Ambulanzfahrten: Kantonsspital sticht Rettungsdienst Seetal aus

HOCHDORF ⋅ Der Rettungsdienst Seetal hat Aufträge von der Rettungsflugwacht verloren – und zwar an das Luzerner Kantonsspital. Der Verlust dieser Geschäfte bringt die Seetaler Ambulanz in Bedrängnis.
09. Februar 2018, 05:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Rund 70 Mal stand der Rettungsdienst Seetal im Auftrag der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) bisher jährlich im Einsatz. Heisst: Die Seetaler Ambulanz ist beispielsweise nach Paris oder Österreich gefahren, um dort einen Patienten abzuholen und diesen in die Schweiz zu bringen. Damit ist nun Schluss, weil die Rega die sogenannten Repatriierungen – den Rücktransport von verletzten oder erkrankten Patienten aus dem Ausland in ein Schweizer Spital – dem Luzerner Kantonsspital (Luks) zuspricht. Seit September erhalte ihre Organisation keine Repatriierungen mehr zugewiesen, lässt die Seetaler Ambulanz verlauten.
 
Die Rega will das Ende der Zusammenarbeit nicht bestätigen und betont, man arbeite «mit unterschiedlichen Rettungsdiensten in der ganzen Schweiz zusammen. Die Auswahl wird in der Rega-Einsatzzentrale getroffen, abhängig von der Region, dem Zielspital und der Verfügbarkeit», heisst es auf Anfrage. Detaillierte Angaben zur Auftragsvergabe der Rega-Partner würden nicht gemacht.

Anfrage von SVP-Arzt soll Klarheit schaffen

Das Luks nimmt nicht konkret Stellung und verweist auf den laufenden politischen Prozess. Denn publik wurde der Entscheid aufgrund eines Vorstosses von SVP-Kantonsrat Beat Meister. Seitens Luks wolle man wie üblich der regierungsrätlichen Stellungnahme nicht vorgreifen und werde sich deshalb inhaltlich derzeit nicht äussern. Betont wird in der Antwort, dass man grossen Wert auf einvernehmliche und gute Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen lege. «Der Versorgungssicherheit wird dabei höchste Priorität beigemessen», sagt Luks-Sprecherin Simona Benovici. Warum die Repatriierungs-Aufträge also ans Spital gehen, bleibt unklar. Klarheit schaffen will SVP-Kantonsrat und Hausarzt Beat Meister mit einer Anfrage an die Regierung.

Der Hochdorfer will unter anderem wissen, welche langfristige Strategie hinter dieser Entscheidung des Luks steckt und warum die Klinik die Fahrten etwa in die Region Inwil prioritär selbst übernimmt, obschon der Rettungsdienst Seetal schneller da wäre. Zudem fragt er die Regierung, ob die Fahrten fürs Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) dereinst auch vom Luks übernommen werden. Der Rettungsdienst führt aktuell ausserkantonale Fahrten fürs SPZ durch. Meister ist überzeugt, dass der Verlust der Rega-Geschäfte «eine Schwächung der Seetaler Ambulanz bedeutet». Die Rettungsdienste sollen alle gleich behandelt werden, so Meister. Es dürfe nicht passieren, dass die private Ambulanz im Seetal mit der Auslastung zu kämpfen habe, weil ein grosses Spital ihnen Aufträge wegschnappe, so der Politiker.

Des weiteren verweist Meister auch auf die Kosten: Die Seetaler Ambulanz, welche sich selber finanziert, fährt zu einem deutlich günstigeren Preis als der Spital-Rettungsdienst. So kostet die Grundpauschale für den Transport mit dem Rettungswagen beim Luks 900 Franken. Bei der Seetaler Ambulanz beläuft sich der Betrag auf 500 Franken.

Der Geschäftsführer des Rettungsdienstes Seetal will aktuell keine Stellung nehmen, wie er auf Anfrage sagt.


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