Anwohner verbannen Kinder wegen Lärm von Spielplatz

KRIENS ⋅ Seit Jahren wird der Spielplatz beim Schulhaus Brunnmatt am Wochenende abgeschlossen. Diese Sonderregel haben sich Anwohner erkämpft. Nun aber soll sie fallen.
06. Februar 2018, 05:00

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

«Schulhaus-Spielplätze sind öffentlich, deshalb sollten sie auch an Wochenenden Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen.» Das findet Anita Burkhardt-Künzler, CVP-Einwohnerrätin aus Kriens. Und das sehen auch die Weisungen für Schulhausplätze der Gemeinde Kriens vor, die im Frühling 2009 vereinheitlicht wurden. So wird es denn auch an allen Krienser Schulhäusern gehandhabt – mit einer Ausnahme, dem Spielplatz beim Schulhaus Brunnmatt. Dort wird der Spielbereich mit Klettergerüst, Vogelnestschaukel und Balancierstange jeweils am Wochenende abgeschlossen. Und dies schon seit Jahren. Diese Sonderregelung erkämpft haben sich die Anwohner.

Als die Gemeinde Kriens die Weisungen für sämtliche Krienser Schulhausplätze vor knapp neun Jahren vereinheitlichte, wurde der Spielplatz des Brunnmatt-Schulhauses gerade neugestaltet. Noch bevor dann im Sommer 2009 die ersten Kinder auf dem neugestalteten Spielplatz rumtollten, hatte sich eine Gruppe von Anwohnern an die Gemeinde gewendet. Ihre Befürchtung: Ein neuer Spielplatz würde zu einer höheren Lärmbelastung führen. Solche Vorbehalte haben ähnliche Bauvorhaben schon auf Jahre blockiert.

«Gemeinde hat unglücklich gehandelt»

«Nirgends in Kriens ist eine Schule so sehr ins Quartier gebaut wie hier. Unser Garten ist nur durch einen Drahtzaun vom Spielplatz getrennt», sagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden will. Vorbehalte hatte sie vor allem gegenüber Jugendlichen, die sich am Wochenende womöglich auf dem «lauschigen» Spielplatz hätten breitmachen, und Gelage veranstalten können. Und Eltern, die ihre Kinder hier spielen lassen? «Bitte, gerne. Damit hätte ich kein Problem.»

Daraufhin arbeitete die Gemeinde Kriens mit den besorgten Nachbarn freiwillig einen Kompromiss aus: Fortan blieb der Spielplatz am Wochenende geschlossen. Ausgenommen von dieser Regelung blieben der Verkehrs- und der Fussballplatz, die ebenfalls zum Schulhaus gehören. Dabei war die Gemeinde zu diesem Schritt rechtlich überhaupt nicht verpflichtet, das bestätigt auch Thomas Kost, Abteilungsleiter Freizeitdienste der Gemeinde Kriens.

In einem Postulat fordert Burkhard-Künzler nun den Krienser Gemeinderat auf, zu überprüfen, ob der Spielplatz künftig auch am Wochenende für alle zugänglich gemacht werden kann. «Dabei liegt es mir fern, den Anwohnern ihre sonntägliche Ruhe zu missgönnen, doch das Schulhaus hat einen öffentlichen Spielplatz und dieser sollte auch als solcher genutzt werden dürfen», sagt Burkhard-Künzler, die erst durch eine Krienser Mutter auf diese «in Kriens einmalige Sachlage» aufmerksam geworden ist. Dass die Gemeinde diese Sonderregelung ohne akuten Handlungsbedarf beschlossen hat, bezeichnet sie als «unglücklich».

Die Anwohnerin hingegen beruft sich auf den Grundsatz «keine Regel ohne Ausnahme» und meint damit: «Die Lage des Schulhauses ist für Kriens einmalig. Entsprechend sollte auch die Sonderregel weiterhin aufrechterhalten werden.»

Gefordert: Neues Regime ab Sommer

Noch sind am Schulhaus Brunnmatt Sanierungsarbeiten im Gang – weshalb die Schüler in einem Provisorium auf der Krauerwiese unterrichtet werden. Verwaist und mit Gittern abgeriegelt ist deshalb auch der Spielplatz. Bis voraussichtlich im August werden die Bauarbeiten aber abgeschlossen sein. Geht es nach Anita Burkhardt-Künzler, soll spätestens dann das Öffnungsregime des Spielplatzes angepasst werden.

Ob die derzeit durchgeführten Instandstellungsarbeiten auch Lärmschutzmassnahmen beinhalten? Kost von der Gemeinde Kriens kann keine Aussage dazu liefern, da die Umgebung noch in der Planungsphase steht. Er findet aber grundsätzlich, dass sich die Diskussion viel zu oft um Kinderlärm dreht. «Dabei sollten andere Fragen im Zentrum stehen wie: Was braucht ein lebenswertes Quartier? Was wünschen sich Kinder und Jugendliche?»


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