Was geschieht mit dem «Konsi»?

LUZERN ⋅ Die musikalischen Klänge verschwinden aus dem Dreilindenquartier. Die künftige Nutzung des Konservatoriums ist noch offen – im Quartier hat man aber klare Vorstellungen.
15. März 2017, 04:29

Astrid Longariello

astrid.longariello@luzernerzeitung.ch

Im Sommer 2019 soll es so weit sein. Dann zieht die Hochschule Luzern – Musik in den Neubau neben dem Kulturzentrum Südpol in Kriens. Vier Abteilungen und die Verwaltung der Hochschule werden an diesem Standort zusammengeführt. Es handelt sich um das Institut für Klassik und Kirchenmusik (heute auf Dreilinden), das Institut für Musikpädagogik (heute an der Obergrundstrasse) sowie das Institut für Jazz und Volksmusik und das Institut für neue Musik (heute an der Grabenstrasse). Ebenfalls umziehen werden die Direktion und die Verwaltung, welche sich zurzeit an der Zentralstrasse in Luzern befinden.

Das Luzerner Konservatorium im Dreilindenquartier – auch bekannt als «Konsi» – gilt als wichtiger Naherholungsraum der Stadt Luzern. Mit der Villa ­Vicovaro, dem Ökonomiegebäude, dem Pförtnerhaus sowie der Parkanlage gehört es zudem zu den bedeutendsten Bauten aus der Wendezeit des 19. und des 20. Jahrhunderts. Was mit der Liegenschaft, die sich in städtischem Besitz befindet, nach dem Auszug der Hochschule passiert respektive wie sie weiter genutzt wird, ist zurzeit noch unklar. Bereits 2014 hatten sich einige Interessenten gemeldet (Ausgabe vom 25. Januar 2014).

Stadtrat muss künftige Nutzung aufzeigen

In diesem Zusammenhang reichte die SP/Juso-Fraktion im Stadtparlament eine Interpellation ein. Sie verlangt Antworten zur künftigen Nutzung der gesamten Anlage. Ausserdem wollen die Linken wissen, ob eine öffent­liche Ausschreibung geplant ist und ob zwischen dem Stadtrat und privaten Interessenten bereits Gespräche stattgefunden haben. Auch ob der Stadtrat plant, die Liegenschaften mit ­öffentlichen Mitteln weiterzubetreiben, oder ob er eine private Finanzierung vorzieht, sind Punkte auf der Frageliste. Wann die Fragen vom Stadtrat beantwortet werden, ist noch unklar.

Eine gewisse Nervosität im Hinblick auf die Zukunft der Anlage ist im Quartierverein Wesemlin-Dreilinden spürbar. Für den Präsidenten des Quartiervereins, Peter Frei, ist klar, dass der Park unbedingt weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein muss. «Dieser prachtvolle Park mit seinem speziellen künstlerischen Ambiente wird von den Quartierbewohnern gut genutzt, und er ist sehr beliebt», so Frei. Er könnte sich durchaus vorstellen, dass aus dem Konservatoriumsgebäude einmal ein Museum werden könnte. Auf jeden Fall etwas, was mit Kunst zu tun hat. «Eine Zeitlang kursierte das Gerücht, dass dort ein Hotel die Villa übernehmen wollte. Da kam es schon zu Diskussionen unter den Quartierbewohnern, denn das wäre unglaublich schade», erklärt Peter Frei.

Der Wegzug der anderen Abteilungen der Musikhochschule löst weniger Diskussionen aus. Das Gebäude des Instituts für Musikpädagogik an der Obergrundstrasse gehört der Stiftung Schul- und Kirchenmusik. Laut Michael Kaufmann, Direktor der Musikhochschule, will die Stiftung die Liegenschaft verkaufen oder anderweitig nutzen. «Sie generiert daraus einen Beitrag an die Investitionskosten für das neue Gebäude der Hochschule Luzern – Musik», so Kaufmann.

Was mit den leeren Räumlichkeiten nach dem Wegzug des Instituts für Jazz und Volksmusik an der Grabenstrasse geschehen soll, ist gemäss der Eigentümerin, der Jazzkantine im Graben GmbH, absolut unklar. «Keine Ahnung», hiess es auf Anfrage.

Vertrag an der Zentralstrasse noch nicht gekündigt

Besitzerin der Direktionsräumlichkeiten der Hochschule Luzern – Musik an der Zentralstrasse ist die CSS Versicherung. Wie Christina Wettstein, Mediensprecherin des Versicherungskonzerns, auf Anfrage erklärt, hat die Direktion der Musikhochschule bis jetzt noch keine offizielle Kündigung eingereicht. «Der Vertrag mit der Direktion hat bis Ende 2021 Gültigkeit. Wir warten die Kündigung ab und entscheiden dann», sagt Wettstein. Der Einzug aller beteiligten Abteilungen der Hochschule Luzern – Musik ist in gestaffelter Abfolge auf den Studienbeginn 2019/20 vorgesehen. Der Beginn des Betriebs der administrativen und der wissenschaftlichen Mitarbeitenden solle ab zirka Mitte Juli 2019 erfolgen, heisst es von Seiten der Direktion.


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