Weniger Einnahmen als erwartet

KRIENS ⋅ Die Rechnung 2016 schliesst wie budgetiert mit einem Defizit von 2,49 Millionen Franken – trotzt tieferer Steuereinnahmen. Aufgrund der schwierigen Finanzlage werden die Buchhalter kreativ.
12. April 2017, 07:04

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Der Krienser Gemeinderat Franco Faé (CVP) ist nicht zu beneiden. Als Finanzvorsteher muss er die Gemeinde durch magere Zeiten führen. Das zeigt sich mit der Rechnung 2016, die gestern veröffentlicht wurde, deutlich. Das Eigenkapital ist aufgebraucht, die Gemeinde überschuldet. Im letzten Jahr schrieb Kriens ein Defizit von 2,49 Millionen Franken. Ähnlich hoch ist der Bilanzfehlbetrag mit 2,46 Millionen.

Dass diese Situation eintreten wird, war bekannt. Ein Nachholbedarf beim Unterhalt der gemeindeeigenen Liegenschaften und grosse Investitionen ins Zentrumsprojekt und die Schulhäuser belasten die Gemeindefinanzen. Immerhin: Ab 2018 soll Kriens schwarze Zahlen schreiben (siehe Grafik). «Die Trendwende ist in Sicht», sagt Franco Faé.

Wachstum verzögert sich

An dieser Einschätzung ändern auch die Steuereinnahmen nichts, die im letzten Jahr tiefer ausgefallen sind als erwartet. Sie betrugen 73,1 Millionen Franken. Im Budget hatte Faé mit 2,5 Millionen mehr gerechnet. Er begründet dies mit den Einwohnerzahlen, die stagnieren. Bei verschiedenen Grossprojekten ist es zu Verzögerungen gekommen, gleichzeitig ist der Leerwohnungsbestand nahe bei null. Sobald die Neubauten im Gebiet Schlund bezugsbereit sind, dürften die Einwohnerzahlen wieder steigen – und mit ihnen die Steuereinnahmen. «Das Wachstum wird stattfinden, allerdings zeitlich etwas verzögert», ist Faé überzeugt.

Der Aufwand ist mit 173,7 Millionen Franken um 2,7 Millionen höher als budgetiert. Dazu haben unter anderem höhere Pflegekosten beigetragen. Dass das Budget dennoch eingehalten werden konnte, ist unter anderem dem tieferen Sachaufwand, den Rückerstattungen von Pflegerestkostenbeiträgen der Heime Kriens und der Gewinnablieferung der Spitex zu verdanken. Die effektiven Kosten dieser zwei Betriebe waren tiefer als budgetiert. Sie mussten deshalb das zu viel erhaltene Geld zurückerstatten. Dieses wurde nun verbucht. Ein weiterer Grund für die Einhaltung des Budgets ist laut Franco Faé das interne Controlling. «Wir haben schon im Verlauf des Jahres festgestellt, dass die Steuereinnahmen tiefer ausfallen werden als budgetiert. Darauf haben wir umgehend reagiert und unsere Mitarbeiter angewiesen, bei den Ausgaben noch zurückhaltender zu sein.»

Gleichzeitig fielen die Buchhalter durch ihre Kreativität auf. Sie nutzten die Negativzinsen zu Gunsten der Gemeinde. 30 Millionen Franken hat die Gemeinde Kriens letztes Jahr als kurzfristige Darlehen aufgenommen. Zinsen musste sie dafür nicht zahlen – im Gegenteil, sie bekam für ihre Schulden sogar Geld. «Letztes Jahr hatten wir erstmals die Gelegenheit, uns auf diese Weise zu refinanzieren, und haben diese Chance genutzt», sagt Franz Bucher, Abteilungsleiter Finanzdienste. Durch die Negativzinsen habe Kriens mehrere 10 000 Franken eingenommen. Die kurzfristigen Darlehen werden dieses Jahr durch langfristige ersetzt.

Insgesamt sieht Franco Faé die Krienser Finanzen auf Kurs. Allerdings bestehen noch Risiken. Eines der grössten Risiken ist die kantonale Finanzpolitik. Belasten die Sparprogramme des Kantons die Gemeinden zusätzlich, wird sich dies direkt auf die Rechnung auswirken. Durch das Konsolidierungsprogramm 2017 rechnet Franco Faé für Kriens mit Mehrkosten von bis zu 1 Million Franken pro Jahr. «Wir müssen schauen, wie wir damit umgehen. Es ist fast kein Sparpotenzial mehr vorhanden.»


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