Asiatische Velos rollen in Luzern ein

KONKURRENZ ⋅ Schon bald wird die Firma Obike aus Singapur in der Region Luzern bis zu 500 Leihvelos anbieten. Ein weiterer Interessent aus China steht in den Startlöchern. Droht ein Chaos auf den Abstellplätzen?
11. August 2017, 11:15

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Sie gehören schon fast zum Stadtbild – die blau-grauen Drahtesel von «Nextbike». Rund 600 Leihvelos gibt es in Luzern, aber auch in Kriens, Horw, Emmen, Sursee, Hergiswil, Stansstad und Stans. Diese Zahl könnte sich nun fast verdoppeln. Wie der «Blick» schreibt, kommt die Firma Obike mit Sitz in Singapur in den nächsten Tagen nach Luzern. Diese wird rund 300 bis 500 Leihvelos in Stadt und Agglomeration anbieten, teilt Ye Yang von Obike auf Anfrage unserer Zeitung mit. In Zürich gibt es die gelb-grauen Obike-Velos bereits seit Juli, weiter ist die Firma in Europa unter anderem in Deutschland und Grossbritannien tätig.

Wann das Angebot in Luzern genau lanciert wird, ist noch offen. Fixe Standorte wird es nicht geben, stattdessen kann man die Velos mittels GPS durch eine App orten und sie nach der Fahrt an einem beliebigen Ort abstellen. «Daher ist auch keine Bewilligung notwendig», sagt Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität im Stadtluzerner Tiefbauamt.

In Zürich kam es nach der Lancierung gemäss «Blick» zu einem Chaos, weil einige Veloabstellplätze mit Obike-Velos überfüllt waren. Inzwischen dürfen bei grösseren Abstellplätzen nur noch zehn Prozent von Obike besetzt werden.

Stadt könnte Sanktionen erheben

In der Luzerner Innenstadt sind die Veloparkplätze bereits heute schon oft voll. Wie geht die Stadt mit dem neuen Anbieter um? «Wir wollen das ähnlich handhaben wie Zürich, wobei wir keine exakte Zahl wie 10 Prozent festlegen», sagt Urwyler. «Das wäre schwer kontrollierbar. Treten die Obikes aber in Massen auf, würde ein gesteigerter Gemeindegebrauch des öffentlichen Grundes vorliegen. Dann könnte die Stadt Sanktionen erheben.» In welcher Form, sei noch offen. «Wir werden die Entwicklung auf jeden Fall sehr genau beobachten. Eine Besprechung mit den Verantwortlichen im Oktober ist bereits geplant», sagt Urwyler.

Bei Obike nehme man das Thema ernst. Zwei Leute würden sich in Luzern darum kümmern, dass sich maximal zwei bis vier Velos bei grösseren Abstellplätzen befinden, bei kleineren maximal eines, so Ye Yang.

Auch Nextbike ist eine internationale Firma. Ihr Sitz ist in Deutschland, ihr Franchisepartner vor Ort ist die Caritas Luzern. Für Hans-Peter Widmer, Leiter Berufliche Integration bei der Caritas Luzern, ist klar, dass man alleine mit dem Veloverleih kein Geld verdienen kann. «Die Wartung der Fahrräder und das Verschieben benötigen zu viel Zeit.» Für Caritas gehe dies nur auf, weil sie von der Stadt einen Leistungsauftrag für den Velo-Ordnungsdienst auf öffentlichen Abstellplätzen hat. «Aus diesem Grund sind wir mit unseren Fahrzeugen unterwegs und erledigen Wartung und Ordnung in einem.» Anders als bei Obike sind die Nextbike-Standorte fix. «Das macht die Wartung einfacher.»

Weiter handelt es sich beim Ordnungsdienst um ein Programm für Langzeitarbeitslose. «Mit voll bezahlten Leuten würde die Bewirtschaftung keinen Sinn machen.» Die Einnahmen bei Obike könnten daher vor allem aus dem Verkauf der Nutzerdaten stammen, wie verschiedene Medien berichten. In den Datenschutzbestimmungen von Obike steht: «Um bessere Dienstleistungen und Produkte anzubieten, können wir die Daten Dritten zwecks Statistikanalyse zur Verfügung stellen.» Daten verkaufen würde man aber nicht, so Ye Yang.

Caritas: «Wir sind gewappnet»

Wie reagiert man bei der Caritas auf die neue Konkurrenz? Man sei «gewappnet», sagt Hans-Peter Widmer. «Wir haben ein erfolgreiches Produkt und gute Velos, die auch mehrere Gänge haben.» Ein weiterer Vorteil sei, dass man für die Fahrt mit Nextbike keine Kaution bezahlen müsse, zudem sei der Tarif mit 2 Franken pro Stunde günstiger. Bei Obike sind es 1.50 Franken für 30 Minuten, die Kaution kostet über 100 Franken. Kommt hinzu, dass Nexbike für die Bewohner der Stadt Luzern und der Gemeinden Horw, Stansstad, Hergiswil dank deren Beiträge noch bis Ende 2017 gratis nutzbar ist. «Weiter haben wir zahlreiche Vereinbarungen mit Firmen, damit deren Mitarbeiter kostenlos mit den Velos fahren dürfen», sagt Widmer. Dieses Jahr verzeichnet Nextbike bereits 42 000 Fahrten – das sind doppelt so viele wie zum selben Zeitpunkt letztes Jahr. «Die Firmenkunden machen rund einen Viertel davon aus.» Auch bei Obike sieht man es sportlich. Die Bevölkerung werde vom zusätzlichen Angebot profitieren, so Ye Yang.

Künftig könnte dieses übrigens noch grösser werden. Die Stadt hat eine weitere Anfrage der chinesischen Veloverleih-Firma «Ofo-Bike» erhalten. «Weitere Kontakte hat es noch nicht gegeben», sagt Martin Urwyler. Ob und wann die China-Velos tatsächlich kommen, sei noch offen.


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