13er-Liste: Guido Graf macht einen Kompromiss

SPITALBEHANDLUNGEN ⋅ Dass die Entfernung der Gaumenmandeln künftig im Prinzip ambulant erfolgen soll, sorgte bei Ärzten für helle Aufregung. Daher lässt der Kanton nun die Finger davon – jedenfalls vorerst.
14. Juni 2017, 11:15

Dieses Einlenken hat sich abgezeichnet: Per 1. Juli führt der Kanton Luzern eine Liste mit Behandlungen ein, die grundsätzlich ambulant durchgeführt werden sollen. Die Entfernung der Gaumenmandeln gehört zwar zu den 13 betroffenen Eingriffen. «Vorübergehend» sei diese Behandlung vom Grundsatz «ambulant vor stationär» aber ausgenommen, sagte Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) am Mittwoch. Diesen Kompromiss dürften insbesondere Hals-, Nasen- und Ohrenspezialisten mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Denn sie wehrten sich, die Risiken zu tragen, die bei nichtstationärer Durchführung drohen (Ausgabe vom 12. Juni 2017).

Wie Guido Graf betonte, sei das Zurückstellen der Gaumenmandeln-OP keine Kapitulation vor der Kritik der Ärzteschaft. Vielmehr müsse nun in Fachkreisen analysiert werden, warum dieser Eingriff in Luzern bisher nur zu einem Prozent ambulant vorgenommen werde, im Kanton Waadt als Spitzenreiter aber in fast drei Viertel aller Fällen.

Auf der 13er-Liste des Kantons stehen folgende Eingriffe: Herzkatheteruntersuchung, Karpaltunneloperation, Grauer-Star-Operation, Mandeloperation, Herzschrittmacher, Krampfaderoperation, Eingriffe an Blutgefässen, Hämorrhoiden, Leistenbruchoperation, Eingriffe am Gebärmutterhals, Kniespiegelung, Eingriffe am Kniemeniskus und Nierensteinzertümmerung. Mit einer solchen Liste nimmt Luzern eine Pionierrolle ein. «Ich würde es schätzen, wenn es national eine einheitliche Richtlinie geben würde», so Graf. «Positiv» habe er zur Kenntnis genommen, dass etwa Zürich ebenfalls eine Liste verabschieden wolle.

Einsparpotenzial: Drei Millionen jährlich

Mittels 13er-Liste will Graf die Gesundheitskosten eindämmen, indem unnötige stationäre Spitalbehandlungen vermieden werden. Denn diese seien «im Schnitt zwei bis drei Mal» teurer. «Wir rechnen netto im Minimum mit Einsparungen von drei Millionen Franken jährlich.» Graf ist überzeugt: «Ambulant vor stationär» sei der richtige Weg. «Hier machen wir etwas, das dem Patient nicht weh tut.» Denn betroffen seien medizinische Leistungen, die sich ambulant und stationär «in der gleichen Qualität und Sicherheit» erbringen lassen. «Andere Sparprogramme wären wesentlich einschneidender.» Zudem würden damit keine zusätzlichen Kosten den Krankenversichern überwälzt.

Begleitgruppe beobachtet Entwicklung kritisch

Wie Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, an der Medienkonferenz sagte, sei man bei Lancierung der Liste im Januar «vor vollendete Tatsachen» gestellt worden. Mittlerweile akzeptiere man das Vorhaben des Kantons – sofern ein Arzt weiterhin politisch unabhängig entscheiden könne, «nicht ökonomisch getrieben». Dass gewisse Operationen eher stationär erfolgen, habe auch mit der Vor- und Nachbereitung zu tun. «Leistenbrüche könnten zu gut 50 Prozent ambulant operiert werden. Doch hier hätte man ein Vergütungsproblem.» Auch bei der Gaumenmandel-OP müsse man sich fragen, ob der ambulante Weg der richtige sei. Ein Kind, das Schmerzen habe, weine und nicht essen wolle, lasse gewisse Eltern schnell den Notfall aufsuchen.

Laut Graf sei man durchaus «offen für Justierungen» an der Liste. Eine Begleitgruppe mit Vertretern von Kantonsspitals, Hirslanden-Klinik und der Patientenstelle Zentralschweiz werde die Umsetzung kritisch verfolgen.  
 

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch
 


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