Apotheken holen sich das Rüstzeug für's Impfen

KANTON LUZERN ⋅ Seit Mai dürfen Apotheker bei gewissen Impfungen zur Spritze greifen. Erst drei Apotheker bieten die Dienstleistung an. Auf die Grippesaison hin will aber die Mehrheit nachziehen.
17. Juli 2017, 20:26

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Sich nach Feierabend noch kurz gegen Zecken impfen lassen – dafür kann man im Kanton Luzern neu auch in die Apotheke gehen. Seit Mai haben die Apotheker die entsprechende Bewilligung, um Impfungen vorzunehmen.

Drei der 35 Luzerner Apotheken machen davon bereits Gebrauch. So etwa die Apotheke Willisau. Deren Inhaberin Rita Santalucia sagt: «Unsere Kunden haben das Angebot bisher vereinzelt genutzt.» Gegen Zecken seien mehrere Impfungen gemacht worden, gegen Grippe noch keine. «Ob sich das Angebot für uns lohnt, wird sich dann wohl vor Beginn der Grippesaison zeigen.» Santalucia erwartet aber auch in Zukunft nicht einen grossen Ansturm. «Luzern ist kein impffreudiger Kanton.» Sie finde es dennoch wichtig, dass die Apotheken die Dienstleistung im Sinne einer «ganzheitlichen Abdeckung» anbieten. Gerade wenn der Hausarzt in den Ferien weile, würden die Apotheken mit dem Angebot eine wertvolle Alternative bieten. Bereits zur Spritze greifen auch die Amavita Apotheke Ebikon und die Toppharm Apotheke Meyer AG in Sursee.

Weiterbildung kostet rund 3000 Franken

Damit eine Apotheke impfen darf, muss sie über geeignete Räume wie ein separates Zimmer verfügen. Ausserdem muss der impfende Apotheker den Fähigkeitsausweis «Impfen und Blutentnahme» besitzen. Die Weiterbildung kostet rund 3000 Franken. Laut dem Schweizerischen Apothekerverband Pharmasuisse waren im Juni 14 Luzerner Apotheker im Besitz des nötigen Ausweises, 22 weitere waren in der Weiterbildung. Von ihnen sind allerdings nicht alle im Kanton Luzern tätig. In der Apotheke Willisau besitzt derzeit ein Apotheker diesen Fähigkeitsausweis. Inhaberin Rita Santalucia sagt: «In naher Zukunft wird kein weiterer Apotheker die Weiterbildung besuchen. Wir warten nun zunächst ab, wie das Angebot genutzt wird.»

Karin Häfliger ist beim Luzerner Apothekerverein für die Kommunikation zuständig. Sie ist überzeugt, dass bis zum Beginn der Grippesaison noch viele Apotheker aufrüsten werden: «Mehr als die Hälfte der 35 Apotheken wird dann die neue Dienstleistung anbieten», sagt sie. Dies beurteilt sie als erfreulich. «Denn die Weiterbildung ist mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden.»

Mehr Arbeit aufgrund der Grippeimpfung könnte auf die Apotheker zwischen Mitte Oktober und Mitte November zukommen. Dies sei der ideale Zeitpunkt. Denn im Herbst will der Luzerner Apothekerverein mit einer entsprechenden Kampagne starten. Denn auch für den Impfschutz gegen FSME-Viren, welche hauptsächlich durch Zecken übertragen werden, «ist der ideale Zeitpunkt für die Impfung im Winter», so Häfliger. Denn das Risiko, von den Viren infiziert zu werden, ist im Frühsommer am grössten.

Apotheker dürfen nur gesunde Personen mit einem Alter über 16 Jahren impfen. Bei diesen erlaubt sind die Impfung gegen Grippe sowie gegen Zecken. Dafür braucht es keine ärztliche Verschreibung. Weitere Impfungen dürfen Apotheker vornehmen, wenn die Erstimpfung durch einen Arzt gemacht wurde. Dazu zählen etwa Impfungen gegen Hepatitis A und B oder Masern-Mumps-Röteln.

Hinweis

Weitere Informationen zum Impfen in der Apotheke sowie eine Übersicht über die Apotheken, welche bereits impfen, finden Sie unter www.impfapotheke.ch


Leserkommentare

Anzeige: