Unterirdische Grotte für Wallfahrtsort

LUTHERN BAD ⋅ Im Marien-Wallfahrtsort wird im nächsten Jahr ein Arm- und Fussbad gebaut. Bei der Planung orientierten sich die Verantwortlichen an antiken Vorbildern.

19. Oktober 2016, 05:00
Die Innerschweizer Kantone sind reich an sakralen Bauten wie Klöster, Kirchen und Kapellen. Letztere stehen am 22. Oktober am Tag der offenen Kapellen im Mittelpunkt (siehe Kasten). Im Kanton Luzern bieten an diesem Tag 17 Kirchen und Kapellen ein spezielles Programm. Mit dabei ist auch der bekannte Wallfahrtsort Luthern Bad, wo unter anderem eine Tiersegnung stattfindet.

Gemäss Verein Sakrallandschaft Innerschweiz ist Luthern Bad der wohl meistbesuchte Luzerner Wallfahrtsort. Besonderer Anziehungspunkt ist das Badbrünnli, eine Quelle, die auf einen wunderbaren Traum des gichtkranken Jakob Minder zurückgeht, dem 1581 die Muttergottes erschien. Sie riet ihm, unweit von seinem Haus nach Wasser zu graben und sich darin zu waschen. Diesen Rat befolgte Minder und wurde geheilt. Die heilende Kraft des Wassers sprach sich schnell herum – Luthern Bad wurde zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Die Geschichte des Wallfahrtsortes wurde vom damaligen Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat eingehend untersucht und schriftlich festgehalten.

Benötigt wird eine halbe Million Franken

Auch heute noch kommen Besucher nach Luthern Bad, um das Wasser des Badbrünnlis zu trinken oder mit nach Hause zu nehmen. «Die kleine Kapelle beim Badbrünnli ist das ganze Jahr, und zwar Tag und Nacht offen. Es sind regelmässig Besucher hier, auch mitten in der Nacht, um zu beten und die heilende Kraft des Wassers zu spüren», sagt Isidor Lustenberger, der im Wallfahrtsort Führungen anbietet.

Der Förderverein Luthern Bad will das Potenzial der Quelle noch mehr nutzen und plant im nächsten Jahr die Eröffnung eines neuen unterirdischen Arm- und Fussbades. Die Baubewilligung für das Projekt liegt bereits vor. Derzeit werden noch die nötigen finanziellen Mittel aufgetrieben. Laut Max Galliker, Präsident des Fördervereins, werden die Kosten auf eine halbe Million Franken geschätzt.

Er hofft, dass die Bauarbeiten günstiger ausgeführt werden können als bei kommerziellen Projekten. Zudem setze man auch auf Freiwilligenarbeit und Naturalspenden. Entwickelt wurde das Projekt vom Buttisholzer Architekten Patrik Ziswiler und vom Bauingenieur Franz Schärli aus Zell, die derzeit an der Detailplanung arbeiten. «Es ist nicht ganz einfach, einen unterirdischen Bau zu realisieren, da wir beim Projekt auf keinerlei Erfahrungen mit ähnlichen Bauten zurückgreifen können. Darum haben sich die Planer an antiken Anlagen in der Literatur orientiert.»

Die Gesamtlänge der Anlage beträgt zirka 20 Meter. In den Seitenräumen der Grotte sind ein Kneippbecken und ein Fussbad geplant. Zudem gibt es eine WC-Anlage, einen Technikraum sowie ein Atrium mit Brunnen für das Armbad und eine Garderobe.

Lichteinfall durch Öffnung im Zentrum

Vom Bad werden einzig das Portal und das Oberlicht an der Oberfläche sichtbar sein. Das Arm- und Fussbad wird in der Mitte nach oben geöffnet sein. Laut Planern sorgt diese Öffnung im Zentrum für eine stimmungsvolle Lichtführung und ermöglicht den Blick zum Himmel. «Das natürliche Licht sorgt gemeinsam mit der einfachen Bauweise und der künstlerischen Gestaltung für eine mystische Atmosphäre und ein einzigartiges Raumerlebnis», heisst es in einem Infoflyer. Durch das Oberlicht soll auch frische Luft unter die Erde gelangen. Der Baustart ist im Frühling 2017 vorgesehen. Bereits im Sommer/Herbst 2017 soll das Bad eröffnet werden.»
 

Kapellen öffnen Pforten

Am Samstag organisiert der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz einen Tag der offenen Kapellen. Hier einige Programmpunkte im Kanton Luzern:

  • Wallfahrtskirche Luthern Bad: 10 Uhr: Gottesdienst; 11, 14 und 16 Uhr: Führungen durch den Wallfahrtsort (Treffpunkt Dreilindenplatz); 15 Uhr: Kleintier-Segnung beim Badbrünneli.
  • Kapellenweg Roggliswil: 13.30 Uhr, Schulanlage Roggliswil: Wanderrundgang zu drei Kapellen.
  • Kapelle St. Wendelin, Lieli: 19 Uhr: Konzert von Opernsängerin Silvia Baroni mit Klavierbegleitung. (sb)


Hinweis
Das gesamte Programm unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

 

Susanne Balli


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