalls eine verpassen wollen. Zugegeben, er habe dann mit einem Hammer auf dessen Gesäss geschlagen, nicht aber ins Gesicht. Das ganze habe nichts mit der Tötung eines zweiten Brasilianers zu tun, die sich in einer Entfernung abgespielt habe und von einem ihm kaum bekannten Kosovaren begangen worden sei.

Auch der Verteidiger des 35-jährigen Mazedoniers rügte, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren erst einstellte und in der Folge wieder aufnahm. „Am Sachverhalt hat sich durch die Aussage des erst nach Jahren gefassten Kosovaren nichts geändert. Damit ist die Anklage willkürlich.“ Es bleibe dabei: Sein Mandant sei beim Dorfeingang Hohenrain seinem Kollegen zu Hilfe geeilt, der vorgängig an dem Barfestival in Hochdorf einen Faustschlag abbekommen habe. Dass einige Meter weiter sein kosovarischer Arbeitskollege mit einem Messer auf einen anderen Brasilianer eingestochen und diesen getötet hat, habe er nicht mitbekommen. Er sei deshalb vom Vorwurf der Tötung freizusprechen.

Die Krux liegt darin, dass auch der Verteidiger des dritten Mannes einen Freispruch forderte. Naturwissenschaftliche Beweise würden fast gänzlich fehlen. Die Anklage beruhe auf Wahrnehmungen, daher sei die Untersuchung der Interessen und Motivlagen entscheidend. Und sein Mandant hätte keinen Grund gehabt, den Brasilianern etwas anzutun – im krassen Gegensatz zu dem jüngsten Angeklagten. Dieser habe eine Rauferei mit den Brasilianern gehabt.

„Er holte sich dabei nicht nur eine blutige Nase, sondern zog auch den Spott der Umstehenden auf sich. Er musste als Verlierer vom Platz. Er wollte Rache“, so der Verteidiger des Kosovaren, nach dem die Polizei sechs Jahre lang gesucht hatte. Die ganze Tragödie habe auf diesem Rachefeldzug beruht - und damit hätte sein Klient nichts zu tun gehabt. Er sei lediglich zur falschen Zeit mit den falschen Leuten am falschen Ort gewesen.

Kurz gesagt: Nach wie vor will es keiner gewesen sein. Die Verhandlung wurde nun bis auf Freitag ausgedehnt. Der Grund: Das Gericht will noch einen weiteren Zeugen befragen. Es handelt sich um einen Cousin des Kosovaren. Ihm gegenüber soll dieser die Tat zugegeben haben. 

Video: Tötungsdelikt Hohenrain: Täter streiten Schuld ab

Keiner will es gewesen sein. Die Anwälte der Angeklagten forderten Freisprüche beim Prozess über das Tötungsdelikt in Hohenrain. Die Verhandlung wurde nun bis auf Freitag ausgedehnt. Der Grund: Das Gericht will noch einen weiteren Zeugen befragen. (Tele1, 15.03.2017)



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