Zentralschweizer Thais trauern um den Vater einer ganzen Nation

LUZERN ⋅ Für viele Thailänder in unserer Region ist es nach dem Tod von König Bhumibol eine schwierige Zeit – vor allem weil sie nicht zu Hause sind.

15. Oktober 2016, 11:36

Bilder von Tausenden weinenden Thais gehen um die Welt, denn am Donnerstag ist ihr König verstorben. In ihrem Heimatland wurde am gestrigen Tag nicht gearbeitet. Die Thais standen an den Strassen Bangkoks und verfolgten den Trauerzug des verstorbenen Königs Bhumibol (88).

Diese Szene läuft gerade im Fernseher im Take-away Takrai an der Haldenstrasse in Luzern. Dort verfolgen die thailändischen Angestellten die Bilder. Unter ihnen Jane Ziegler (48), sie erzählt: «Der König bedeutete ­alles für uns – er war wie ein Vater für alle.» Als ihre Kollegin noch etwas hinzufügen will, verstummt sie und verlässt den Raum. «Es ist schwierig für uns», erklärt Ziegler. Umso wichtiger sei in dieser Zeit der Fernseher, die sozialen Medien und die Möglichkeit, mit Verwandten zu telefonieren. «Ich schaue mir an, was in Thailand passiert und bete.» Sie trauere für sich allein und denke an den Verstorbenen. Dass es kein gewöhnlicher Tag sei, findet auch ihr Chef, Ivan Peter: «Als wir hier vom Tod hörten, haben meine thailändischen Mitarbeiter sofort zu weinen begonnen.» Auch seine Frau sei momentan zu Hause und arbeite heute nicht. In der Schweiz leben laut Bundesamt für Statistik 9058 Thailänder.

Kontakt ist jetzt umso wichtiger

Ein paar Strassen weiter räumt Yaowapa Isenegger (55) gerade die Küche des Thai Imbisses Imthip auf. «Ich habe die Nachricht am Donnerstag von einer Kollegin aus Thailand bekommen», sagt sie und fügt an: «Er war wie ein Vater von unserem Land.» Seit 23 Jahren ist sie in der Schweiz, pflegt aber einen regen Kontakt zu ihrer Heimat. Ihre vier Schwestern und ein Bruder leben in Thailand. «Wir telefonieren viel – vor allem jetzt ist es wichtig, Nachrichten von ihnen zu erhalten», erklärt die Köchin, die den Imbiss an der Zürichstrasse zusammen mit ihrem Mann führt. Als der König in den vergangenen Tagen krank im Spital lag, sei der Kontakt mit ihren Freunden und Verwandten umso wichtiger gewesen.

Das Ableben ihres Königs habe sie schwer getroffen. Kurz werden ihre Augen feucht, als sie erzählt: «Ich habe ihn nie persönlich getroffen, aber er hat immer gearbeitet und viel für unser Volk getan.» Isenegger erinnert sich an ihre Kindheit und ihre späteren Ferien in Thailand: «Jeden Tag wird die Königsfamilie im Fernseher gezeigt. Wir konnten sehen, was sie den ganzen Tag gemacht haben.»

Die 55-Jährige trägt schwarze Kleidung als Zeichen ihrer Trauer: «Ich werde sicher für ­einen Monat diese Farbe tragen. Aber in meinem Herzen wird der König immer einen Platz haben.» Selbstverständlich werde sie ihn in ihre Gebete aufnehmen, «damit er in den Himmel kommt», erklärt Yaowapa Isenegger. Auf die Frage, wie es jetzt in Thailand weitergehen wird, weiss sie keine Antwort.

Profilbilder sind schwarz

An der Löwenstrasse steht Kritsana Hintour (50) hinter dem Tresen ihres «Tourist Shop». Auch sie trägt schwarze Kleidung: «Ich bin sehr traurig.» Sogleich tippt sie auf ihr Smartphone und zeigt Bilder und Filme von den Trauernden in ihrem Heimatland. «Die Profilbilder auf Facebook sind alle schwarz als Zeichen für die Trauer.» Auch sie sagt: «Wir sagen alle, er ist unser Vater.» Als sie die Nachricht vom Tod vernommen habe, sei sie sofort nach Solothurn gefahren. Denn dort gibt es in Gretzenbach einen buddhistischen Tempel. «Wir haben Kerzen angezündet, geweint und gebetet.»

Andrea Muff


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