Tötungsdelikt Hohenrain: Mutmasslicher Täter verlässt die Schweiz

KRIMINALGERICHT ⋅ Der Kosovare, der 2009 einen jungen Bauernpraktikanten erstochen haben soll, wird die Schweiz noch vor Sonntag unbehelligt verlassen. Warum, dazu nahm der Staatsanwalt am Donnerstag Stellung.
16. März 2017, 15:26

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat einem mutmasslichen Schwerverbrecher «freies Geleit» zugesichert. Am Freitag steht er noch vor dem Kriminalgericht, danach macht er sich auf den Heimweg in den Kosovo – egal wie die Verhandlung ausgehen wird.

Dem Verteidiger eines mitangeklagten Mazedoniers geht das gehörig gegen den Strich. Nach der Tat sei der Mann in den Kosovo geflohen, um sich der Verhaftung zu entziehen. Er behaupte zwar, er habe sein Schweigen nun gebrochen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. In Wahrheit wolle er aber nur den eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen, in dem er seinen Mandanten schwer belaste. «Er kann sagen was er will, es geschieht ihm nichts. Es ist grotesk zu sagen, er stelle sich dem Gericht», polterte der Verteidiger.

Am Donnerstagmorgen nun nahm der Staatsanwalt zu diesem Vorwurf Stellung. Er betonte, dass es ohne die Zusicherung des freien Geleits nicht möglich gewesen wäre, den Kosovaren für Befragungen und die Verhandlung in die Schweiz zu holen. «Ich will nicht wissen, was wir uns hätten anhören müssen, wenn wir diesen einzigen Weg nicht beschritten hätten.» 

Von einer «Plauschreise» könne keine Rede sein. Die Kosten für die Reise die Verpflegung habe er selber berappen müssen – lediglich die Hotelkosten würden die Behörden übernehmen. «Das war der einzig gangbare Weg», betonte der Staatsanwalt.

Staatsanwalt: «Wir haben keinen Rückzieher gemacht»

Bevor der Kosovare ausgesagt hatte, war die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass er der Täter gewesen sein muss. Entsprechend hatte sie die Untersuchung wegen vorsätzlicher Tötung gegen die beiden anderen Beschuldigten eingestellt. Die Einstellungsverfügung wurde im Fall des Mazedoniers inzwischen allerdings aufgehoben, weil es die Staatsanwaltschaft nun nicht mehr ausschliessen will, dass er derjenige war, der auf das Opfer eingestochen hat. «Das ist reine Willkür», fand dessen Verteidiger.

Der Staatsanwalt wollte davon aber nichts wissen. «Wir haben keinen Rückzieher gemacht. Wir haben das Verfahren wieder aufgenommen, weil neue Tatsachen vorlagen.» Gemeint hat er damit die Aussagen des Kosovaren, der den Mazedonier des tödlichen Messerstichs bezichtigt. Im jetzigen Gerichtsverfahren beantragt die Staatsanwaltschaft, beide wegen vorsätzlicher Tötung oder Teilnahme an einer solchen zu mehrjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen (wir berichteten). Sollte der Kosovare verurteilt werden, würde er international zur Fahndung ausgeschrieben – eine Rückkehr in die Schweiz wäre damit faktisch ausgeschlossen.

Am Freitag sagt der Cousin aus

Klärung bringen soll in diesem Fall die Befragung eines vierten Zeugen, eines Cousins des Kosovaren. Ihm gegenüber soll dieser die Tat zugegeben haben. Die Einvernahme wird am Freitag stattfinden. Dann allerdings wird einer der Beschuldigten, der eigentliche Initiator des Angriffs, bereits nicht mehr an der Verhandlung auftauchen.

«Es bringt nichts dabei zu sein, ich kenne den Zeugen gar nicht», sagte der heute 26-Jährige zur Begründung. Er gehe lieber wieder arbeiten. Aus diesem Grund bekam er schon am Mittwoch die Gelegenheit, ein letztes Wort ans Gericht richten. «Es tut mir sehr leid was passiert ist. Ich reisse mich jetzt zusammen mit den Verkehrsregeln. Mehr habe ich nicht zu sagen.» 

Der jüngste der Beschuldigten hatte sich vor der Tat von einem der Brasilianer eine blutige Lippe eingefangen und wollte sich dafür revanchieren (wir berichteten). So kam er überhaupt zu der Auseinandersetzung. Er muss sich nicht nur für den Angriff, sondern auch für diverse schwere Strassenverkehrsdelikte verantworten (wir berichteten).


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