Tötungsdelikt Hohenrain: Urteil für den 28. März in Aussicht gestellt

KRIMINALGERICHT ⋅ Mehr als drei Tage dauerte der Gerichtsprozess, nun ist die Verhandlung über das Tötungsdelikt in Hohenrain zu Ende. Wie das Urteil ausfallen wird, wird in rund zehn Tagen bekannt gegeben.

Aktualisiert: 
17.03.2017, 12:00
17. März 2017, 11:08

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Der Prozesstag am Freitag war der eigentliche Showdown der fast viertägigen Verhandlung. Zu Beginn wurde noch ein letzter Zeuge befragt. Es handelt sich um den Cousin von einem der Beschuldigten. Ihm gegenüber soll der Betreffende zugegeben haben, dass es möglich sei, dass er das Opfer erstochen habe.
 
Aufgeboten wurde der Zeuge von der Gerichtkanzlei, er hat aber auch mit einem der Mitrichter telefoniert. Diese Information sorgte im Gerichtssaal für einige Hektik. In der Befragung räumte der Zeuge ein, auf einen Anruf des Richters sehr ungehalten reagiert zu haben. «Für mich kam das aus heiterem Himmel. Ich bin etwas ausgegleist und entschuldige mich. Ich war sehr emotional. Die Erinnerungen kamen wieder hoch», sagte er. Dennoch: An die Ereignisse in den Tagen nach der Tat will er sich nicht mehr erinnern können, weshalb seine Befragung auch keine neuen Erkenntnisse zu Tage brachte.
 
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass nicht nur der Cousin, sondern auch dessen mazedonischer Arbeitskollege der Täter sein könnte. Dessen Anwalt verlangte nach der Befragung die Unterbrechung der Verhandlung. Er wolle mit seinem Klienten besprechen, ob man aufgrund des Telefonats zwischen dem Zeugen und dem Richter ein Ausstandsgesuch stellen wolle.
 
Inzwischen gab der Verteidiger bekannt, dass man auf einen solchen Antrag verzichte. «Objektiv betrachtet gibt es Anhaltspunkte dafür, dass es nicht glücklich war, dass der Richter den Zeugen angerufen hat.» Das hätte eine Sekretärin machen sollen. «Aber subjektiv trauen wir ihm zu, dass er sich nicht vom «Gejammer» eines Zeugen beeinflussen lässt.» Zudem wolle sich sein Klient nicht dem Vorwurf aussetzen, er verzögere das Verfahren. «Er hat ein Interesse daran, dass es zügig vorwärts geht.»
 
Die vorsitzende Richterin betonte dazu folgendes: Die Kanzlei sei mit dem Telefonat beauftragt worden. Der Zeuge hätte aber sehr emotional reagiert und es abgelehnt, an die Verhandlung zu kommen. Mit der Kanzlei verweigerte er offenbar das Gespräch. Deshalb klärte der Mitrichter ihn dann telefonisch darüber auf, dass er zur Aussage verpflichtet sei. «Er hat in keiner Art und Weise mit dem Zeugen über die Verhandlung gesprochen oder ihn unter Druck gesetzt.»
 
Nachdem dies geklärt war, erhielten die Beschuldigten noch die Gelegenheit zum letzten Wort. Der Mazedonier, der Klient des erwähnten Anwalts, sagte, es täte ihm «unglaublich leid, dass das Opfer gestorben ist», er hätte mit dem Messerstich aber nichts zu tun gehabt.
 
Länger holte der dritte Beschuldigte aus, der die letzten Jahre im Kosovo lebte und erst 2015 zu der Sache befragt werden konnte. Er kam unter der Zusage in die Schweiz, dass er freies Geleit bekommt, die Schweiz also unabhängig vom Prozessausgang wieder verlassen kann. Er betonte nochmals: «Meine Einreise in die Schweiz im Jahr 2015 und 2017 hatte nur ein Ziel: Vor Gott und dem Gesetz die Wahrheit zu beweisen, und ans Licht zu bringen, was geschehen ist, als ein junger Mensch sein Leben verlor.» Er glaube an das Schweizer Recht. Als einziger der drei habe er kein Motiv gehabt, den Brasilianer anzugreifen.
 
Der Dritte im Bunde hatte schon am Donnerstag sein letztes Wort an die Richter gerichtet. Das Urteil soll am Dienstag, 28. März 2017 öffentlich verkündet werden.
 
 

Video: Tötungsfall Hohenrain: Der Staatsanwalt im Interview

Der letzte Prozesstag im Fall Hohenrain. Der Staatsanwalt Adrian Gyger gab ein Interview zum Gerichtsfall. (Tele1, 17. März 2017)




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