Kritik an Parkhausbau: Attraktiverer ÖV allein reicht nicht

KANTONSSPITAL LUZERN ⋅ Ein neues Parkhaus und insgesamt 285 Parkplätze mehr auf dem Spitalareal – das ist politisch umstritten. Wie viele Parkplätze schliesslich bewilligt werden, ist noch nicht entschieden.
15. Mai 2017, 05:00

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Das Kantonsspital Luzern plant ein Parkhaus mit 606 Parkplätzen für seine Mitarbeiter an der Friedentalstrasse (Ausgabe vom 11. Mai). Die Spitalleitung erhofft sich dadurch weniger Staus bei der Einfahrt ins heutige Parkhaus an der Spitalstrasse. Zahlreiche heutige Aussenparkplätze werden ins geplante Parkhaus Ost integriert. Dennoch wird es nach dessen Bau auf dem Spitalareal 285 Parkplätze mehr geben.

Mehr Parkplätze: verkehrspolitisch ein heisses Eisen. Unbestritten ist der Bedarf an einem zusätzlichen Spital-Parkhaus bei FDP, CVP und GLP, wie eine Umfrage ergab. Auch für SVP-Fraktionschef Marcel Lingg ist klar, dass die Parkplatzthematik beim Kantonsspital einer Lösung bedarf: «Der Ist-Zustand ist eines grossen Spitals unwürdig.» Er bedauert es aber, dass keine Synergie mit einem der grossen Parkhaus-Projekte (Musegg, Metro) gesucht wurde: «Ein Grossraumparking beziehungsweise Parkhaus zur Lösung aller Parkhausprobleme hätte ich bevorzugt.»

SP: «Die Parkierfläche wächst seit Jahren»

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums betont Mario Stübi (SP), dass von einem Parkplatzsterben, wie es Teile der Politik immer wieder beklagten, keine Rede sein könne. Im Gegenteil: «Die Parkierfläche in der Stadt Luzern wächst seit Jahren ausschliesslich.» Aktuell gebe es auf Stadtgebiet pro zehn Einwohner acht Parkplätze.

Klar ablehnend äussert sich Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen: «Dass es zusätzliche 285 Parkplätze gibt, finden wir selbstverständlich nicht gut. Wir sind grundsätzlich gegen mehr Parkplätze, gegen mehr Verkehr.» Die Grünen hätten sich stattdessen gewünscht, dass nochmals geprüft würde, ob man das Mobilitätskonzept beim Kantonsspital weiter verbessern könnte. Bärtsch wollte schon Anfang Jahr in einer Interpellation vom Stadtrat wissen, wie das ÖV-Angebot für das Kantonsspital Luzern verbessert werden könnte. Die Antwort der Stadtregierung sollte demnächst vorliegen.

In Sachen Mobilitätsoptimierung hat das Luzerner Kantonsspital bereits vorbildliche Arbeit geleistet. Zur Priorisierung des öffentlichen Verkehrs wurde ein Sperrkreis definiert. Neben der Stadt Luzern umfasst dieser Ebikon, Emmen, Horw, Kriens, Meggen und seit 2016 auch Adligenswil, Buchrain, Dierikon, Hergiswil, Inwil, Root, Rothenburg, Neuenkirch. Innerhalb des Sperrkreises erhalten Mitarbeitende 200, ausserhalb des Sperrkreises bis zu 500 Franken Beteiligung ans ÖV-Abo. 2016 haben gemäss Spital-Sprecherin Ramona Helfenberger 2500 Mitarbeitende dieses Angebot genutzt. 2015 wurden die Parkiertarife für Mitarbeitende verdoppelt – von 2.90 auf 5.80 Franken. Auch wurden 60 zusätzliche Veloparkplätze errichtet. Zusätzlich wurde ein Nachttaxi für Mitarbeitende eingeführt, finanziert vom Spital.

Im 71/2-Minuten-Takt vom Bahnhof zum Spital

Auch das ÖV-Angebot wurde verbessert. Die Buslinien 18 und 19 vom Bahnhof Luzern zum Kantonsspital verkehren heute im Regelfall im 15-Minuten-Takt, sodass es im Schnitt alle 71/2 Minuten einen Bus vom Spital zum Bahnhof und umgekehrt gibt. Zusätzliche Verbesserungen sind geplant, darunter eine elektronische Busspur auf der Spitalstrasse. «Das Kantonsspital arbeitet zusammen mit anderen Partnern ­intensiv an einem Mobilitätsmanagement, um den Problemdruck zu vermindern», sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). «Das und die Verbesserung des ÖV-Angebots allein reichen jedoch nicht aus, um die Verkehrssituation umfassend zu verbessern.»

Es bleibt die Frage, ob das neue Parkhaus sich mit dem städtischen Verkehrskonzept verträgt. «Das hängt direkt von der Anzahl der schliesslich bewilligbaren Parkplätze sowie dem zeitlichen Verkehrsaufkommen ab», sagt Stadtrat Borgula. Entscheidend sei, dass «der Verkehrsablauf auf dem umliegenden Strassennetz aufrechterhalten bleibt». Es steht also noch nicht fest, wie viele zusätzliche Parkplätze bewilligt werden.


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