Luzerner Waldbesitzer suchen Einnahmen

GEBÜHR ⋅ Weil die Holzpreise im Keller sind, können Luzerner Waldbesitzer die Wege kaum noch kostendeckend in Schuss halten. Ein Experte liebäugelt nun mit einer Gebühr – für eine bestimmte Nutzergruppe.
12. April 2017, 05:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Segnet der Staubsauger oder der Fernseher das Zeitliche, nehmen Läden solche Geräte zur Entsorgung zurück. Denn: Die Recyclinggebühr wurde bereits beim Kauf eingezogen. Geht es nach einem Luzerner Experten, liesse sich ähnlich auch ein Problem bei der Waldbewirtschaftung lösen: Es sei «eine Überlegung wert», beim Mountainbike-Kauf «eine vorgezogene Benutzungsgebühr für Waldwege» zu erheben, sagt Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Er sprach am Samstag bei Wald Luzern, dem Waldeigentümerverband.

Generell brauche es eine Lösung, die sich administrativ einfach realisieren liesse, sagt Röösli auf Anfrage. Die vorgezogene Gebühr sei ein «kreativer Denkanstoss» und ein möglicher Ansatz, der «vom Kontrollaufwand her wohl umsetzbar wäre». In der Schweiz würden jährlich über 100 000 Bikes verkauft. «Biker legen innert Kürze grosse Strecken zurück, der Radius der Wege, die in Stand gehalten werden müssen, wird immer grösser.» Die Pfade würden so stärker beansprucht als etwa von Joggern.

Erwartungen an die Sicherheit steigen

Die zunehmende Nutzung der Wälder sei erfreulich, erschwere aber die Waldbewirtschaftung, sagt Röösli. «In stark frequentierten Gebieten steigen die Erwartungen an die Sicherheits­anforderungen.» So müssten ­herunterhängende Äste rasch entfernt werden, für den Holzschlag brauche es ein bis zwei Personen als Sicherheitsposten. Solche Kosten liessen sich mit dem Holzverkauf längst nicht mehr decken. «Normalerweise geraten Holzpreise nach Stürmen oder starkem Borkenkäferbefall unter Druck. Derzeit sind die Preise selbst ohne solche Schäden so tief wie vermutlich noch nie», sagt Röösli. Um die Leistungen des Waldes abzugelten, müsse man neue Lösungen suchen. Welche Formen möglich seien – ob es etwa eine Zwangsabgabe brauche oder eine freiwillige Gebühr ausreiche, werde sich zeigen. Mehr lasse sich zur Finanzierung noch nicht sagen.

Handlungsbedarf sieht auch Wald Luzern. «Bei jeder Gesetzesrevision müssen wir schauen, dass nicht noch mehr Aufwand auf die Waldeigentümer abgewälzt wird. Zugleich wirft der Verkauf von Holz immer weniger ab. Wir stossen an unsere Grenzen», sagt Präsident Ruedi Gerber aus Wiggen. Vielen sei nicht bewusst, welche Leistungen Waldbesitzer für Wege erbringen, die von allen genutzt würden. «Um die Instandhaltung von Wegen oder die Bekämpfung von Neophyten zu finanzieren, muss eine Lösung ­gefunden werden.» Eine Benützungsgebühr sei «prüfenswert». Gleichzeitig sagt Gerber aber: «Die Umsetzung einer solchen Gebühr dürfte schwierig sein.»

«Gesprächsbereit» zeigt sich Swiss Cycling: «Wenn der Konsument einen Mehrwert spürt, ­ ist er erfahrungsgemäss bereit, etwas zu bezahlen. Wo die Schmerzgrenze liegt, ist schwierig zu sagen», sagt Sven Montgomery, Breitensportverantwortlicher bei Swiss Cycling. «Wenn Gebühren die Lösung sein sollen, müssten auch die anderen Waldbenutzer ihren Anteil leisten.» Fraglich sei, wie fest sich die Veloindustrie für so einen Plan einspannen lasse.

Aargau will Beiträge per Initiative aufstocken

Vorerst will Wald Luzern be­ob­ach­ten, was im Aargau passiert. Hier wurde im Februar eine Initiative eingereicht, die verlangt, dass die Beiträge des Kantons an den Wald von jährlich 5 Millionen auf 16 Millionen aufgestockt werden. Solch ein Begehren könnte auch für Luzern zielführend sein, so Gerber. «Wenn auch der momentane Spardruck wohl nicht der idealste Zeitpunkt wäre, um eine solche Initiative zu lancieren.» Mit der Suche nach Einnahmequellen steht Luzern nicht alleine da: 2012 lancierten die Berner Waldbesitzer die Idee einer Waldvignette. Auf freiwilliger Basis kann dort für 20 Franken eine Vignette gekauft und so laut Verband «eine nachhaltige Finanzierung einer öffentlich nachgefragten Waldleistung» sichergestellt werden. Rund 100 Stück werden pro Jahr verkauft, der Erlös fliesst in einen Fonds für Wald und ­Tourismus. Solothurn wiederum kennt den Wald-Fünfliber: Jede Gemeinde zahlt pro Einwohner 5 Franken in einen Topf für Waldbesitzer. Geht es nach Wald­experte Röösli, müssen solche Ansätze querbeet geprüft werden. «Es braucht Gespräche mit Betroffenen und klare Regeln, welche Leistungen im Gegenzug eingefordert werden können.»


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