Alle wollen den Samichlaus

BRAUCHTUM ⋅ Immer mehr Familien bestellen einen Samichlaus zu sich nach Hause. Auf der anderen Seite haben einige Gesellschaften Mühe, Helfer zu finden – und stossen an ihre Grenzen.
04. Dezember 2017, 05:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Samichlaus, du liebe Maa» – dieser Spruch wird in diesen Tagen öfters in Stuben der Region Luzern erklingen als noch vor einigen Jahren. Denn die Nachfrage nach Samichlaus-Besuchen hat stark zugenommen, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. In Kriens geht es gar so weit, dass die Galli-Zunft, die dieses Jahr aufgrund interner Probleme bei den Pfarrei-Chläusen alle Familienbesuche abdeckt, an ihre Kapazitätsgrenzen stösst. Für nächstes Jahr plant die Zunft, die Besuche gar auf einen vierten Tag auszuweiten. Dies, um allen Wünschen nachzukommen und auch, weil es in der Galli-Halle kaum noch Platz hat für alle Helfer (Ausgabe vom 23. November).

In den letzten sechs Jahren hat sich die Zahl der von der Zunft besuchten Familien in Kriens fast verdoppelt: Waren es 2011 noch 250 und 2016 rund 330 Familien, sind es aktuell über 400. Total werden dieses Jahr fast 900 Krienser Kinder vom Galli-Zunft-Samichlaus besucht. Um alle Anfragen abzudecken, helfen über 300 Freiwillige mit.

Bräuche werden wieder stärker gepflegt

In Ebikon zeigt sich ein ähnlicher Samichlaus-Boom wie in Kriens. Wurden 2013 noch rund 280 Familien besucht, waren es 2016 bereits 330. Und dabei sind die Besuche bei Vereinen, in Heimen und Kitas noch gar nicht mitgerechnet. Gemäss Freddy Duss, Präsident der Samichlausen-Gesellschaft Ebikon, werden es dieses Jahr ähnlich viele sein. Für nächstes Jahr erwartet er eine Zunahme im zweistelligen Prozentbereich. «Die Nachfrage hat drastisch zugenommen.» Interessant ist aber auch folgende Zahl: 2013 kamen in Ebikon auf die 280 Familien 680 Kinder. Letztes Jahr wurden bei den 330 Familien noch 580 Kinder besucht – ein Indiz dafür, dass die Kinderzahl pro Familie abnimmt.

Die Ebikoner Chläuse stossen trotzdem nicht an ihre Grenzen. «Wir sind eine grosse Gesellschaft, haben einen grossen Fundus und keine Nachwuchsprobleme. Es wäre für uns möglich, auch an einem vierten Tag zu laufen», sagt Freddy Duss. Derzeit sind in Ebikon an drei Abenden bis zu 15 Gruppen à 4 Personen unterwegs. Teilweise kommt den Samichläusen dabei ein neuer Trend entgegen: Vermehrt schliessen sich Familien oder gar ganze Quartiere für den Samichlaus-Besuch zusammen. Dadurch können mehr Familien mit gleich viel oder weniger Besuchen abgedeckt werden.

Die steigende Nachfrage hat in Ebikon – wie in vielen Gemeinden – mit dem Bevölkerungswachstum zu tun. Und: «Die Menschen kehren zurück zum Traditionellen, Bräuche werden wieder stärker gepflegt», sagt Freddy Duss. Das stelle er beispielsweise auch bei Musikvereinen fest.

Terminwünsche sind schwierig zu organisieren

Ähnlich sieht es in der Gemeinde Emmen aus. Nachdem die Gesellschaft St. Niklaus Gerliswil/Riffig vor 10 Jahren einen Tiefpunkt bei den Familienbesuchen verzeichnet hatte, nehmen die Anfragen seither stetig zu. 2008 besuchte die Gesellschaft noch rund 90 Familien, heuer sind es 140. «Wir sind mittlerweile an vier Tagen mit fünf bis sechs Gruppen à sechs Personen – plus vier bis sechs kleine Gonggeler – unterwegs. Organisatorisch ist das eine ziemliche Herausforderung», sagt Marcel Schumacher, der bei der Gesellschaft für die Besuche zuständig ist.

Einerseits werde von vielen Familien erwartet, dass man immer flexibler werde und auf Terminwünsche eingehe. «Darauf können wir aber nicht Rücksicht nehmen», so Schumacher. Andererseits werde es immer schwieriger, Helfer zu finden. «Mit Mühe und Not» bringe man jeweils genügend Leute zusammen. Die Gesellschaft, die früher ausschliesslich von der Jungwacht unterstützt wurde, arbeitet auch heute noch mit den Jugendvereinen zusammen. Doch auch hier sind die Freiwilligen dünn gesät: «Als ich noch in der Jungwacht war, konnte man froh sein, wenn man beim Samichlaus mitlaufen durfte. Heute ist es für die Jungen eher mit Stress verbunden.»

Schumacher erklärt die steigende Nachfrage mit dem Bevölkerungswachstum. Er stelle aber auch fest, dass vermehrt Migranten aus Ex-Jugoslawien der zweiten Generation den Samichlaus bestellen, weil sie den hiesigen Brauch schätzen. «Dass wir konfessionsneutral sind, trägt sicher auch seinen Teil dazu bei.»

Der St.-Niklaus- und Trichlerverein Emmenbrücke/Erlen hat jedes Jahr 79 Auftritte innerhalb von 14 Tagen. Dies mit nur einer Gruppe à 12 Personen. «Die Zahl ist seit Jahren konstant, weil wir gar nicht mehr Besuche abdecken können», sagt Präsident Hans Graber. «Wir hätten aber viel mehr Anfragen, vor allem tagsüber von Kitas und Kindergärten. Da wir aber alle berufstätig sind, müssen wir denen absagen.» Etwa 10 bis 15 Anfragen müssten jeweils an andere Gruppen, etwa an die Pfarreien, verwiesen werden. Mit mehr als einer Gruppe zu laufen, liege für den Verein nicht drin, sagt Graber: «Es wird immer schwieriger, junge Leute zu finden, die mitmachen wollen.»

Quartier- statt einzelne Familienbesuche

Ein ähnliches Problem hat der Hofsamichlaus, der gestern seinen Auszug aus der Luzerner Hofkirche feierte. Zwar ist die Zahl der besuchten Familien dieses Jahr mit über 100 leicht höher als sonst. Da sich das Einzugsgebiet auf die Pfarrei beschränkt und die betreffenden Quartiere nicht mehr gross gewachsen sind, bewegen sich die Besuchszahlen in einem ziemlich konstanten Rahmen. «Aber wir spüren, dass es schwieriger wird, Helfer zu finden», sagt Organisator Philipp Zeier. Die rund 140 Freiwilligen, die in den 5 Gruppen à 9 Personen mitlaufen, seien jeweils «gerade so knapp» aufzutreiben.

Hingegen muss die Luzerner Samichlausgesellschaft, die sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, ab und zu Termine absagen. «Weil wir oft einen Esel und Schellen dabei haben, sind wir sehr beliebt», sagt Präsident Kurt Käppeli. Mit ihren 2 Samichläusen und 30 Vereinsmitgliedern versucht die Gesellschaft deshalb, nach Möglichkeit grössere Anlässe wahrzunehmen und die Familienbesuche in Quartieren zusammenzulegen. «Für das Lützelmattquartier machen wir beispielsweise einen kleinen Umzug in den Gütschwald. Das kommt gut an», so Käppeli. An zwei Tagen kann die Luzerner Samichlausgesellschaft so 30 bis 50 Familien erfreuen. «Wir versuchen natürlich, möglichst viel wahrzunehmen. Es wäre ja schade, wenn jemand auf einen Samichlaus verzichten müsste.»

Diesen Gedanken äussern übrigens alle angefragten Vereine und Gesellschaften. Auch wenn der organisatorische Aufwand immer grösser wird: Ihre freiwilligen Helfer sind jedes Jahr mit Herzblut dabei, um Kinderaugen zum Strahlen zu bringen.

  • Der Samichlaus mit seinem Gefolge vor der Hofkirche. (© Roger Grütter (LZ))
  • Der Samichlaus präsentiert sich zusammen mit seinen Helfern. (© Roger Grütter (LZ))
  • Die Zwergli ziehen mit dem Samichlaus mit. (© Roger Grütter (LZ))

Am Sonntag ist in Luzern der Samichlaus mit seinen Helfern von der Hofkirche aus durch die Stadt gezogen.

Video: Samichlausauszug Ebikon

Am 1. Advent hat der Samichlaus mit seinem Gefolge viele Kinder und Familien von der Treppe der Pfarrkirche in Ebikon begrüsst. Anschliessend zog er zum Wydenhofschulhaus. (rem, 03.12.2017)

Video: «Samichlais-Iizug» Beckenried

Am ersten Samstag im Dezember haben in Beckenried der traditionelle Markt und der Einzug des St. Nikolaus stattgefunden. Rund 500 Trinkler zogen durch das Dorf. (Leservideo Caroline Pirskanen, 02.12.2017)




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