Ärmere Quartiere werfen mehr Steuern ab

EMMEN ⋅ Teurer Wohnraum benötigt viel Platz und ist für eine Gemeinde daher wenig einträglich, sagen die linken Parteien. Ein Vergleich bestätigt diese These. Der Gemeinderat hält jedoch wenig davon.
13. November 2017, 07:01

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Ein vollständig neues Quartier in der Feldbreite, Verdichtung im Sonnenhof, geplante Projekte in der Herdschwand, in der Viscosistadt, am Seetalplatz: In Emmen wird seit Jahren gebaut, ein Ende ist nicht abzusehen. Für den Bauboom wird ein Argument immer wieder genannt: Die neuen, schönen Wohnungen werden gute Steuerzahler in die Gemeinde bringen. Obwohl es in Emmen traditionell viel günstigen Wohnraum und mehrere Wohnbaugenossenschaften gibt, besteht vor allem in linken Kreisen die Befürchtung, dass der bezahlbare Wohnraum langfristig verdrängt wird.

Vor diesem Hintergrund haben die Fraktionen von SP, Grünen und GLP eine Interpellation an den Emmer Gemeinderat ­gerichtet mit der Frage, welches Quartier auf den Quadratmeter gerechnet wie viel Steuern bezahlt. Die These der Interpellanten: Teurer Wohnraum benötigt mehr Platz als günstiger. Deshalb ist der Steuerertrag auf die Fläche gerechnet in dichtbebauten Quartieren höher als beispielsweise in Einfamilienhausquartieren oder in Gebieten mit grosszügigen Maisonettewohnungen. Dieses Resultat brachte auch ein analoger Vergleich in der Stadt Luzern im Jahr 2011 hervor (wir berichteten).

Benziwil wirft am meisten ab

Nun liegt die Antwort des Gemeinderats vor. Die Vergleichs­tabelle, darin mit den Zahlen von 2016, zeigt: Den höchsten Steuerertrag pro Quadratmeter generiert das Quartier Benziwil, nämlich 23.84 Franken (siehe Tabelle). Den zweithöchsten Steu­er­ertrag liefert das Quartier Bösfeld-Kapf (19.53 Franken), gefolgt vom Quartier Alp mit 17.08 Franken. Am wenigsten Steuern pro Quadratmeter zahlen die Einwohner des Erlen-Neuhof-Quartiers (4.26 Franken), von Emmen Dorf (3.46 Franken), Rüeggisingen (3.06 Franken) und Holz (0.21 Franken).

SP-Fraktionschefin und Interpellantin Barbara Fas sieht ihre Vermutung bestätigt: «Benziwil ist ein dichtbesiedeltes Quartier mit eher günstigen Wohnungen.» Derweil stehen im Erlen mehrheitlich und in Rüeggisingen viele Einfamilienhäuser, im Neuhof gibt es zudem viele grosszügige Wohnungen. «Hier sehen wir schwarz auf weiss: Je grosszügiger gebaut wird, desto weniger Steuerertrag wirft die Wohn­fläche ab», so Fas. Gleichzeitig zeige der Vergleich, dass auch aus weniger gut betuchten Quartieren viele Steuergelder in die Emmer Gemeindekasse fliessen.

Beim Pro-Kopf-Vergleich ist Erlen vorne

Allerdings: Errechnet man den Steuerertrag pro Einwohner – unabhängig von der Fläche –, weist das Erlen-Neuhof-Quartier den höchsten Wert auf (rund 2300 Franken), gefolgt vom Bösfeld-Kapf (rund 1870 Franken) und Benziwil (rund 1710 Franken).

Die verhältnismässig niedrigen Zahlen ergeben sich, weil in der Rechnung Quellenbesteuerte und Liegenschaftsbesitzer mit Wohnsitz ausserhalb von Emmen nicht enthalten sind. Deswegen wurden für die Berechnung nur knapp 50 Millionen Franken an Steuern berücksichtigt, nicht aber die gesamten Gemeindesteuererträge der Einkommens- und Vermögenssteuern von rund 62 Millionen Franken. «Aus den vorliegenden Zahlen lassen sich unseres Erachtens keine nachhaltigen Erkenntnisse ablesen», kommt der Gemeinderat daher zum Schluss. Die Entwicklung in den Quartieren erfolge «ausgewogen», daher sehe man keinen Anlass, die Steuerkraft pro Fläche zu ermitteln.

Barbara Fas ist diesbezüglich anderer Meinung. «Man müsste aber zusätzlich aufführen, wie viele Quadratmeter ein Einwohner in den jeweiligen Gebieten für sich beansprucht.» Zudem könne aus dieser Momentaufnahme noch keine Entwicklung abgelesen werden. «Aus diesem Grund möchten wir eine jährliche Aufstellung dieser Steuererträge», sagt Fas.


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