Weshalb ein «P» so wertvoll sein kann

LUZERN ⋅ Die 58. Rölli-Auktion wartet morgen Freitag mit einer Rarität auf. Der Poststempel eines 165 Jahre alten Briefs aus St. Urban dürfte sich ein Sammler mehrere tausend Franken kosten lassen.

29. September 2016, 05:00

2270 Lose der Philatelie werden im Auktionshaus Rölli an der Seidenhofstrasse in Luzern feilgeboten. Lose, das sind die zu versteigernden Produkte. Und Philatelie steht für Briefmarkenkunde. Morgen kommt dabei eine Rarität unter den Hammer, die «wirklich nicht alltäglich ist», wie Christian Holling, der Leiter Public Relations bei Rölli, festhält. Konkret handelt es sich um einen Faltbrief aus dem vorletzten Jahrhundert. «Drei Dinge machen ihn so besonders: der Stempel, die Regionalität und der klare Aufdruck. Es gibt Raritäten, die sind hässlich. Doch hier handelt es sich um ein wirklich schönes Objekt.»

Tatsächlich ist der 165 Jahre alte Brief in einem bemerkenswerten Zustand. St. Urban als Aufgabestelle (siehe Bild, oben rechts) und Pfaffnau als Empfängerort sind deutlich zu lesen. Auf der linken Seite finden sich zwei Briefmarken, auf welche jeweils ein P gestempelt worden ist. Bei 2000 Franken liegt der Mindestpreis, «wir gehen davon aus, dass wir in den Bereich von 4000 bis 5000 Franken vorstossen werden. Damit befinden wir uns für diese Art von Produkt am oberen Limit», berichtet Holling.

Zweimal pro Jahr führt Rölli solche Auktionen durch. In den Besitz der Ware kommt man entweder über den Sammler selbst, wenn dieser seine Ware verkaufen will. Oder es sind Angehörige eines Verstorbenen, welche über eine Erbschaft zu den Artefakten gelangt sind.

Doch was macht nun bei diesem Brief den grossen Wert für passionierte Philatelisten aus? «Das farblich frische P», antwortet der Fachmann und führt aus: «Diese Art der Entwertung einer Briefmarke ist sehr selten und wurde nur in St. Urban so gemacht. In einer Sammlung zum Kanton Luzern darf sie eigentlich nicht fehlen.» Die gelbe und die blaue Rayon-Briefmarke im damaligen Wert von 15 Rappen seien derweil nichts Ausserordentliches.

Fälschungen? «Die sind nicht selten»

Könnte es sich mit Blick auf die gute Erhaltung dieser Rarität auch um eine Fälschung handeln? «Das gibt es wirklich und nicht einmal so selten», so Holling. Liege dem zu versteigernden Artikel kein Echtheitszertifikat bei, lasse man sich seine Authentizität von einer Fachstelle bestätigen.

Spannend ist jeweils auch die Geschichte, die sich um einen solchen Brief rankt. Wer hat ihn aufgegeben? Wer war der Empfänger? Was steht im Brief? «Klar schauen wir uns den Inhalt an», sagt Holling. «Hier handelt es sich um ein kurzes Schreiben mit lediglich neun Zeilen, das an den Gemeindeammann von Pfaffnau gerichtet war. Geschrieben wurde er am 26. Juni 1851. Im Weiteren ist die Schrift für uns aber zu kompliziert, um sie zu entziffern.» Aufklärung bringen können auch keine Angehörigen, der Brief befand sich zuletzt im Besitz eines Sammlers aus dem Kanton Zürich. Dem potenziellen Käufer sei der Inhalt aber egal. Ihm genügt in diesem Fall ein einziger Buchstabe am richtigen Ort. Das P auf einer Briefmarke.

Stephan Santschi


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