Chefsache

Akte LU ungelöst: Weil die Polizei vielleicht nicht kommt

Chefredaktor Jérôme Martinu über die Auswirkungen einer Sparmassnahme.
16. September 2017, 04:40

Stellen Sie sich vor, Sie rufen notfallmässig die Polizei. Und am anderen Ende der Telefonleitung erklärt Ihnen der diensthabende Ordnungshüter,in diesem Fall könne man aufgrund fehlender Einsatzkräfte derzeit leider nicht ausrücken. Sie werden auf später vertröstet. Dass Sie hierbei einen Einbruch oder Diebstahl oder eine verdächtige Wahrnehmung gemeldet haben, ist nicht ausschlaggebend.

Diese Schilderung stammt nicht aus dem Plot eines TV-Krimis. Sie beschreibt lediglich die aktuelle Realität in unserem Land, genauer im Kanton Luzern – Aktenzeichen LU ungelöst. Der Regierungsrat hat die Sparschraube auch bei der Polizei angezogen: 28 000 Überstunden, das sind 35 pro Mitarbeiter, muss das Korps abbauen und so die Bilanz um 1,45 Millionen Franken entlasten. Klar, die Polizei musste bisher auch schon priorisieren, sie kann nicht für jeden Pipifax, etwa Bagatellunfälle, ausrücken. Die Situation hat sich aber aufgrund des Sparkurses derart verschärft, dass Polizeikommandant Adi Achermann von einer höchst unbefriedigenden Situation spricht: «Es bleiben deutlich mehr Fälle liegen.» Konkret: Seit Juli kam es bei über 500 Meldungen zu keinem Einsatz, das sind rund 7 pro Tag. Und im kommenden Jahr soll das Polizeibudget nochmals um 1,3 Millionen gekürzt werden.

Ironie dieser ebenfalls – siehe das Zusammenstreichen von Prämienverbilligungen – misslungenen Massnahme: Einen grossen Teil der Überstunden hat die Polizei wegen des Sparauftrags überhaupt erst angehäuft. Denn das Parlament hat sich schon längst dafür ausgesprochen, mehr personelle Ressourcen für die Polizeiarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Aufstockung ist aber bis dato noch gar nicht ausgelöst worden.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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