VBL-Hotel zieht Kritik auf sich

LUZERN ⋅ Mit dem Kauf der Thepra AG kamen die Verkehrsbetriebe Luzern jüngst in den Besitz eines Hotels. Dieser Betrieb wird ab Neujahr unter neue Leitung gestellt. Einem der beiden Geschäftsführer eilt im Kanton Nidwalden kein guter Ruf voraus.

09. Oktober 2016, 05:00

Es gehört zu den Eigenschaften von Medienmitteilungen, dass sie oft schönfärberisch daherkommen. Sachverhalte werden ins beste Licht gerückt, Unerfreuliches bleibt meist unerwähnt. Nach diesem Muster ist auch das Schreiben gestrickt, welches die Redaktion am Freitag erreichte. Absender der Nachricht ist der Sprecher der Verkehrsbetriebe Luzern VBL. Dieser teilt im Wesentlichen mit, dass das Hotel Stans-Süd ab Neujahr 2017 unter neuer Leitung stehen wird (Ausgabe von gestern).

Im Text fand auch dieser Satz zur VBL-Tochtergesellschaft Unterschlupf: «Die Thepra AG als Vermieterin des Hotels bedankt sich bei der bisherigen Hotelbetreiberin für die grossen Verdienste und die gute Zusammenarbeit.» Diese aber war längst nicht immer gut. Richtig Zoff gabs im Frühling, als die Thepra den Pachtvertrag kündigte. Dies, obwohl der Mieter noch eine Option – diese wurde, später aber nicht eingelöst – auf Vertragsverlängerung bis März 2024 hatte. Thepra musste schliesslich zurückrudern und einen Anwalt mandatieren, der das Ganze wieder ins Lot brachte.

Nicht alle Fakten auf den Tisch gelegt

Bereits im Juli informierten die VBL über den im Sommer erfolgten Kauf der Thepra AG. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und betreibt im Kanton 20 Postautobusse, die – Stand Sommer 2016 – auf sieben Linien Passagiere transportieren. Im Lauftext der VBL-Mitteilung wurde damals aber mit keinem Wort erwähnt, dass das Luzerner Busunternehmen mit dem Kauf der Thepra auch noch eine Hotelimmobilie erwarb, in welcher der Gastrobetrieb Stans-Süd eingemietet ist – auch in Zukunft.

Die VBL gehören der Stadt Luzern. Was die Geschäftsleitung entscheidet, interessiert daher auch die städtischen Politiker. SVP-Grossstadtrat Peter With stellt kritisierend in den Raum: «Gehört das zur Strategie der VBL?» Um dann gleich selber zu antworten: «Das sehe ich weniger.» With geht davon aus, dass sich die VBL mittelfristig vom Objekt trennen werden. Die VBL wiederum legen grossen Wert darauf, zu betonen, sie seien Besitzerin einer Liegenschaft, in der sich unter anderem ein Hotel­betrieb eingemietet hat. Der ÖV-Betreiber sieht sich selber also nicht als Hotelbesitzer. Mit dem Hotel Stans-Süd geraten die VBL aufgrund unternehmerischer Entscheide in die Kritik der Politik. Das ist nicht das erste Mal. Unvergessen bleiben die Beschlüsse, die dazu führten, dass das VBL-Maxitaxi-Konzept auf Destinationen wie Monaco, Monza und Mugello ausgeweitet wurde. Also ausgerechnet auf Orte, an denen Formel-1- und Motorradrennen mit grossem Treibstoffverbrauch stattfinden. Der damalige VBL-Verwaltungsratspräsident, Konrad Graber, sagte 2009 dazu gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag»: Er gehe davon aus und erwarte von der Geschäftsleitung, dass künftig andere Destinationen im Vordergrund stehen werden.

Wenn man sich derzeit in der Nidwaldner Gastro- und Tourismusszene umhört, schüttelt im Zusammenhang mit der VBL-Tochtergesellschaft Thepra der eine oder die andere den Kopf. Der Grund liegt darin, dass das Hotel Stans-Süd ab Januar von den beiden Gastrounternehmern Samuel Vörös und Dominik Grossenbacher geführt wird.

Geschäftsführer wehrt sich

In der Kritik steht allerdings nur Letzterer. Das rührt daher, dass Grossenbacher bereits in diesem Jahr in Nidwalden tätig war – und zwar in einem Hotel in Buochs. Auf den Verwaltungsratspräsidenten dieses Unternehmens, Peter Mattli, machte Grossen­bacher jedenfalls einen «zwiespältigen» Eindruck, wie er sagt. Denn als Grossenbacher zusammen mit den anderen Mitgliedern der damaligen Hotelbetreiberfirma aus dem Haus auszog, hinterliess die Equipe das Hotel gemäss Peter Mattli in einem «schlechten Zustand».

Keine guten Erinnerungen an Grossenbacher und die einstige Hotelbetreibercrew hat auch Sepp Barmettler, Geschäftsführer von Tourismus Buochs/Ennetbürgen. Barmettler sagt: «Diese Leute sind uns rund 10 000 Franken Kurtaxen schuldig geblieben. Herr Grossen­bacher hat mich immer wieder vertröstet und gesagt, das Geld komme noch. Schlussendlich verantwortlich dafür sei aber sein Chef.» Mittlerweile wurde eine entsprechende Betreibung eingeleitet. Und was meint Grossenbacher dazu? Er wehrt sich und sagt, er sei nur kurz als Unterstützer in jenem Hotel vor Ort gewesen, und Herrn Mattli habe er nie persönlich näher kennen gelernt.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch


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